Kékkúts Hauptstraße ist gesäumt von pittoresken Bauernhäusern Foto: Dániel Solymár

Ungarn entdecken: Kékkút

Kleines Dorf mit großem Ruf

Inmitten des landschaftlich reizvollen Balaton-Nationalparks liegt ein Kleinod, dem trotz seiner Bekanntheit viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Nur wenige Kilometer nördlich vom größten und beliebtesten ungarischen Badesee, dem Balaton, entfernt, bietet die kleine Ortschaft dem aufmerksamen Besucher einige interessante und reizvolle Aspekte.

Kékkút ist mit ungefähr 80 Einwohnern die kleinste Gemeinde des Káli-Beckens. Der malerische Ort, der praktisch aus einer einzigen Straße besteht, liegt im nordwestlichen Teil dieser mediterran anmutenden Region des Balaton-Oberlandes.

Malerische Vulkankegel und wilde Steppengebiete

Das winzige Dorf ist umgeben von malerischen Vulkankegeln und wilden Steppengebieten. Der Name Kékkút wird Mitte des 14. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt und ist höchstwahrscheinlich auf die Bezeichnung Kőkút (deutsch: steinerner Brunnen) zurückzuführen. Allerdings gibt es auch schriftliche Aufzeichnungen, denen zufolge das Quellwasser als blau beschrieben wurde.

Archäologische Funde belegen zudem, dass das Dorf schon zur Römerzeit bewohnt war. Des Weiteren weisen Ausgrabungen darauf hin, dass die römische Straße von Italien nach Aquincum, auf dem Gebiet des heutigen Budapest, hier verlaufen ist.

Heilendes Mineralwasser

Seine Berühmtheit erlangte der Ort durch die Heilquelle, dessen Mineralwasser ab Anfang des 20. Jahrhunderts, damals noch unter dem Markennamen „Anna-Quellwasser“ in Flaschen abgefüllt wurde. Zahlreiche medizinische Aufzeichnungen künden von der heilenden Wirkung des sogenannten Sauerwassers mit besonders hohem Kalziumgehalt.

Hier kann man das natürliche Quellwasser probieren. Foto: Dániel Solymár

Die Anwendung des Heilwassers wird unter anderem bei Diabetes, Blutarmut, Nierenleiden und verschiedenen Arten von Verdauungsstörungen empfohlen. Bei einer internationalen Ausstellung 1912 in Paris wurde es als bestes Mineralwasser mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Der Legende nach war das Quellwasser das Lieblingsgetränk der byzantinischen Kaiserin Theodora – unter der Markenbezeichnung „Theodora“ ist das Mineralwasser heutzutage im Handel erhältlich.

Die außerhalb der Ortschaft gelegene Quelle ist für jedermann zugänglich und bietet einen lauschigen Rastplatz, der insbesondere bei sommerlichen Temperaturen gut besucht ist. Hier können Wanderer oder Radfahrer ihren Durst stillen und das Quellwasser in seiner natürlichen Form auch für unterwegs mitnehmen.

Der Lavendelhof

Nur wenige Fahrminuten von der Quelle entfernt, gleich am Ortseingang befindet sich der Lavendelhof (Levendula porta) der Familie Keszthelyi. Als diplomierte Landwirte versuchte das Ehepaar sein Glück zunächst in der Lebensmittelindustrie, kehrte dann im Jahre 2011 aus Budapest zurück nach Kékkút, in den Heimatort der Ehefrau, wo sie seitdem mit ihren zwei Kindern leben.

Eingang zum Lavendelhof. Foto: Dániel Solymár

Die Lavendelplantage mit über 2.000 Lavendelbüschen war anfangs als Hauptprofil geplant. Die Blüten des französischen Lavendels aus Tihany werden zu verschiedenen Produkten, wie zum Beispiel Sirup und Gelee verarbeitet.

Inzwischen steht der Betrieb auf mehreren Standbeinen: Einerseits hält die Familie 13 Rinder, davon fünf Milchkühe, die auf der angrenzenden Wiese weiden. Aus der Milch wird hervorragender Käse, sowohl Frisch- als auch Hartkäse, Molkenkäse und Joghurt hergestellt. Zum Tierbestand gehören noch 11 Schafe, zwei Schweine, die allesamt artgerecht gehalten werden, und natürlich glückliche Hühner.

Alle Produkte des Lavendelhofs kann man vor Ort käuflich erwerben, aber sie sind auch auf den Erzeugermärkten der Umgebung und im regionalen Einzelhandel erhältlich. Während der Sommersaison lädt die Familie zum gemütlichen Frühstück in ihren riesigen Garten ein, wo man alle leckeren Produkte des Lavendelhofs probieren kann – das ist Nachhaltigkeit pur.

In der Nebensaison werden für interessierte Besucher Veranstaltungen angeboten, wie beispielsweise Käse-Workshops und natürlich die Lavendelernte. Die Eigentümer des Hofs sprechen sowohl Deutsch als auch Englisch.

Idyllische Gästehäuser

Fährt man die Hauptstraße – praktisch die einzige Straße des Ortes – entlang, sieht man rechts und links wunderschöne alte, mit viel Liebe zum Detail renovierte Bauernhäuser. Auch neu erbaute Häuser werden im traditionell volkstümlichen Stil des Balaton-Oberlandes errichtet und passen sich hervorragend dem Bild der kleinen Ortschaft an.

Das Oszter Udvarház, eines der neu erbauten Gästehäuser. Fotos: Dániel Solymár

Ungarnreisende, die fernab des Touristenrummels Urlaub machen möchten, können zwischen mehreren idyllischen Gästehäusern wählen, wo sie garantiert erholsame Ferien in bezaubernder Umgebung verbringen können.

Auf einem kleinen Platz in der Ortsmitte steht die kleine römisch-katholische Kirche, die Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut wurde und vor einigen Jahren sehr schön restauriert wurde.

Ältestes Bauernhaus der Region

Von hier aus geht eine unscheinbare Nebenstraße weg, in der das älteste erhaltene Bauernhaus der Region aus dem Jahre 1799 steht. Das für Transdanubien typische Gebäude hat ein Reetdach. Es ist traditionell dreigeteilt in Zimmer, Küche mit offener Feuerstelle sowie Stall, der von der offenen Veranda zu erreichen ist. Leider werden derzeit am Haus Renovierungsarbeiten durchgeführt, so dass die Innenräume nicht zugänglich sind.

Das älteste erhaltene Bauernhaus der Region. Foto: Dániel Solymár

Noch vor ein paar Jahren konnte man im Nachbarhaus klingeln, und wenn das ältere Ehepaar zu Hause war, erhielt man eine individuelle, wirklich informative Führung – das ist leider inzwischen nur noch Geschichte.

Es lohnt sich, beim nächsten Ausflug in die Balaton-Region eine Pause in Kékkút einzulegen, die Heilquelle zu besuchen, beim Lavendelhof vorbeizuschauen, die Hauptstraße entlangzuschlendern, die bezaubernden geweißten Häuser zu bewundern oder einfach nur die herrlich ländliche Atmosphäre der kleinen Ortschaft auf sich wirken zu lassen.

<b>Foto: Dániel Solymár</b>

Schreibe einen Kommentar

Weitere Artikel

18. August 2022 12:20 Uhr
16. August 2022 12:50 Uhr
13. August 2022 10:20 Uhr