Budapest
Die schönste Straßenbahnlinie von Budapest. Foto: BZ / Jan Mainka

Glosse: Eindrücke eines Neu-Ungarn, Teil 36

Herrliches Budapest

Wussten Sie schon: Laut einer aktuellen Umfrage gilt Budapest als die zweitschönste Stadt der Welt. Das sagt zwar die Nachrichtenagentur Bloomberg, es kann aber trotzdem stimmen.

Mit etwa 1,8 Millionen Einwohnern ist Budapest fast so groß wie Hamburg, aber dafür bedeutend ruhiger und entspannter. Oft klingt es für deutsche Ohren zwar ungewohnt, wenn sich die Menschen hier in unverständlichen Lauten austauschen, aber das gibt es mittlerweile ja auch in Deutschland. Nur mit dem Unterschied, dass man hier die eigene, für uns fremde Landessprache spricht. Darum lerne ich auch fleißig Ungarisch. In Deutschland müsste ich heutzutage wohl Arabisch oder Türkisch lernen. Diese Sprachen hört man wiederum in Ungarn so gut wie nicht. Man sieht auch so gut wie keine verschleierten Frauen oder langbärtigen Männer.

Sicheres Budapest

Selbst in der großen Hauptstadt Budapest fühlt man sich viel sicherer, als inzwischen in so manch einer deutschen Kleinstadt: Messerattacken oder Gruppenvergewaltigungen, wie sie in Deutschland an der Tagesordnung sind, gibt es hier nicht. Hier gehen die Frauen noch angstfrei alleine durch die Stadt, und das zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Hier verläuft alles „lassan, lassan“, also mit Ruhe und Bedacht. Auch der Verkehr fließt entspannt und ruhig. Besonders am fast perfekten Öffentlichen Nahverkehr sieht man auch, warum: Taxis und Busse haben ihre eigenen Spuren und lassen jeden Stau links liegen.

Positiv sind auch die noch sehr moderaten Fahrpreise. Bei Taxis muss man allerdings aufpassen, dass man sich nur solche aussucht, die deutlich sichtbar einem der Budapester Taxiunternehmen angehören – das sieht man unter anderem am Aufkleber an der Fahrertür. Denn leider gibt es auch schwarze Schafe, die hier Hyänen heißen, und zum Bestimmen des Fahrpreises gerne auf andere Methoden als die mit dem Taxameter zurückgreifen.

Verkehrsgünstiges Budapest

Ich fahre in Budapest am liebsten mit der Straßenbahn. Es gibt noch so richtig antike Exemplare, in denen man sich in die Vergangenheit zurückversetzt fühlt. Trotzdem ist man ruckzuck am Ziel. Denn auch die Straßenbahnen fahren auf ihren eigenen Trassen, in der Mitte der Boulevards – und das oft in hoher Frequenz: länger als ein paar Minuten muss man nie warten, selbst am Abend nicht.

Mich hat übrigens verblüfft, wie viele Deutsche hier in Ungarn leben, ohne zu wissen, dass Budapest auch eine U-Bahn hat. Die ist nach der Londoner Underground sogar die Älteste der Welt, sie wurde 1896 eingeweiht. Zudem gibt es ein gut ausgebautes S-Bahn-System für die Vororte.

Was besonders auffällt ist, dass man weder auf U-Bahnen, Bussen noch auf Straßenbahnen oder an Brücken, Unterführungen oder Hauswänden Graffiti sieht, also diese Schmierereien , die in vielen westlichen Großstädten verschämt als „urban art“ toleriert werden. In Budapest toben sich keine infantilen Pseudokünstler aus und verschandeln historische Gebäude. In Ungarn gibt es auch keine „Klimaterroristen“, die Kunstwerke verunstalten und die sich auf die Fahrbahnen kleben, um so angeblich die Welt zu retten. Solche Spinner würde man in Ungarn nicht dulden.

Sauberes Budapest

Budapest ist überhaupt so sauber, wie ich es noch in keiner anderen europäischen Großstadt erlebt habe. Da fühlt man sich auch von der Stimmung her an früher erinnert.

Was mir in meinem Alter besonders gefällt, ist die Würdigung, die uns älteren Menschen zuteil wird. So zahlen Menschen über 65 nichts für Öffentliche Verkehrsmittel – und zwar für alle, und das überall in Ungarn. Man steigt einfach ein und genießt die Fahrt.

Manchmal kommt eine Kontrolle… So bin auch ich mehrfach kontrolliert worden und musste für die Altersverifikation meinen Ausweis vorzeigen. Offenbar sieht man mir meine 69 Jahre nicht an, was mir eigentlich schmeicheln sollte. Das tut es ja auch. Würde ich jedoch noch wie ein angepasster deutscher Gutmensch denken, dann müsste ich freilich mein Wort gegen diese Form von Altersdiskriminierung erheben…

Der Autor ist Diplom-­Physiker, machte dann aber die Musik und die Liebe zur Sprache zu seinem Beruf und wurde Kabarettist. In den vergangenen 40 Jahren stand er mehr als 6.000 Mal auf der Bühne und war in zahlreichen Fernsehsendungen zu Gast. Nebenbei schrieb er sechs Bücher. Seit 2020 lebt er mit seiner Frau in der Nähe des Balaton. Mehr zu Detlev Schönauer finden Sie in diesem BZ-Interview.

8 Antworten auf “Herrliches Budapest

  1. Statt mehr über das “Herrliche Budapest” zu erfahren, wird von einem fleißig lernenden Autor, der die unverständlichen Laute der ungarischen Sprache lernt Der in rassistischer Weise -weil gegen die Ausländer gerichtet – von täglichen Messerstechereien und Vergewaltigungen in Deutschland erzählt, Der weiß, das Straßenbahnen hier eigene Trassen -sehr überraschend- haben?? Der fast wegen mehrfacher Kontrollen Kritik wegen Altersdikriminierung geübt hätte ?? Zu seiner Aussage, dass man ihm sein Alter nicht ansehe, sollte man sein Konterfei genau ansehen!!
    Zu den globalen Aussagen zur kostenlosen Fahrten sollte man sich unbedingt genauer und umfassender informieren.
    Insgesamt gibt es Kein Parlamenstgebäude, nicht die Kettenbrücke, nicht die Fischerbastei, nicht den Regierungssitz und vieles, was Budapest ausmacht findet keine Erwähnung! Dafür weiß man, dass alles lassan!! geht!

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    1. Zu Ihrer Aussage, “Zu seiner Aussage, dass man ihm sein Alter nicht ansehe, sollte man sein Konterfei genau ansehen!!” mache ich mal folgende Aussage: Manche bleiben eben lange jung, weil sie sich mit fast 70 noch wie 64 fühlen. Ob die anderen das merken, oder nicht.
      Ein aussagekräftiger Hinweis über das Alter ist in Form von Humpeln im Gang oder Krächzen in der Stimme schon mit 30 möglich.
      Übrigens: was jeder kennt, braucht man nicht besonders erwähnen. Der Pariser Eiffelturm ist kein Geheimtipp für Paris. Bleiben Sie immer schön am Pulz der Zeit und behalten Sie Humor!

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  2. Um beim Thema zu bleiben, ich liebe Budapest. Ich bin mindestens ein Mal im Monat in Budapest und wenn ich zurückfahre, freue ich mich schon auf den nächsten Besuch. Und ich bin viel herumgekommen. Die vielen kulturellen Möglichkeiten dort, die netten immer hilfsbereiten Menschen und das (oder der) Flair der Stadt müssen eigentlich jeden Besucher verzaubern. Jedenfalls höre ich das auch von allen meinen Bekannten, die mich besucht haben und mit mir nach Budapest gefahren sind. Für mich ist Budapest übrigens die schönste Stadt der Welt, die ich in meinem Leben kennengelernt habe. Für mich! Meine Budapester Bekannten, die dort leben, sehen das allerdings ein bisschen differenzierter als ich, denn die haben nicht mein sondern ein ungarischen Einkommen und müssen damit ständig in Budapest leben.

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  3. “Offenbar sieht man mir meine 69 Jahre nicht an, was mir eigentlich schmeicheln sollte.”

    Wenn man Sie beim Alkoholkauf nach dem Ausweis fragen würde, dann könnten Sie sich geschmeichelt fühlen. 🙂 Ansonsten ist das eine normale Kontrolle, Fahrkarte oder Ausweis! Eines von beiden gilt und muss vorgezeigt werden. So funktioniert die Bürokratie weltweit. Mehr nicht. Das hat nichts mit dem Aussehen zu tun. Aber vielleicht haben sie doch einen Jungbrunnen hier in Ungarn entdeckt. Dann lassen Sie mir die Adresse zukommen, denn ein plastische Operation ist vermutlich sehr viel teurer. 🙂

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