Aus dem Gerichtssaal

Gab Clint Eastwood die Vorlage?

Strafen von bis zu 22 Jahren Zuchthaus wurden in erster Instanz über vier Mitglieder einer Bande von Drogenschmugglern verhängt.
8. November 2022 16:50

Die Familie hatte sich offensichtlich den Kinostreifen „The Mule“ von Clint Eastwood zum Vorbild genommen, ohne dessen warnende Botschaft hinsichtlich zerrütteter Familienverhältnisse zu ernst zu nehmen. Für das schnell verdiente Geld spannte der 49-jährige Bandenchef seine 73-jährige Mutter ein, die er als Drogenkurier in die Niederlande schickte. Die Ermittler gehen davon aus, dass die betagte Frau ab November 2018 Kokain und synthetische Drogen nach Ungarn beförderte. Als die Polizei im Januar 2019 einen Wohnsitz der Bande in Óbuda im Norden der Hauptstadt durchsuchte, stieß sie auf 5 kg Kokain und 50 Mio. Amphetamin-Tabletten im Schwarzmarktwert von 200 Mio. Forint (zu heutigen Preisen rund 500.000 Euro).

Mutter und Sohn unternahmen die Fuhre von Ungarn in die Niederlande in der Regel gemeinsam in einem Mietwagen, die weiteren Komplizen benutzten das Flugzeug. Das mit den Drogen vollgepackte Auto steuerte die Frau anschließend alleine in die Heimat zurück; ihr Sohn nahm auf dem Rückweg mit den anderen das Flugzeug. Der Gerichtshof Budapest verurteilte Sohn und Mutter als Rückfalltäter zu 22 bzw. 20 Jahren Zuchthaus, die zwei weiteren Bandenmitglieder zu 12 bzw. 16 Jahren. Die Bande wartet in U-Haft auf das rechtskräftige Urteil, das erst in zweiter Instanz getroffen wird, weil die Staatsanwaltschaft den Bandenchef lebenslänglich hinter Gittern sehen will.

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