Ungarn
Kabarettist Detlev Schönauer: „Jó napot kivánok!“ Foto: Privat

Ungarn für Neu-Ungarn, Teil 24

Fettnäpfchen in Ungarn

Unser Motto in Ungarn: „Dort leben, wo andere Urlaub machen.“ Ja, wir machen sogar Dauerurlaub: ruhig, entspannt und bescheiden.

Und wir bringen, wie andernorts auch, den Ungarn und dem Land den nötigen Respekt entgegen. Leider kennt man das in Deutschland nicht mehr so, und mancher Deutsche bringt gar seine traditionellen „Tugenden“ wie Arroganz, Besserwisserei und Überheblichkeit in die neue Heimat mit.

„… dann klappt’s auch mit den Briefmarken!“

So fiel mir kürzlich auf der Post ein Kunde auf, dem man das Deutschsein gleich anhörte: „He, hallo! Ich brauche Briefmarken!“ Er hatte es eilig, denn er klopfte nervös an die Scheibe. Die Dame hinterm Schalter reagierte ganz cool mit: „Jó reggelt, kivánok!“ – „Was? Wie bitte?“ motzte Herr Ungeduld weiter.

Ich tippte ihm auf die Schulter und erklärte, betont ruhig und entspannt: „Die Dame hat Ihnen gerade einen ‚Guten Morgen‘ gewünscht, das ist hier so üblich. Sollten Sie sich angewöhnen, dann klappt’s auch mit den Briefmarken.“ Irritiert blickte er nach unten – die Postangestellte zeigte mir währenddessen ein Daumen-hoch. Sie konnte nämlich Deutsch.

Trotzdem sollte man hier nicht erwarten, dass jeder Ungar mit einem Deutsch spricht, selbst wenn er es kann. Ein paar ungarische Höflichkeitsfloskeln wirken diesbezüglich aber Wunder. Nach einem freundlichen „Jó napot kivánok“ (‚Guten Tag‘) fragt man, ob eher Deutsch oder Englisch gesprochen wird. Deutlich respektvoller ist: „Beszél németül?“ oder „Beszél angolul?“. Das zeigt das ehrliche Bemühen und öffnet Tür und Tor. Selbst wenn man es falsch ausspricht, man macht Punkte.

Wie Gäste verhalten und nicht wie Besatzer!

Auch sollte man als Deutscher nicht großkotzig erwarten, dass sich hier alles um einen dreht. So wichtig ist man nicht! Man hat hier nicht auf uns gewartet. Die Ungarn mögen uns Deutsche zwar sehr, aber nur, wenn wir uns wie Gäste verhalten – und nicht wie Besatzer…

Mag sein, dass sich mancher Deutsche solch arrogante Verhaltensweisen daheim bei neuzugezogenen „Fachkräften“ aus dem arabischen Raum abgeguckt hat, aber sowas kommt zumindest hier in Ungarn überhaupt nicht gut an.

„Als Deutscher sollte man nicht großkotzig erwarten, dass sich hier alles um einen dreht. So wichtig ist man nicht! Man hat hier nicht auf uns gewartet.“

Schließlich sind die Ungarn friedlich und geduldig, auch wenn sie Deine Geduld schon mal auf die Probe stellen können. Trotzdem: Steht der Handwerker mal nicht pünktlich auf die Minute vor der Tür, verurteile das nicht als unzuverlässig, sondern nimm es als liebenswerte ungarische Eigenart. Und wenn der Installateur statt mittwochs am Donnerstag kommt: Freu Dich, dass er überhaupt gekommen ist. Wenn Du akzeptierst, dass die Ungarn wesentlich gelassener sind, als viele ungeduldige Deutsche, wirst Du selbst bald die Ruhe und Entspannung genießen.

Taktgefühl und Einfühlungsvermögen

Viele Rentner leben hier von ihrer Rente besser als in Deutschland und sind dabei oft vermögender als viele Ungarn. Das sollten sie aber nie heraushängen lassen. Auch hier weiß man, dass viele Deutsche aus finanziellen Gründen nur deshalb hier sind, weil sie sich Mallorca oder die Kanaren nicht leisten konnten.

Politische Gespräche sollte man übrigens ganz meiden – gerade wenn es um die ungarische Politik und Geschichte geht. Oder bei solchen zumindest ein großes Maß an Taktgefühl und Einfühlungsvermögen einbringen. Ungarn sind nämlich stolz und patriotisch und legen großen Wert auf ihre Kultur und Geschichte.

Zwar wird eine solche Denkweise den Deutschen immer mehr aberzogen, aber hier pflegt man noch die konservativen Werte. Daher, als Tipp für alle Extrem-Grünen: besser nicht nach Ungarn! Ein Spruch wie „Vaterlandsliebe war mir stets zum Kotzen“, mit dem der deutsche Wirtschaftsminister sein gestörtes Verhältnis zu seiner deutschen Heimat kommentierte, käme hier überhaupt nicht gut an.

Der Autor ist gelernter Diplom-­Physiker, machte dann aber die Musik und die Liebe zur Sprache zu seinem Beruf und wurde Kabarettist. In den vergangenen 40 Jahren stand er mehr als 6.000 Mal auf der Bühne und war in zahlreichen Fernsehsendungen zu Gast. Nebenbei schrieb er sechs Bücher. Seit 2020 lebt er mit seiner Frau in der Nähe des Balaton. Mehr zu Detlev Schönauer finden Sie in diesem BZ-Interview.

3 Antworten auf “Fettnäpfchen in Ungarn

  1. Habeck und seine Leute waren mir stets zum Kotzen – so sollte ein gerne gesprochener Satz gehen.
    Aber leider verstünden ihn die Ungarn nicht, denn man hat hier keinen Sinn für sowas. Umso bemerkenswerter ist es, dass sie irgendwie den ewigen Kampf zwischen den Gyurcsány-Leuten und den Orbán-Leuten noch immer ertragen. Ohne diesen Kampf ginge es Ungarn besser.

  2. Wir sind nun schon über 12 Jahre in Ungarn. In dieser Zeit haben bei uns ungarische Handwerker fast aller Gewerke Arbeiten ausgeführt, die wir aus technischen oder fachlichen Gründen nicht selbst erledigen konnten! Dabei konnten wir in allen Fällen eine hohe Arbeitsmoral, sehr gute Fachkenntnisse und absolute Pünktlichkeit verbunden mit Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit feststellen. Wir mussten also nie solches Toleranzverhalten, wie im Beitrag beschrieben, anwenden! Sicher hatten wir auch im Hinterkopf solche klischeehaften Vorstellungen mitgeschleppt — wir wurden eines besseren belehrt.
    Außerdem können wir sagen, dass uns überall mit großer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft begegnet wurde (wird). Wir gehen davon aus, dass der Autor Ungarn positiv bewerten wollte aber: er bestätigt die Klischees als Realität
    die Verhaltensvorschläge resultieren aus deutscher Überheblichkeit und
    man muss annehmen, dass Großkotzigkeit nur in Ungarn anstößig sei!

  3. Ein Spruch wie „Vaterlandsliebe war mir stets zum Kotzen“-Habeck oder seine Parteikollegin Baerbock > Deutschland ist ein reiches Land und das werden wir ändern, Frau C. Roth demonstrierte mit Parolen > Deutschland du mieses Stück Scheiße oder Deutschland verrecke < und so etwas kommt an die Spitze eines Landes um es zu verenden, was wir ja jetzt live beobachten können. Die explodieren Energiepreise könnte man deckeln, wenn man die Atomkraftwerke weiter laufen lässt bis eine andere Energieform verlässlich zur Verfügung stünde, nein die Grünen wollen keinen Atomstrom, es ist eine Ideologie, wie eine Sekte und die Gutmenschen schreien noch ja dazu. In einem Land wo teilweise mehr als 40 % nicht mehr zu Wahlen geht und eine Partei wie die AfD als nicht vorhanden gilt ist jeder Widerstand zum Scheitern verurteilt.

Schreibe einen Kommentar

Weitere Artikel

3. Dezember 2022 11:00 Uhr
2. Dezember 2022 11:40 Uhr
1. Dezember 2022 14:46 Uhr