Überschwemmte Straßen am Fluss Sajó, im Norden Ungarns. Foto: MTI/ János Vajda

Wetterkapriolen

Erst zu heiß, nun verregnet

Nach extrem trockenen Jahren macht nun wieder zu viel Wasser zu schaffen. Im Norden des Landes mussten in mehreren Orten Einwohner evakuiert werden, weil Hoch- und Steigwasser ihre Häuser bedrohen.
20. Januar 2023 11:10

Schon seit Tagen folgt eine Front auf die nächste, weil sich die Luft gleichzeitig abkühlt, wird aus dem Regen ab Freitagnachmittag Schnee. Nachdem es auch tagsüber kaum noch für Temperaturen über dem Gefrierpunkt reicht, versprechen die kommenden Nächte wieder klirrenden Frost: Bis zu -5°C am Samstagmorgen, sogar örtlich -7°C am Sonntagmorgen.

Schnee in den Bergen

Wer Schnee erleben will, muss sich schon in die Gebirgslagen vorwagen. Aber bitte ordentlich anziehen, denn das Wetter wird ungemütlich, insbesondere in Transdanubien, wo wir die Kälte wegen des scharfen Windes noch um einige Celsiusgrade heftiger empfinden! Schneesicher ist im Moment aber nur das Mátra-Gebirge, wo in den letzten Tagen 10-25 cm gefallen sind.

Der viele Regen ließ vor allem in Nordungarn zahlreiche Flüsse und Bäche anschwellen. Im Karstgebirge von Aggtelek müssen Höhlentouren ausgesetzt werden, weil einzelne Abschnitte unter Wasser stehen. Die höchste Hochwasser-Warnstufe gilt an der Ipoly sowie der Sajó, Grenzflüssen zur Slowakei. Mehrere Anwohner mussten vorsorglich evakuiert, Nebenstraßen gesperrt werden. In den letzten zehn Tagen sind landesweit ausnahmslos 15-75 mm gefallen, der wenigste Niederschlag im äußersten Osten, der meiste im Südwesten und in den Mittelgebirgen. Letzteres entspricht in einem breiten Streifen von Südwest nach Nordost der doppelten Niederschlagsmenge des Monats Januar!

Wer erinnert sich noch an die „Affenhitze“ vom vorigen Sommer? Foto: MTI/ György Varga

2022 war das drittwärmste Jahr

Angesichts derart regengetränkter Nachrichten wirkt die Meldung des Wetterdienstes OMSZ wie aus einer anderen Welt, wonach 2022 das drittwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1901 war! Die ermittelte Durchschnittstemperatur schob sich mit 11,83°C hauchdünn vor den mittleren Wert des Jahres 2014 und somit aufs Siegerpodest. Spitzenreiter blieb jedoch das Jahr 2019, mit durchschnittlich 12,05°C, vor 2018 mit 11,93°C.

Das langjährige Mittel wurde übrigens in den letzten elf Jahren regelmäßig übertroffen. Bis zur Jahrtausendwende war das bestenfalls in einem oder zwei Jahren eines Jahrzehntes der Fall. Dabei zeigten die einzelnen Monate auch 2022 teils erhebliche Abweichungen von „normal“: Der April war um 2,0°C zu kalt, der Februar um 3,1°C zu warm, wie auch Juni, August und Dezember um mehr als 2°C über den langjährigen Monatstemperaturwerten ausfielen. In diesem Jahrtausend gab es nur noch einen Winter mit Tiefstwerten unter -20°C, in den letzten fünf Jahren wurden selbst -15°C nur noch einmal erreicht. Die Zahl der Hitzetage pro Jahr pegelt sich derweil um 40 ein.

2 Antworten auf “Erst zu heiß, nun verregnet

  1. So paradox wie sich das jetzt anhört, das Hauptproblem wird die Trockenheit der letzten jahre sein. Selbst wenn noch einen Monat so viel Regen fällt wie jetzt, reichts nicht um die Trockenheit der letzten Jahre auszugleichen. Der Velence See hat sich von seinem historischen Rekrodtiefststand etwas erholt, aber noch lange nicht wie zu normalen Zeiten. (73 cm gestern normal 130 cm). Der Grundwasserspiegel ist weiterhin niedrig.

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