Das Online-Einkaufen von Lebensmitteln setzt sich in Ungarn immer mehr durch. Foto: BZ/Jan Mainka

Ungarn für Neu-Ungarn, Teil 21

Einkaufen: Online, im Supermarkt oder bei Tante Emma

Ein Leben in Ungarn ist ja wie Urlaub, gerade für uns Rentner. Das merke ich immer daran, dass ich oft nicht mehr weiß, welcher Wochentag gerade ist.

Aber wen stört das? Man hat ja kaum noch Termine, an die man sich halten muss. Selbst wenn es um Öffnungszeiten beim Einkaufen geht. Die sind ja in Ungarn viel großzügiger als in Deutschland. Die meisten Geschäfte haben auch Sonntags auf, und bis vor kurzem gab es sogar noch große Supermärkte, die rund um die Uhr geöffnet waren.

Vielleicht ist das auch ein Grund, weswegen der Online-Einkauf in Ungarn noch nicht so viel genutzt wird. Obwohl das – coronabedingt – etwas angezogen hat.

Praktisch und bequem

Ich nutze das recht häufig, bestelle gerne online und lasse mir die Waren bis an die Haustür bringen: praktisch und bequem. Und das funktioniert ähnlich wie in Deutschland. Man wird vorher per SMS oder E-Mail informiert, wann in etwa mit der Lieferung zu rechnen ist, aber etwa eine halbe Stunde davor bekommt man zusätzlich noch einen Anruf.

Und wenn der Lieferant dann um die Ecke kommt, kündigt er seine Ankunft noch einmal geräuschvoll mit seiner Hupe an. Das ist zumindest auf dem Land so. Da rennt dann die komplette Nachbarschaft ans Fenster und drückt sich an der Scheibe die Nase platt, aber nur einer hat Glück. Schließlich kommt der Lieferant ans Gartentor mit dem Paket unterm Arm und zückt dabei seinen Geldbeutel, denn viel häufiger als in Deutschland wird in Ungarn per Nachnahme eingekauft.

Fast die gleichen Ketten

Die Läden sind ansonsten so wie in Deutschland. Es gibt auch fast die gleichen Ketten, und immer mehr findet man auch neue Einkaufszentren auf der Grünen Wiese.

Im Unterschied zu Deutschland veröden dadurch aber die kleinen Dörfer nicht, denn hier gibt es überall die sogenannten ABC-Läden. Das sind kleine Lebensmittelgeschäfte, die das Nötigste anbieten, was man zum täglichen Leben braucht: Fleisch, Wurst, Gemüse, Obst, Brot, eine kleine Auswahl an Hygieneartikeln und Hundefutter. Und das zu recht moderaten Preisen, denn man findet dort hauptsächlich Waren aus ungarischer Produktion.

Diese kleinen Läden findet man übrigens auch in der Stadt, wo sie wie nos­talgische Relikte aus der Vergangenheit wirken. Trotzdem sind sie – oft auch abends – recht gut besucht. Hat man irgendeinen Artikel beim Großeinkauf vergessen, im ABC-Laden um die Ecke wird man schnell fündig.

Tante-Emma-Läden

Diese Läden haben darüber hinaus auch eine wichtige soziale Funktion und erinnern dabei an die alten Tante-Emma-Läden, wie sie früher in Deutschland in jedem Dorf zu finden waren: man trifft sich dort auch zum gemeinsamen Tratsch.

Zudem sind sie über das ganze Land so verteilt, dass man immer einen um die Ecke findet. So hat jeder Ungar die Möglichkeit, auch ohne Auto, ein solches Geschäft fußläufig zu erreichen – ein wichtiger Beitrag für die Grundversorgung der Bevölkerung.

So ist das oft als eher rückständig verspottete Ungarn im Fall von Versorgungsengpässen oder Lieferschwierigkeiten weit besser gerüstet, als das, ach, so schrecklich moderne Deutschland.

Der Autor ist gelernter Diplom-­Physiker, machte dann aber die Musik und die Liebe zur Sprache zu seinem Beruf und wurde Kabarettist. In den vergangenen 40 Jahren stand er mehr als 6.000 Mal auf der Bühne und war in zahlreichen Fernsehsendungen zu Gast. Nebenbei schrieb er sechs Bücher. Seit 2020 lebt er mit seiner Frau in der Nähe des Balaton. Mehr zu Detlev Schönauer finden Sie in diesem BZ-Interview.

2 Antworten auf “Einkaufen: Online, im Supermarkt oder bei Tante Emma

  1. „Ein Leben in Ungarn ist ja wie Urlaub, gerade für uns Rentner !“

    Das trifft vielleicht für Sie zu Herr Schönauer , aber nicht für die meisten ungarischen Rentner !
    Eine ungarische Durchschitts-Rente liegt bei ca 300 Euro. Auf dem Land wird sie wohl eher noch unter diesem Niveau liegen . Dazu kommt noch die schlechte medizinische Versorgung in ländlichen Gebieten .
    Bleiben sie gesund und genießen sie ihren Aufenthalt in Ungarn solange sie können !

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