Im Inneren der Oper wurden insgesamt sieben Kilogramm Gold verarbeitet. Fotos: BZ / Detlev Schönauer

Glosse: Eindrücke eines Neu-Ungarn

Ein ungarisches Juwel: die Staatsoper

Für alle, die die ungarische Hauptstadt besuchen, ist ein Besuch der Staatsoper ein absolutes Muss!
9. November 2025 15:18

Nicht nur zur kulturellen Ergötzung durch den Besuch einer Opernvorstellung, sondern auch aus touristischen Gründen. Allein der Anblick des prächtigen Gebäudes und seines fantastischen Inneren ist ein Genuss.

Prächtiger als sein Wiener Pendant

Das im Stil der Neorenaissance gehaltene Gebäude wurde nach Entwürfen von Miklós Ybl an der Andrássy út in Budapest errichtet und 1884 von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet. Alle am Bau beteiligten Personen sowie die verwendeten Baustoffe mussten aus Ungarn stammen. Ausnahmen bildeten lediglich der Carrara-Marmor, das Holz aus Italien, die Bühnentechnik aus Wien und der Kronleuchter aus meiner Heimatstadt Mainz.

Franz Joseph I. finanzierte den Bau und stellte die Bedingung, dass das neue „Königlich Ungarische Opernhaus“ nicht größer werden durfte als die Wiener Oper. Diese Vorgabe wurde eingehalten. Allerdings verabsäumte es der kaiserliche Sponsor zu fordern, dass das Gebäude nicht schöner sein durfte als sein Wiener Pendant. Das wurde daher nicht berücksichtigt, sodass die Budapester Oper prächtiger wurde. Dies soll den Kaiser derart erzürnt haben, dass er nach der Eröffnung nie mehr einen Fuß in diese Prunkstätte gesetzt hat.

Absolut sehenswertes Inneres

Besonders sehenswert sind die vielen Fresken, die glänzenden Marmoroberflächen und die reichhaltigen Goldornamente. Allein sieben Kilogramm Gold wurden verarbeitet. Viele kennen den Blick ins Innere der Oper auch durch den Film „Das Phantom der Oper“, der zum Großteil hier gedreht wurde. Für den eingefleischten Opernmuffel gibt es zudem die Möglichkeit, im Rahmen einer Führung nur das herrliche Gebäude zu besichtigen – also ganz ohne Arien.

Was Sie sich allerdings noch einmal überlegen sollten. Schließlich bietet die Budapester Staatsoper auch musikalisch Weltniveau. Davon konnten wir uns 2022 nach der fünfjährigen Renovierung überzeugen, als meine Frau und ich eine Aufführung der „Tosca” erlebten. Alles war einfach großartig: die Sänger, das Orchester, der Chor. Und das in einer fabelhaften Inszenierung.

Die einzige Schwachstelle zeigte sich dann in der Schlussszene: Die Titelfigur Tosca ist eigentlich eine Mörderin und stürzt sich normalerweise am Ende reuevoll in den Tod. In dieser Aufführung verzichtete sie jedoch darauf und lebte einfach weiter. Möglicherweise wollte sie sich den frenetischen Applaus des Publikums am Ende nicht entgehen lassen … Denn sie sang wirklich fantastisch.

Neu-Ungar Detlev Schönauer.

Der Autor ist Dip­lom-­Physiker, machte dann aber die Musik und die Liebe zur Sprache zu seinem Beruf und wurde Kabarettist. In den vergangenen 40 Jahren stand er mehr als 6.000 Mal auf der Bühne und war in zahlreichen Fernsehsendungen zu Gast. Nebenbei schrieb er sechs Bücher. Seit 2020 lebt er mit seiner Frau in der Nähe des Balaton. Mehr zu Detlev Schönauer finden Sie in diesem BZ-Interview.

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