Die Orbán-Regierung erhält bei ihrem Kernthema Kinderschutz Rückenwind aus dem Oppositionslager. Foto: MTI/ Szilárd Koszticsák

Glosse: Eindrücke eines Neu-Ungarn

Demonstrationen für die Regierung

Ungarn ist ein kinderfreundliches Land, wo der Kinderschutz oberste Priorität genießt.
23. Februar 2024 15:00

So erließ die Regierung 2021 das sogenannte Kinderschutzgesetz, das unter anderem woke LGBTQ-Propaganda gegenüber Minderjährigen verbietet. In ihrer üblichen Ungarn-Aversion diffamierten westliche Mainstream-Medien sogleich das ganze Gesetz als homophob. So ein Quatsch! Es geht lediglich darum, der Frühsexualisieung ungarischer Kinder einen Riegel vorzuschieben, um sie nicht künstlich zu verunsichern.

Rücktrittsgrund: Moralische Verfehlung

Dem Kinderschutz wurden jetzt sogar zwei Top-Politikerinnen geopfert: Staats­präsidentin Katalin Novák hatte im Zuge einer Amnestie zum Papstbesuch einen Mann begnadigt, der seine Strafe fast abgesessen hatte, aber einen pädophilen Heimleiter gedeckt hatte. Die ehemalige Justizministerin, Judit Varga, hatte der Begnadigung zugestimmt.

Beide sind nun zurückgetreten. Nur wegen einer moralischen Verfehlung! Da sind deutsche Politiker noch aus einem anderem Holz geschnitzt: ein Vetternwirtschaftler Habeck, ein CumEx-Kanzler Scholz, Masken-Dealer im Bundestag oder die Impfstoff-Shopping-Queen in Brüssel, die schmeißen ihren Job nicht so ohne weiteres hin, komme da, was da wolle.

In Budapest gab es im Zusammenhang mit dem Begnadigungsskandal gleich mehrere Demonstrationen. Zu denen hatte zwar das Oppositionslager aufgerufen, trotzdem unterstützten sie versehentlich die Politik Viktor Orbáns. Dem ist der Kinderschutz nämlich ebenso wichtig wie den Demonstranten. Sogleich nahm er deren Impulse dankbar an und sprach sich für ein generelles Verbot von Begnadigungen aus, die im Zusammenhang mit pädophilen Straftaten stehen. Außerdem stellte er eine weitere Perfektionierung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Kinderschutz in Aussicht.

Man demonstriert für die Regierung

Es gibt übrigens verblüffende Parallelen: Nicht nur in Ungarn, auch in Deutschland gehen die Massen inzwischen für die Regierung auf die Straße. So erzählte unsere ehemalige Nachbarin, die Frau Kleinschmidt stolz am Telefon, dass sie das allererste Mal auf einer Demo war. Ausgerechnet die Kleinschmidt, die sich nie für Politik interessierte! „Wogegen habt ihr denn demonstriert?“, wollte ich wissen. Gegen Waffenlieferungen, gegen die mickrige Rente oder gar für die Freilassung von Assange? Nein, nein – sie überlegte, dann fiel es ihr wieder ein: „Gegen Rechts!“ Ah ja, alles klar.

In Deutschland wird neuerdings rund um die Uhr demonstriert. In jeder Nachrichtensendung werden die neuesten Zahlen genannt, wie früher die Erfolge an der Produktionsfront. Es ist auch vergleichsweise ungefährlich, gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren. Dazu rafft sich sogar unsere Frau Kleinschmidt auf. Ihre Begründung: „Die AfD will ja Millionen von Ausländern deportieren!“

Was Olaf darf, das darf die AfD noch lange nicht

Die Frau Kleinschmidt hat sich nämlich informiert: Diese Nazis von der AfD hätten eine Geheimkonferenz am Wannsee abgehalten. Sie konnte sogar Quellen nennen: „Das hat so ein Fakten-Dingens rausgefunden, irgendetwas mit ‘Korrektur’ oder so!“

Alles klar! Ich habe nicht einmal versucht klarzustellen, dass dieses private Treffen nicht von der AfD war, und dass es da weder um Millionen ging, noch das Wort Deportation fiel. Von „Abschiebungen im großen Stil“ sei schon mal die Rede gewesen, aber nicht dort, sondern im Kanzleramt. Aber gegen den Olaf wird natürlich nicht demonstriert, der ist ja Kanzler, der darf so etwas sagen.

Als ich noch jung und links war, hatten wir übrigens eine ganz andere Demonstrationskultur. Damals demonstrierten wir noch gegen die Regierung, gegen die Volkszählung, gegen den NATO­-Doppelbeschluss, gegen die Aufrüstung… Heute scheint es keine solchen echten Probleme mehr zu geben…

3 Antworten auf “Demonstrationen für die Regierung

  1. Herr Schönauer, ich finde es toll, dass sie sich in Ungarn so wohlfühlen. Vor allen wegen der Politik von der Fidesz (Orban) Partei. Warum müssen sie denn aber in jedem Kommentar hier Deutschland in den Dreck ziehen ? Warum sind sie denn so erbost ? Sie haben Deutschland den Rücken gekehrt, und ihre Entscheidung nicht bereut. Also belassen Sie es doch dabei. Zumal ihre Darstellung in mehreren Fakten inkorrekt ist ! Schreiben Sie doch über Ungarn (Denn darum gehts doch in dem Titel hrer Kolumne). Und wegen “Vetternwirtschaft” können Sie sich auch bei den ach so geliebten ungarischen Politikern Anschauungsuntericht geben lassen , die beherschen das bis zur Perfektion.

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  2. Für Deutschland gilt – und das spätesten seit Coronaplandemie – wie es unser Klassiker bereits sehr früher formulierte:” Denk ich an Deutschland in der Nacht so bin ich um den -Schlaf gebracht”!!
    Eine Marionettenregierung aus unfähigen Personen – unfähig wegen mangelnder Qualifikationund eigener Entscheidungsfindung – der USA und des “tiefen Staates” – fährt Deutschland an die Wand! Der Mittelstand wird ruiniert, die Bauern fürchten um ihr Weiterbestehen, das Gesundheitswesen vom Mangel und Profitinteressen bedroht, Massenentlassung drohen vielen Beschäftigten großer, bisher mächtiger Konzerne, die Auswanderungswelle der Unternehmen steigt und die Probleme der – Bereich Soziales, Bildung Geringbeschäftigung, Rentenabbau – werden nicht angegangen! Eine berechtigte Streikwelle zieht ihre Kreise um nur einiges zu nennen! Das alles bei steigender, massiver Aufrüstung!! Und extremer Kriegsbeteiligungen.
    Trotzdem laufend Tausende für regierungsgesteuerte Ablenkungs – Demos auf die Strasse

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  3. Der Artikel von Herrn Schönauer findet meine volle Zustimmung.
    Alle Fakten bezüglich der politischen Situation in Deutschland hat H. Schönauer präzise widergegeben. Dafür sei dem deutschen Auswanderer gedankt.
    Ja, die Erfahrung mit der Frau Kleinschmidt gibt die Einstellung der ÖRR-Fernsehgucker und der Tagespresse-Leser wider. Im Grunde wissen die wenigsten der, mit der Regierung Demonstrierenden, warum sie auf die Straße gebeten (mit einem kleinen Obulus) wurden.
    Der Premier H. Orban muss mit seiner Politik für sein Volk viele aufgeworfene EU-Hürden umschiffen. Meistens mit Erfolg. Das müssen die deutschen Regierungsverantwortlichen seit nunmehr über zwei Jahren nicht mehr.

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