Die richtigen Lehren aus der Geschichte gezogen! Foto: MTI / Szilárd Koszticsák

Glosse: Eindrücke eines Neu-Ungarn

Besser für den Frieden als in den Krieg marschieren!

Mit unverhohlenem Stolz habe ich am 1. Juni nach Budapest geblickt, wo Hunderttausende friedensbewegter Bürger die Donau entlang marschierten.

Der Friedensmarsch richtete sich gegen den Krieg, dessen Stabilisierung durch permanente Waffenlieferungen sowie die gefährliche Eskalation bei der Auseinandersetzung des Westens mit Russland.

Friedliebende Ungarn

Kein Wunder, dass sich der Demonstra­tion auch etliche Deutsche, Österreicher und Schweizer angeschlossen hatten. Schließlich sind insbesondere viele Deutsche nicht zuletzt aus friedliebenden Motiven nach Ungarn ausgewandert. Weil sie die innere Sicherheit genauso schätzen wie die Äußere. Und sie es nicht gerade erbaulich finden, dass ihr Land inzwischen ganz vorne mit dabei ist bei der Schussfahrt in Richtung Dritter Weltkrieg.

Eben erst hat unser sonst so zaghafter Kanzler den Ukrainern die Erlaubnis erteilt, mit deutschen Waffen militärische Ziele in Russland anzugreifen. Wieder wurde an der Eskalationsschraube gedreht! So wird russische Erde nach einer jahrzehntelangen Pause ab sofort wieder mit Geschossen aus deutscher Produktion umgepflügt…

Irgendwann wird das bisher eher zurückhaltend agierende Russland nicht mehr anders können, als mit Westeuropa das zu machen, was die USA mit Ländern machen würden, die deren Sicherheitsinteressen negativ tangieren.

Frieden schaffen mit noch mehr Waffen!

In Westeuropa bleibt man derweil gelassen und träumt weiter von einem wie auch immer gearteten Endsieg gegen das große Russland und seine neuen, engen Verbündeten China, Iran und Nordkorea. Einfach noch mehr Waffen in die Ukraine pumpen! Wird schon irgendwie klappen! Bisher mussten auch schon viele ungarische Landsleute aus Transkarpatien die Wahnvorstellung, Russland militärisch besiegen zu können, mit ihrem Leben bezahlen.

Die Vertreter vieler westlicher Länder gehen noch immer mit der Überzeugung hausieren (oder überspielen sie damit nur ihre Rat- und Hilflosigkeit?), dass die Ukraine gegen die hochgerüstete Atom-Macht Russland & Co. noch immer eine reelle Chance hätte. Hauptsache, es gibt noch genug ukrainische Bürger, die sich vor der Kriegsfurie noch nicht ins Ausland in Sicherheit bringen konnten, und die jetzt die blutige Drecksarbeit für die NATO erledigen können!

Krieg braucht frisches Kanonenfutter!

Nun sollen auch noch die allerletzten ukrainischen Reserven mobilisiert werden: nämlich die ukrainischen Lebensliebhaber, vulgo: Wehrdienstverweigerer, die sich westlich ihrer Landesgrenzen bisher in Sicherheit wähnten. Sie sollen nun mit mehr oder weniger sanftem Druck in die Ukraine zurückgeschickt werden, um den Krieg als Kanonenfutter noch ein wenig länger am Köcheln zu halten.

Da auch diese Reserve wohl nicht lange vorhalten wird, wird schon mal darüber nachgedacht, unter anderem deutsche Reservisten zu reaktivieren. Es wäre doch zu schade, wenn die profitable Flamme des Krieges vorschnell erlöschen würde! Die Ungarn und ihre Regierung scheinen hingegen die richtigen Lehren aus der Geschichte gezogen zu haben: Sie marschieren lieber für den Frieden als wie die Deutschen in einen abermaligen Krieg im Osten.

Besser friedens- als kriegstüchtig

Natürlich wird eine solche beeindruckende Manifestation des Friedenswillens in den deutschen Mainstream-Medien nahezu komplett totgeschwiegen. In Deutschland ist ja inzwischen die Herstellung von Kriegstüchtigkeit die große Devise. Da würden Bilder von friedenstüchtigen Ungarn mit No-war-Plakaten nur Verwirrung stiften …

Der Autor ist Dip­lom-­Physiker, machte dann aber die Musik und die Liebe zur Sprache zu seinem Beruf und wurde Kabarettist. In den vergangenen 40 Jahren stand er mehr als 6.000 Mal auf der Bühne und war in zahlreichen Fernsehsendungen zu Gast. Nebenbei schrieb er sechs Bücher. Seit 2020 lebt er mit seiner Frau in der Nähe des Balaton. Mehr zu Detlev Schön­auer finden Sie in diesem BZ-Interview.

5 Antworten auf “Besser für den Frieden als in den Krieg marschieren!

  1. Deutschland läuft im wahrsten Sinne des Wortes lieber ins islamische Messer!
    Für derartigen Unsinn sind Ungarn nicht zu haben. Sie haben schon zwischen den großen Schlachten von 1456 Nándorfehervár (Belgrad) und 1683 Wien genügend erlitten.

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  2. Umso lieber schwurbeln die Deutschen in den Medienbuden vom Aufstieg eines Péter Magyar, der zehntausende auf die Straße gegen Fidesz auf die Straße bringt, obwohl dieser seine Ex-Frau drangsaliert hat und mit Methoden des Geheimdienstes belasten wollte.
    Wenn 300.000 in Ungarn für den Frieden auf die Straße geht, irritiert das nur die deutschen Medienbuden. Also weglassen. Lückenpresse-Lügenpresse.

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  3. Dieser sogenannte “Friedensmarsch” wurde 2012 erstmalig zur Unterstützung des Ministerpräsidenten von seiner Partei initiiert. Gerne als Machtdemonstration vor Wahlen. Auch nach dieser Nr. 10 werden die Teilnehmerzahlen von den Veranstaltern masslos übertrieben. Tatsächlich haben etwa 80.000 Menschen teilgenommen. Höhere Zahlen sind wohl bloss aus den Propagandamedien der derzeitigen Regierung übernommen. Ein überwiegender Teil wird nicht nur aus dem ganzen Land, auch aus Rumänien ( Siebenbürgen ), von den Fidesz-Bürgermeistern als “Kontingent” abgestellt. Aus Steuergeldern finanziert, ein kostenloser Tagesausflug mit dem Bus in die Hauptstadt. In einem Land, in dem rund 40% der Menschen am Monatsende kein Geld und keine Ersparnisse mehr haben, sind rund 30.- Euro Handgeld und eine warme Mahlzeit Anreiz genug. Wie viele von den überwiegend älteren Leuten kennen nur eine Partei und verstehen den Slogan ” No War ” nicht?

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  4. Frieden ist ein rares Gut und per se etwas sehr erstrebenswertes.

    Aber das man sich nicht verteidigen darf wenn man angegriffen wird, das verwundert mich doch sehr.
    Würden die Ungarn auch so denken wenn sie selbst angegriffen würden?

    Werden hier nicht die Opfer zu Tätern gemacht?
    Wahrscheinlich ist den Ukrainern egal wenn Einige denken es gehe um USA gegen Rußland, sie wollen sich ihr Land nicht wegnehmen lassen.

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