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Auswanderin Dorothea Heinzel: "Die Entscheidung auszuwandern war das Ergebnis eines längeren Erkenntnisprozesses." Foto: Klaus Manfred Heinzel

Auswandern nach Ungarn / Gespräch mit der deutschen Auswanderin Dorothea Heinzel

Die Wiederentdeckung der Leichtigkeit

Ungarn ist schon seit vielen Jahren eine beliebte Adresse für auswanderungswillige deutsche Rentner, die vor allem einen günstigeren Standort für ihren Ruhestand suchten.

Auch die Rentnerin Dorothea Heinzel ist mit ihrem Mann 2021 nach Ungarn übergesiedelt. Doch die Motive für ihre Entscheidung zum Auswandern nach Ungarn waren andere.

Welche Beweggründe haben Sie dazu veranlasst, Deutschland zu verlassen?

Die Entscheidung auszuwandern war das Ergebnis eines längeren Erkenntnisprozesses. Dazu muss ich weiter ausholen. Im Zuge meiner Ausbildung zur Gesundheitsberaterin Ende der 90er Jahre traf ich auf verschiedenen Kongressen mit vielen Menschen zusammen, die sich sehr stark mit den wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland und der Welt beschäftigten. Vieles wurde thematisiert, von fragwürdiger Lebensmittelproduktion, schuldenbasiertem Geldsystem, Zins und Zinseszins, die Frage der Geldschöpfung bis hin zu politischen Entwicklungen wie zum Beispiel die Schattenseiten der Globalisierung.

Um mein Wissen zu diesen Themen zu vertiefen, habe ich in der Folge viele Bücher gelesen und verschiedene Vorträge besucht, die sich mit diesen Fragen und möglichen Lösungsansätzen auseinandersetzten, wie zum Beispiel Literatur und Vorträge über Silvio Gesell zur natürlichen Wirtschaftsordnung, weiterführend zu Regionalwährungen von Margrit Kennedy und Literatur von Helmut Creutz zum gleichen Thema, beispielsweise das Geldsyndrom oder die 29 Irrtümer rund um das Geld. Aber auch Vorträge und Literatur zum Thema Gesundheit.

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Buzsák heißt die Menschen herzlich willkommen. Foto: Klaus Manfred Heinzel

Die Beschäftigung mit diesen Themenkomplexen – die in den deutschen Medien in dieser Zeit übrigens, wenn überhaupt, nur schwach dosiert und bruchstückhaft beleuchtet wurden – hat mir den Blick darauf geöffnet, dass das System, in dem wir leben, in der Vergangenheit wiederholt zu einem Wirtschafts- und Finanzcrash oder noch schlimmer zu kriegerischen Auseinandersetzungen geführt hat.

Die Frage, die sich mir und meinem Mann – der sich auch mehr und mehr mit dieser Thematik beschäftigte – stellte, war, wie kann man sich in diesen Zeiten vor den befürchteten Auswirkungen am besten schützen? Wir wollten das nicht einfach so auf uns zukommen lassen, sondern aktiv werden und Maßnahmen ergreifen, sodass wir auch in einer Krisensituation möglichst unbeschadet weiter leben können. Eine größtmögliche Autarkie in der eigenen Versorgung zum Beispiel war eine der Überlegungen. Doch dafür war es notwendig, ein eigenes Haus mit großem Garten zu besitzen.

Und dann sind Sie nach Ungarn gefahren, um sich dieses zu suchen?

(…lacht) Nein, noch hatten wir nicht ans Auswandern gedacht. Wir wohnten und arbeiteten zu diesem Zeitpunkt noch im Raum Kassel. Später zogen wir aufgrund einer beruflichen Veränderung meines Mannes nach Kirchhheim/Teck in Baden-Württemberg.

Die ersten Reisen, um die passende „Krisen“-Immobilie zu finden, gingen quer durch Deutschland. Es zeigte sich aber recht schnell, dass es innerhalb des Landes schwer werden würde, eine bezahlbare Lösung, die uns zusagt, zu finden. Zudem veränderte sich die Lage in Deutschland immer mehr, was die Frage aufwarf, ob es nicht klüger wäre, ins Ausland zu gehen, sobald wir keine beruflichen Verpflichtungen mehr haben.

Inwiefern? Welche Veränderungen haben Sie in Deutschland festgestellt?

Auch hier muss ich vielleicht etwas weiter ausholen. Von 1983 bis 1999 betrieb ich in Kassel einen Bioladen. In dieser Zeit spürte man eine regelrechte Aufbruchstimmung. Das Bewusstsein für eine gesündere Ernährung und die wachsende Sehnsucht der Menschen nach einer intakten Natur und nachhaltigem Wirtschaften wurde in der Gesellschaft spürbar.

Mit Beginn der 2000er Jahre wurde diese Entwicklung aber jäh abgelöst von einer neuen, gegenteiligen Strömung. Der Werbespot eines großen Technikmarktes brachte es dann mit dem Slo­gan „Geiz ist geil“ ja auch bitter auf den Punkt. Plötzlich musste alles billig sein – koste es, was es wolle… Diese möglicherweise gesteuerte mediale Bewerbung der Schnäppchenjagd fiel auf Konsumentenseite auf fruchtbaren Boden, denn diese erlebten durch den schleichenden Kaufkraftverlust einen immer höheren wirtschaftlichen Druck.

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„Die konkrete Suche nach einem neuen Lebensmittelpunkt begann 2011.“ Foto: Klaus Manfred Heinzel

Dies wiederum setzte eine Preisspirale nach unten in Gang, die den Druck auf die Handelswelt, insbesondere auf kleine und mittelständische Unternehmen erhöhte, denn die großen Konzerne diktierten die Preise. Letztendlich zeigte sich hier die bittere Pille der Globalisierung und einer sich auf große Unternehmen konzentrierenden Wirtschaftswelt, die den sogenannten Shareholder-Value, also den Marktwert des Eigenkapitals über alles stellt.

Im gleichen Zeitraum haben erste Krisen unsere Befürchtungen einer sich anbahnenden großen Eskalation bestätigt, wie etwa das Platzen der Dotcom-Blase, die Lehman Pleite, die Eurokrise… In unseren Augen begann sich das Zeitfenster, in welchem man noch etwas tun kann, immer mehr zu schließen. Auch der aktuelle Krieg in der Ukraine ist in meinen Augen ein deutliches Zeichen für eine immer näher rückende größere Eskalation, da sich hier zwei schon in der Vergangenheit miteinander ringende Großmächte, nämlich die NATO-Staaten bzw. die USA und Russland gegenüberstehen. Inzwischen wird in politischen Kreisen bereits laut über den Einsatz von Atomwaffen nachgedacht.

Wann begann die konkrete Planung der Auswanderung? Und stand Ungarn von Anfang an als Wunschdestination fest?

Die konkrete Suche nach einem neuen Lebensmittelpunkt begann 2011. Vorbereitend zu unseren ersten Auslandsreisen habe ich ein Buch von Günter Hannich mit dem Titel „Bloß weg!“ gelesen, später auch Vorträge von ihm besucht und ihn persönlich gesprochen. Er hatte sich die Mühe gemacht, verschiedene Länder zu bereisen und in seinem Buch eine Aufstellung gemacht, in welchen Ländern die Bedingungen für Einwanderer hinsichtlich unterschiedlicher Faktoren günstig sind. Genannt wurden dabei zum Beispiel Portugal und Kanada. Beide Länder haben mein Mann und ich im Anschluss bereist.

Stand Ungarn auch auf der Liste?

Nein, Ungarn war nicht dabei. Aber, als wir in Kanada unterwegs waren und dort unter anderem einen Kongress besuchten, der sich an deutsche Auswanderungswillige richtete, erhielten wir von einem Referenten den Tipp, auch Ungarn als Option zu prüfen.

Warum haben Sie sich nicht für Kanada beziehungsweise Portugal entschieden?

Kanada war uns dann doch zu weit weg. Wir haben Kinder und Enkel in Deutschland und uns war es nach nochmaligem Abwägen all unserer Kriterien wichtig, dass sie im Ernstfall unser Refugium problemlos und aus eigener Kraft erreichen können – notfalls mit dem Fahrrad. Das selbe K.O.- Kriterium galt letztlich für Portugal. Zweitausend Kilometer sind nicht mal eben schnell überwunden. Ungarn ist von Deutschland aus jedoch in idealer Reichweite.

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Die kleine Kirche des Dorfes. Foto: Klaus Manfred Heinzel

Hinzu kam, dass zu dem Zeitpunkt, als wir Portugal bereisten, weitläufige Waldbrände die Existenz vieler Menschen bedrohten und nicht wenige Opfer forderten. Das Waldbrandrisiko ist in Portugal regelmäßig gegeben, und dem wollten wir uns dann doch nicht aussetzen.

Dann rückte also Ungarn in den Fokus. Kannten Sie Ungarn bereits?

Ja, 1982 und 1983 habe ich mit meiner Familie zusammen mit meinen Geschwistern und ihren Familien am Balaton Urlaub gemacht. Wir hatten ein Ferienhäuschen in Balatonszemes direkt am Wasser gebucht und erlebten dort wunderbar unbeschwerte Tage. Da das Wasser dort nicht sehr tief ist, konnten die Kinder problemlos baden gehen, ohne dass wir sie ständig unter Beobachtung haben mussten. In dieser Zeit hatte ich eine persönliche Krise, und das tägliche Schwimmen im See hat mich tatsächlich aus dieser Krise geführt. Ich war dankbar für die Rückkehr zu einer größeren Leichtigkeit in meinem Leben und hatte deswegen sehr gute Erinnerungen an Ungarn.

Wann machten Sie Nägel mit Köpfen und warum ist die Wahl des Standortes auf Buzsák gefallen?

Im Juli 2020 zogen wir mit unserem Wohnmobil in Richtung Ungarn los und besuchten verschiedene Regionen und Orte von der Baranya, über die Drau bis Zala und die Regionen rund um den Balaton. Zusätzlich hatten wir eine Immobilienmaklerin in Balatonboglár mit der Suche nach einer geeigneten Immobilie beauftragt. Für die Besichtigungen hatten wir unser Quartier auf dem Campingplatz in Csisztapuszta, dem Standort des bekannten Thermalbades, aufgeschlagen. Auf dem Weg dorthin kamen wir durch Buzsák. Dabei fuhren wir abends an dem wunderschönen, beleuchteten Gemeindehaus und einem großen Schriftzug vorbei, der unsere Aufmerksamkeit sofort weckte. Am Tag darauf lernten wir das Thermalbad kennen und fuhren danach mit den Rädern nach Buzsák. Plötzlich stellte sich wieder eine Leichtigkeit ein, die ich Jahre zuvor bei unserem Urlaub in Ungarn verspürt hatte. Mein Mann und ich konnten uns gut vorstellen, hier unsere neue Heimat zu finden.

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Das lokale Thermalbad – ein Ort des Wohlbefindens, Entspannens und Gesundbadens. Foto: Klaus Manfred Heinzel

Ein Freund von uns wohnte bereits in Buzsák, und bei einem Besuch erzählte uns seine Nachbarin, dass ganz in der Nähe ein Haus zu verkaufen sei. Dieses nahmen wir sofort in Augenschein, und es erfüllte unsere Anforderungen perfekt. Das Haus erforderte zwar einige Renovierungsarbeiten.Wichtig war uns aber vor allem der große Garten, den wir nach eigenen Wünschen „urbar“ machen konnten. Zwei Tage später haben wir den Kaufvertrag unterschrieben.

Letztendlich war es genau so, wie ich es mir immer gewünscht hatte. Wir mussten uns nicht lange abmühen, das passende Haus zu finden. Das Haus hatte gewissermaßen uns gefunden.

Es folgten ein paar Monate des Pendelns zwischen unserer neuen und der alten Heimat. In dieser Zeit erfolgten Renovierungsarbeiten und die Vorbereitungen für den großen Umzug. Seit Juli 2021 leben wir fest in Ungarn.

Welche Erfahrungen haben Sie bislang gemacht? Was gefällt Ihnen an der neuen Heimat?

Grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass die ungarische Kultur der deutschen sehr nahe ist, was sicherlich auch auf die – wenn auch österreichisch geprägte – k.u.k.-Zeit zurückzuführen ist.

Die gesellschaftlichen Strukturen und Werte sind in Ungarn in meiner Wahrnehmung inzwischen sogar fast „deutscher“ als in meiner Heimat, in der sich in den letzten Jahren durch die Einwanderungspolitik vieles verändert hat. So hat in der deutschen Gesellschaft seit 2015 eine bislang nicht gekannte Verrohung stattgefunden, was das eigene Sicherheitsgefühl stark beeinträchtigt.

Auch solche ganz klassischen Bauernhäuser gibt es in dem Dorf noch. Foto: Klaus Manfred Heinzel

Insgesamt fühle ich mich in Ungarn befreiter, ruhiger, entspannter, nicht so bedrängt. Möglicherweise trägt auch die Art der Bebauung dazu bei. Jede Wohneinheit bietet hier durch die vergleichsweise großen und langen quer zur Straße gerichteten Grundstücke Rückzugsräume, in welchen man für sich alleine sein kann, wenn man das möchte. Ich kann auf meinem Grundstück sein und bin nicht gleich mit den Belangen der anderen beschäftigt. Diese Art und Weise, Siedlungen zu strukturieren, empfinde ich als sehr wohltuend. Ich denke, das hatten die Planer auch ein Stückchen im Blick.

In Deutschland ist die Bebauung allein schon durch die wesentlich dichtere Besiedelung viel enger. Man steht quasi immer unter Beobachtung und kann selbst dem Nachbarn auf den Kaffeetisch schauen. Das fördert Stress und schafft Konfrontationspotentiale.

Ein weiterer, wesentlicher Faktor, der uns an Ungarn sehr gefällt, ist die Politik.

Was genau gefällt Ihnen daran?

Dass die Regierung in wesentlichen Punkten ihren vornehmsten Aufgaben nachkommt, nämlich für Sicherheit zu sorgen und die Versorgung zentraler Ressourcen wie Wasser und Energie zu gewährleisten, um die wichtigsten Lebensbedürfnisse der Bevölkerung zu erfüllen. Alles andere organisieren sich die Menschen selbst.

Haben Sie auch schon schlechte Erfahrungen gemacht?

Nein. Nicht eine. Als Rentner haben wir es hier vermutlich in vielen Belangen leichter. Wir können die Tage frei einteilen und sind somit auch im Umgang mit anderen Menschen vielleicht entspannter, was soziale Kontakte erleichtert.

Wie klappt es mit der Verständigung?

Noch tue ich mich schwer mit der ungarischen Sprache. Mein Mann hatte sich sehr schnell an einen Online-Sprachkurs gesetzt, aber diese Art des Lernens fällt mir schwer. In unserer Gemeinde wurde vor ein paar Wochen ein Sprachkurs für deutsche Auswanderer gestartet. Aber da wir für einige Zeit in Deutschland waren, hätte ich zu viele Einheiten verpasst. Beim nächsten Kursbeginn bin ich aber auf jeden Fall mit dabei. Mein Bestreben ist es, wenigstens kleinere Unterhaltungen auf Ungarisch führen zu können. Was es uns leichter macht, ist, dass viele Ungarn Deutsch sprechen. Für Ämter- und Behördengänge unterstützt uns eine liebe Nachbarin, die selbst Ungarin ist, aber viele Jahre in Deutschland gelebt hat und perfekt deutsch spricht.

Ehemann Klaus freut sich über eine reiche und wohlschmeckende Ernte aus dem eigenen Garten. Foto: Klaus Manfred Heinzel

Haben Sie sich hier schon ein soziales Netz aufbauen können?

Grundsätzlich bringen mein Mann und ich eine hohe Bereitschaft mit, auf Menschen zuzugehen, was uns das Knüpfen neuer Kontakte erleichtert. So haben wir schon beim Einkaufen, in Restaurants und im Thermalbad viele Menschen aus der Region kennengelernt. Dazu haben wir über Handwerker, die in unserem Hause tätig waren, oder Nachbarn weitere Bekanntschaften gemacht.

Inzwischen pflegen wir zahlreiche Kontakte und freuen uns über eine erbauliche Gesprächskultur, die sich auf den freien Austausch von persönlichen Standpunkten, Ideen, Sorgen und Hoffnungen und nicht auf das Wiederkäuen medial eingepeitschter Denkschablonen konzentriert. Letzteres haben wir in Deutschland in den vergangenen Jahren leider oft erfahren müssen. Die hier wiedergefundene Art der Kommunikation ist für mich sehr bereichernd und ein wesentlicher Moment für Glücksgefühle.

Gibt es etwas, was Sie vermissen?

Zwei Dinge: den Schwarzwald mit seiner einzigartigen und wunderschönen Flora und Fauna – ich bin ein bekennender Fan des „Waldbadens“ – und das Singen. In Deutschland habe ich viele Jahre in einem Chor gesungen, was mich sehr erfüllt hat. Aber vielleicht bietet sich hier ja noch eine solche Gelegenheit. Bis dahin tröste ich mich ab und zu mit einer Stunde Online-Singen.

Sie hatten in Deutschland einen eigenen Bioladen. In Ihrer Nachbarschaft Lengyeltóti gibt es auch einen Bioladen. Haben Sie diesen schon aufgesucht? Gibt es Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten zu Ihrem früheren Geschäft?

Ich war hocherfreut, dass es einen Bioladen im Nachbarort gibt, und natürlich habe ich diesen auch schon aufgesucht und dort eingekauft, hauptsächlich Gewürze und Aufstriche. Das Sortiment ist etwas anders strukturiert. So gibt es dort – anders als es in meinem Laden der Fall war – keine Frischeprodukte. Der Schwerpunkt liegt hier augenscheinlich auf Nahrungsergänzungsmittel, was ich in meinem Sortiment nicht geführt habe.

Apropos Lebensmittel, wie gefällt Ihnen die ungarische Küche?

Wir gehen hier sehr gerne Essen und sind noch nie enttäuscht worden. Auch für mich als Vegetarierin gibt es ein gutes, vielfältiges Angebot.

Haben Ihre Kinder Sie schon in Ihrem neuen Zuhause besucht? Und wenn ja, wie hat es ihnen hier gefallen?

Beide, sowohl meine Tochter als auch mein Sohn waren mit ihren Familien schon zu Besuch. Übrigens verbringen aktuell meine Enkel zusammen mit zwei Freunden ihre Herbstferien bei uns. Alle empfinden es hier als sehr schön. Sie genießen die Zeit des Aufatmens, der Entspannung und des Sich-frei-bewegen-Könnens.

Ein anderer Enkelsohn kommt uns im Februar für mehrere Wochen besuchen. Er will hier in einer deutschsprachigen Fahrschule den Führerschein machen und uns im Garten helfen.

„Unsere Kinder und Enkel genießen die Zeit des Aufatmens, der Entspannung und des Sich-frei-bewegen-Könnens.“ Foto: Klaus Manfred Heinzel

Inzwischen haben uns auch schon verschiedene Freunde besucht. Auch sie waren begeistert und verblüfft. Ein Ehepaar plant gerade, ihr Haus in Deutschland zu verkaufen und ebenfalls hier eine neue Bleibe zu suchen – umso überraschender, weil sie ihren Landsitz in Deutschland erst vor wenigen Jahren erworben haben.

Erstaunlich fand ich auch die Bemerkung eines anderen Freundes, der, als er unser Grundstück zum ersten Mal betrat, sagte: „Dass ich das noch mal erleben darf. Diese Ruhe, dieses Gefühl von Ich-komme-wieder-zu-mir-selbst.“

Das ist so ein Phänomen, das mich richtig glücklich macht. So viel Zustimmung hat auch dazu geführt, dass ich mich in meiner neuen Heimat noch ein Stückchen wohler fühle. Für mich ist es die Wiederentdeckung der Leichtigkeit, die ich schon bei unserem ersten Urlaub in Ungarn gefühlt und in den letzten Jahren in Deutschland so schmerzlich vermisst habe.

Zum Thema „Auswandern nach Ungarn” empfehlen wir Ihnen auch das Interview mit dem deutschen Kabarettisten Detlev Schönauer, das Interview mit der Auswanderin Christiane Wichmann. sowie das Interview mit der Webdesignerin und Biografin Emily Paersch.

18 Antworten auf “Die Wiederentdeckung der Leichtigkeit

  1. Ich kenne mich dort am Plattensee nicht aus, aber bei uns in der Branau gibt es viele ungarndeutsche Chöre. Besprechungen im Plenum allerdings immer auf ungarisch. Viele Mitglieder können deutsch, benutzen es aber nur im Privatgespräch mit Leuten aus Deutschland. Es sind allerdings auch Chöre darunter, die sich von amtlichen oder halbamtlichen Stellen aus Deutschland unterstützen lassen, und/oder wo der Vorstand auf Nachfrage den herrschenden Unfug in Deutschland und Brüssel unterstützt, vor dem wir geflohen sind.

  2. Das ist ein sehr interessanter Bericht und aus einer völlig neuen Perspektive geschrieben.
    Dankeschön.
    Ich bin jetzt seit 10 Wochen in Ungarn und es gibt keine dunklen Wolken, die mich verstören würden. Als mein Entschluss reifte war von Energiekrise noch gar nichts bekannt und ich fühle mich inzwischen durch die Entwicklung in Europa nochmal darin bestätigt, in Ungarn den besten Ort für mein Rentnerleben entdeckt zu haben.
    Das Klima ist etwas besser/intensiver als in Deutschland und die Landschaft bezaubernd und gepflegt. Bei der Fahrt nach Kaposvár habe ich den Blick über die hügeligen Felder sehr genossen.
    Die sprachliche Seite werde ich demnächst mit einem Handy-Übersetzungsprogramm angehen, damit eine flüssige Unterhaltung möglich ist. Ansonsten löse ich die anfänglichen Sprachprobleme damit, dass ich mein Anliegen in Ungarisch niederschreibe und dem Mitarbeiter im Geschäft vorlege. Das klappt recht gut.
    Und die Hilfsbereitschaft der Nachbarschaft ist bemerkenswert. Köszönöm.

    1. Hallo Elli,

      über die Rückmeldung habe ich mich sehr gefreut.

      Wie ich im Interview gesagt habe, mache ich die gleichen, positiven Erfahrungen hier. Sicher ist auch in Ungarn nicht alles Gold was glänzt. Aber es gibt viele glänzende Sterne, die uns gut gefallen. Dass der Deutsche “Glanz” mehr und mehr verblasst, macht uns Sorgen und wir beobachten das mit einer gewissen Trauer.

      Wir fühlen uns hier sehr gut aufgehoben.

      Viele Grüße aus Buzsák,
      Dorothea

  3. Hallo Frau Heinzel,
    wohne seit Anfang September 22 in Hercegszanto und kann Ihnen nur voll und ganz beipflichten.
    Eine Ruhe wie man sie in Deutschland nicht kennt, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ist normal, also pure Freude und Gelassenheit seit wir in Ungarn sind,
    Danke Ungarn

    1. Hallo Herr Seybold,

      vielen Dank für Ihre Rückmeldung, über die ich mich gefreut habe. Letztendlich ist es doch die Lebensfreude, die uns Lebenskraft schenkt….auch oder gerade in nicht ganz einfachen Zeiten.

      In diesem Sinne viele Grüße,
      Dorothea Heinzel

  4. Mir, einer Ungarin wird es ganz warm ums Herz, dass es Euch Deutschen in Ungarn so gut gefällt! Ich habe lange Jahre in Deutschland gelebt und muss sagen, ich bin heilfroh wieder in Ungarn leben zu dürfen…Ich wünsche Euch weitere wunderschöne Zeit bei uns!

    1. Hallo Eszter,

      dass Du diese Zeilen als Ungarin schreibst freut uns natürlich ganz besonders. Natürlich gefällt es uns hier nicht nur wegen des Klimas oder dem Balaton. Das entscheidende im Leben sind vielmehr die Menschen, denen man begegnet. Und wir lernen sehr gastfreundliche und hilfsbereite Ungarn kennen. Das macht uns froh weil wir das Gefühl haben nicht nur “geduldet”, sondern willkommen zu sein. Mit der sogenannten “Willkommenskultur” in Deutschland, die von der Deutschen Politik propagiert und verordnet wird, hat das nichts zu tun.

      Danke für Deine Rückmeldung und herzliche Grüße

      Dorothea

      1. Sehr gerne, Liebe Dorothea, ich weiss wie wichtig es ist aufgenommen zu werden wenn man im Ausland lebt. Das alles habe ich sehr vermisst im kühlen hohen Norden, obwohl ich einen echten Norddeutschen geheiratet habe … ich habe tierisch gelitten darunter. Deswegen freue ich mich sehr, dass ihr so gute Erfahrungen macht in Ungarn!
        Was die ung. Sprache angeht: nur keine Hemmungen, nur keine Perfektion, nicht an Konjugation der Verben u.ä. denken… einfach mit Händen und Füßen reden! Die Ungarn sind entzückt wenn ein Ausländer bereit ist unsere “ausserirdische” Sprache zu sprechen, egal wie… das weiss ich aus Erfahrung. Liebe Grüße Eszter

        1. Liebe Eszter,

          vielen Dank für die Ermunterung und die Inspiration mit dem Erlernen und Anwenden der Ungarischen Sprache “spielerisch” umzugehen. Ich nehme das gerne als Herausforderung an und probiere mich darin.

          Herzliche Grüße
          Dorothea

  5. Hallo Frau Heinzel,
    nicht nur Ihr Bericht, sondern die ganze Auswanderer Serie, hat meine Seele berührt. Bin ich doch mit meiner Frau, und oft auch mit meinen Kindern, bis heute dem mein Herz berührendem Land seit 1979 verbunden. Gerade dieses Jahr habe ich Liebe und Zuneigung einzigartiger Freundschaften erleben dürfen, als wir mit Pleiten, Pech und Pannen vom defekten Auto bis zu “Gesundheitsproblemen” überhäuft wurden. Und am Ende es doch wieder ein wunderbarer Urlaub wurde. Wir freuen uns immer auf das “Hallo” der ganzen Anwohner, wenn sie realisieren, das wir wiedergekommen sind, auch wenn es etwas später im Jahr gewesen war. Genießen Sie die Zeit, denn ich habe den Eindruck, es wäre auch dort die letzte Generation “alter Schule”, die diese Liebe und Fürsorge für andere in sich trägt. Buszak ist ein einzigartiger Platz, dies mit allen Sinnen zu genießen, mit dem erholsamen Bad nebenan und den herrlichsten Walnüssen der Welt! Und: Schwarzwald gibts in Nordungarn genug!

    1. Hallo Herr Bächer,

      vielen Dank für Ihre Rückmeldung, über die ich mich gefreut habe. Wir haben Ungarn, mit unserer damals jungen Familie, fast zeitgleich mit Ihnen entdeckt und wertschätzen gelernt. Auch mit unserer Nachbarschaft geht es uns ähnlich wie Ihnen, was sehr wertvoll für uns ist.

      Wohin die “Reise” mit folgenden Generationen gehen wird, wissen wir nicht. In unserem Mikrokosmos tun wir viel dafür mit Kindern und Enkelkindern in einem offenen Dialog zu bleiben. Wir haben die Hoffnung, dass es auch unter künftigen Generationen viele Menschen geben wird die über die Dinge, die man uns serviert nachdenken und Empathie und Wertschätzung in sich tragen.

      Ihrem Hinweis den Schwarzwald in Nordungarn zu entdecken, werden wir gerne nachkommen.

      Viele Grüße aus Buzsák
      Dorothea Heinzel

      1. Szia Heinzel asszony! Guten Tag!
        Danke für Ihre nette Rückantwort! Ich habe alle Berichte der Auswanderer nochmal durchgelesen, -deren Berichte sind so vielfältig wie Leben allüberall. Das Meiste deckt sich mit meinen 44 Jahren “Ungarn erleben” (dürfen). Ich nehme mich nicht zur Eigenkritik aus, aber mit unsren Euros sehen wir viel zu viel durch die rosa rote Brille, die Mehrzahl der Auswanderer ist wohlhabend, und viele davon sehen kaum die täglichen Probleme, deren Kenntnis ich mir in vielen Diskussionen mit einfachen Leuten “erarbeiten” durfte. Ich würde gerne für immer dort bleiben, aber mit Option einer Rückkehr. Und der gute Orban ist genau so “korrupt” wie die rot/grün/blau leuchtenden Birnen hier. Ins Detail gehen lohnt sich nicht. Aber das Wertvollste was sie in Ungarn besitzen, ist und bleibt die Freundlichkeit der liebenswerten Menschen dort. Und einst könnte diese Regenbogen Ampel auch Auslandsdeutsche zum Schröpfen verfolgen. Genießen sie ihr wunderbares Domizil! Szia

  6. Liebe Frau Heinzel,
    dieser Artikel über Sie und Ihre Auswanderung hat mich Ungarn wieder ein Stückchen näher gebracht. Auch wir überlegen, uns eine Wohnung oder ein Haus in Ungarn zu kaufen. Können Sie mir vielleicht sagen, woher Sie die wichtigsten Tipps bekommen haben? War das auf bestimmten Internetseiten oder durch Bekannte, die aus Ungarn stammen? Oder haben Sie viele Fragen nur vor Ort bei Ihren Reisen durch Ungarn klären können?
    Mir geht es um die fundamentalen Fragen, wie Ortsauswahl, wichtige Ämter, Krankenkasse/Arztbesuche, Bankkontoeröffnung, etc.
    Ich wäre Ihnen für jegliche Art von Tipps dankbar. 🙂
    Ganz herzliche Grüße aus Deutschland,
    Tanja Ackermann

  7. Liebe Frau Ackermann,

    schön, dass Ihnen der Artikel “Ungarn-Inspirationen” gibt.

    Zu Ihren Fragen: Wir haben uns bereits seit mehreren Jahren mit dem Thema “Auswandern” beschäftigt und mehrere Länder bereist. Darunter auch Ungarn, das uns aus vielen Gründen am geeignetsten erschien. Nicht zuletzt deshalb, weil wir uns hier willkommen fühlen.

    In Ungarn selbst haben wir uns viel Zeit genommen und uns verschiedene Regionen und dort auch Objekte (über Maklerkontakte) angeschaut. Die Wahl fiel dann letztlich auf den Ort Buzsák, wo es mehrere Optionen gab, die recht schnell vergriffen waren. Das Haus hat dann uns gefunden, in dem uns die Nachbarin eines Freundes darauf hinwies, dass es zu verkaufen war. Dann ging alles ganz schnell. Wir entschieden uns und waren wenige Tage später bei einerRechtsanwältin, die gut deutsch spricht, und machten dort den Kaufvertrag und leisteten eine Anzahlung. Schreiben Sie much doch am besten via EMail an. dorothea-christine@posteo.de.
    Herzliche Grüße

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