England
Szoboszlai erzielte das einzige Tor des Spiels vom Elfmeterpunkt. Foto: MTI/ Zsolt Szigetváry

UEFA-Nationenliga: Ungarn-England

Erster Sieg seit 60 Jahren

Ungarn hat England am Samstag in der Puskás-Arena 1:0 geschlagen.

Das Spiel fand eigentlich hinter verschlossenen Türen statt; dank einer Sonderklausel der UEFA war jedoch Kindern unter 14 Jahren das Zuschauen erlaubt. So durften 35.000 Kinder (mitsamt ihren erwachsenen Begleitern) den historischen Triumph ihrer Nationalelf feiern, den ersten gegen England nach 60 Jahren, ausgerechnet am Tag des Nationalen Zusammenhalts – zur Erinnerung an das Friedensdiktat von Trianon.

In der WM-Qualifikation war Ungarn im vorigen September gegen den frischgebackenen Vize-Europameister England noch mit 0:4 untergegangen. Das Spiel fand damals vor ausverkaufter Kulisse statt, darunter vor den Anhängern des schwarzen Blocks der Ultras, die mit ihren Sprechchören wie „Ria, Ria Hungária“ in dem Rund mit insgesamt 65.000 Zuschauern für eine Hexenkessel-Atmosphäre sorgten.

Weil sich aber eben manche dieser Ultras bei der EM-Endrunde nicht benehmen konnten, erhielt Ungarn als „Rückfalltäter“ eine Sperre des europäischen Fußballverbands aufgebrummt. Ausgerechnet der Auftakt zur Nationenliga sollte also vor leeren Rängen stattfinden. Dann aber wurden die begeisterten Nachwuchskicker mobilisiert, von denen Zehntausende dem Ruf des Verbands folgten und die Gelegenheit eines offiziellen Länderspiels in der großartigen Puskás-Arena beim Schopfe packten.

Eine Schar tausender begeisterter Kinder

Ihre Nationalmannschaft bedankte sich für so viel Enthusiasmus mit einem wirklich guten Spiel, in dem die Engländer zwar wie erwartet dominierten, aber vor dem Tor von Gulácsi kaum wirklich gefährlich werden konnten. Ganz anders die Gastgeber, die freche und vor allem schnelle Konter vortrugen und schon zur Halbzeitpause in Führung hätten liegen können.

Es wäre wohl nicht nur das Tor des Tages gewesen, wenn der Heber von Szalai hinter Pickford eingeschlagen hätte – nach einem Ballverlust der Engländer im Mittelfeld schaltete der ungarische Kapitän am schnellsten, sah den englischen Torhüter weit vor seinem Kasten und versuchte, den Ball aus 50 Metern über den Keeper zu heben. Am Ende fehlte kein Meter am Sensationstreffer.

England
Kinder unter 14 Jahren durften das Spiel sehen, das eigentlich ohne Fans stattfinden sollte – es wurde ein historischer Abend. Foto: MTI/ Zsolt Szigetváry

Noch näher dran war Szoboszlai, der den wohl schönsten Angriff des Spiels (schnörkellos und blitzschnell vorgetragen mit Pässen in Freiräume nach Rechtsaußen und von dort direkt in den Strafraum) clever abschloss, indem er den Ball unter dem herausstürzenden Pickford hindurchschob – Verteidiger Coady konnte jedoch für seinen geschlagenen Torhüter unmittelbar vor der Linie retten. Gespielt waren da gerade 12 Minuten; auf den Torjubel musste die begeisterte Kinderschar noch knapp eine Stunde warten.

Die schönsten Szenen des Abends

Hatte England bei den Schlüsselszenen der 1. Halbzeit eher Glück, fabrizierte James Mitte der 2. Halbzeit ohne jede Not einen Strafstoß, den Szoboszlai sauber ins Eck platziert verwandelte. Das Führungstor gegen den großen Favoriten löste bei Tausenden Knaben (und auch so manchen im Verein Fußball spielenden Mädchen in der Arena) einen Freudentaumel aus, der die schönsten Szenen des Abends bescherte. Man stelle sich diese Nachwuchs-Kicker vor, wie sie in einigen Jahrzehnten ihren Enkeln von der Weltsensation erzählen, an der sie am 4. Juni 2022 im Puskás-Stadion in Budapest teilhaben durften. Schließlich hatte Ungarn die Engländer letztmalig bei der WM 1962 in Chile zu bezwingen vermocht – der legendäre Flórián Albert erzielte den Siegtreffer zum 2:1 damals in der 71. Minute.

Die Kids mussten am Samstagabend (einschließlich Nachspielzeit) noch eine halbe Stunde mit ihren großen Vorbildern bangen, dabei hätte es am Ende eher 2:0 denn 1:1 stehen sollen. Einen Schuss von Kleinheisler konnte Pickford nämlich nur zur Seite abwehren, wo ein mutterseelenallein gelassener Schäfer den Ball nur im leeren Kasten unterbringen musste – der Mittelfeldspieler von Union Berlin schoss das Leder aber hoch auf die Tribünen.

Die Sache mit dem Kniefall… und mit der Hymne

Um den Kniefall der Engländer vor Spielbeginn entwickelt sich derweil ein zweites Match. Im Gegensatz zu BILD & Co. würdigte die BBC, dass die Tausenden Kinder der Nationalhymne Englands mit Respekt begegneten (nicht wie in England, wo die Fans „traditionell“ die Hymne des Gegners auspfeifen), beim Kniefall des englischen Teams gab es jedoch wieder Pfiffe und Buhrufe. Die Scharfmacher leiten daraus ab, dass den Ungarn Rassismus und Hass in die Wiege gelegt werden. Am besten wären wohl Umerziehungslager in Sibirien…

Vielleicht braucht es aber nur einfach eine Geste, mit der fortan die Ungarn ihrerseits der Schmach von Trianon gedenken – nur als ein Beispiel, was die Menschen hier mehr bewegt, als das Rassismus-Problem der „Multikulti“-Gesellschaften. Einen Kniefall auf Ungarisch sozusagen. Pfiffe und Buhrufe wären in so manchen Stadien vorprogrammiert. Die gibt’s freilich schon heute bei der Nationalhymne zu hören. Nur stört das weder die UEFA noch Medien vom BILD-Format.

16 Antworten auf “Erster Sieg seit 60 Jahren

  1. Sehr guter Artikel. Ich empfehle der ungarischen Nationalmannschaft den Kniefall für die Opfer des französischen Trianon-Diktats und der Opfer des deutschen Einmarsch von 1944 – bei jedem Auslandsspiel. Alternativ könnte auch der Opfer von westeuropäischer Sklaverei und Kolonialismus angemessen sein. Dieser dann allerdings nur bei Spielen gegen die für Sklaverei und Ausbeutung verantwortliche Staaten: Niederlande, Belgien, Frankteich, Portugal, Spanien, England, Deutschland, Italien.

  2. Mit Blick auf die englische Provokation vor dem Anpfiff freue ich mich um so mehr, dass die “Oberlehrer in Sachen Moral” von den aufrechten, wackeren Ungarn abserviert wurden!!! 👍🏻🇭🇺🙂
    Hoffentlich werden politische Statements auf dem Spielfeld endlich verboten! Fußball sollte wieder das werden, was er vor der Instrumentalisierung durch die Gutmenschen einmal war: ein ganz normaler Sport, bei dem es nur um sportliche Leistungen geht.

    1. Heute Österreich gegen Dänemark. Niemand kniete.
      Deutschland hat schon jetzt den Gutmenschen versichert, er wird mitknien. Gerade lächerlich.
      Übrigens: mehr als 1 Stunde Verspätung; Stromausfall in 2. BEZIRK WIEN, wo das Stadion ist. Notgenerator? Gibt es nicht.

  3. Ich habe gestren Deutschland-England gesehen, da empfand die Geste keiner als Provokation, es wurde auch während der Hymnen nicht gepfiffen. Geht also auch so. Immer nur Hass gegen andersdenkende ist nicht so das Mittel einer Sportveranstaltung.

    1. Ja, Deutschland bestrahlt wieder das Stadion in Regenbogen. Ziemlich bescheuert. Juni scheint kein Juni mehr sein, sondern LMQ und so weiter Monat. Es hat nichts mehr mit Christopher Day zu tun. Sagen meine Schwule Bekanten. BLM musste man übrigens All Life Matters heißen.

      1. Auszug aus Wikipoedia:

        Auf einer Regenbogenfahne befinden sich symbolhaft die gleichen Farben, wie man sie im Regenbogen erkennen kann, bzw. wie sie im Farbenspektrum auftreten. Mit einer solchen Fahne wird in zahlreichen Kulturen weltweit die Stimmung für Aufbruch, Veränderung und Frieden ausgedrückt. Sie gilt auch als Zeichen für Toleranz und Akzeptanz der Vielfalt von Lebensformen und der Hoffnung und der Sehnsucht.

      1. Das mit dem Hinknien haben Sie anscheinend nicht so richtig kapiert, deswegen erkläre ich Ihnen das hier auch nciht. Der Strom fiel im gesamten Viertel aus, hatte nix mit dem Spiel zu tun. Mit einem mherkömmlichen Generator können Sie die benötigte Strommenge für eine Stadion nicht abfangen, ist auch unnötig.

  4. Ausserdem wir da wieder unnötig ein Fass aufgemacht. Das sportliche geht wieder mal unter. Lasst sie doch Knien, warum muss man denn das Pfeiffen und buhen ? Die Ungarn waren einfallsreich mit den Zuschauern, so die Sperre umgangen, und ein wirklich gutes Spiel gemacht. Aber darüber berichtet man jetzt wieder nicht, es geht wieder um die Geste. Für mich unverständlich. Warum kann man das denn nicht tolerieren ?

    1. Gestern in Italien. Alles lief auf den Straßen, auch in dem Stadion ohne Knien, ohne Pfiffe. Sport gehört ins Arena. Sonst nichts. Die Zuschauer sollen nicht dazu gezwungen werden, kollektive politische oder religiöse Gruppenveranstaltungen beizuwohnen.

      1. Bei Nationalsozialisten und Sozialisten sind sportliche Massenveranstaltungen die idealen Orte Ideologischer Zurschaustellung und Manipulation. Man sieht es mittlerweile auch in der BRD, wo SPD, FDP und CSU im Juni 2021 die Allianz-Arena zu einem Ort woker, sozialistisch-grüner Ideologie umgestaltet haben.

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