rassismus
Spieler der ungarischen Nationalelf kurz vor dem Match: Teile der englischen Medien stempelten sie pauschal als Rassisten ab. Foto: MTI/Zsolt Szigetváry

BZ-Kommentar zum WM-Qualifikationsspiel Ungarn gegen England

Rassismus und Respekt

Die englischen Medien beschäftigte nach dem WM-Qualifikationsspiel Englands in Budapest vor allem ein Thema: der vermeintliche Rassismus „der Ungarn".

Auslöser war die Szene nach dem 1:0 durch Sterling. Der dunkelhäutige Stürmer war in Ekstase über den so wichtigen Treffer zur Eckfahne gerannt, also genau vor den Block der Ultras. Diese reagierten mit Buh-Rufen und warfen etliche Plastikbecher aufs Spielfeld. Englands Kapitän Kane stellte sich in der feiernden Spielertraube schützend vor seinen Teamkollegen. Rice und Grealish „bedankten“ sich derweil bei den Fans: sie hoben Bierbecher auf und taten so, als würden sie von dem nicht gerade auf die englische Art gereichten Bier trinken.

Die Kamera von Sky Sports schwenkte in den Block der Ultras hinter Sterling und entdeckte dort „Fans“, die Affen imitierten. Der Korrespondent zählte konkret vier Personen, die solche primitiven rassistischen Gesten zeigten. Das Stadion war mit 60.000 Zuschauern ausverkauft…

Missverständnis

Sterling hatte die gegnerischen Fans natürlich provoziert, indem er in die Kurve der Ultras lief. Obendrein hatte er sein Dress vom Körper gerissen, unter dem ein zweites T-Shirt sichtbar wurde. Es trug eine Botschaft an einen in der Corona-Pandemie verstorbenen Freund, musste aber für all jene, die kein Englisch können oder den Schriftzug schlicht wegen der Entfernung nicht lesen konnten, wie eine Provokation wirken.

Nach dem Spiel sagten Kapitän Kane und Maguire ihren Reportern fairerweise, sie und ihre Mitspieler hätten keine Affenlaute oder andersgeartete rassistische Hetze wahrgenommen. Was allerdings eine englische Zeitung nicht davon abhielt, anderntags pöbelhaft zu titeln: „England-Rassisten 4:0“.

Gedächtnisschwund

Selbst Premier Boris Johnson ließ sich im breiten Strom der Anti-Rassismus-Bewegung dazu hinreißen, seine „Empörung“ hinauszuposaunen. Die FIFA müsse „energische Maßnahmen gegen die Verantwortlichen“ ergreifen, die „Beleidigungen“ seien „völlig inakzeptabel“.

Wahrscheinlich leidet Johnson unter Gedächtnisschwund, oder ihm sind zumindest einige skandalöse Szenen des EM-Finals England gegen Italien im Wembley-Stadion entfallen. Außenminister Péter Szijjártó half ihm und anderen auf die Sprünge und präsentierte auf Facebook ein Video vom Auspfeifen der italienischen Hymne – nicht nur von einer Handvoll Störer, sondern deutlich hörbar von Tausenden England-Fans. Sein Kommentar dazu: „Bei allem Respekt für meinen guten Freund Boris wäre es an der Zeit, nicht ständig mit zweierlei Maß zu messen.“

Englische Spieler beklagten jetzt zwar eine „feindliche“ Atmosphäre in der Puskás-Arena. Dabei handelten sie sich jedoch die ersten Pfiffe mit ihrem umstrittenen Kniefall ganz bewusst ein und heizten die Stimmung schon vor dem Anpfiff unnötig auf. Im Wembley-Stadion wurde die italienische Nationalhymne hingegen grundlos ausgepfiffen.

„Die Briten kamen als Gäste in unsere Hauptstadt, wo sie die ungarischen Fans mit einer Geste provozierten (dem Kniefall/ Anm.d.Red.), die wir als scheinheilige Ersatzhandlung empfinden. Die Briten haben sich über Jahrhunderte die halbe Welt unterworfen, wir haben nie irgendjemanden kolonialisiert… Wir werden den Briten nie verzeihen, wie sie sich unsere Region 1944 mit Stalin aufteilten und uns nach Asien abschoben!“

Moderne kontra Dinosaurier

Englands Nationaltrainer Gareth Southgate wirkte in diesem Getöse als Stimme der Vernunft. Natürlich forderte er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel, die Behörden hätten alles zu unternehmen, um die Spieler auf dem Rasen zu schützen. Er verurteilte jede Form von Rassismus, stellte aber auch klar: „Das ungarische Publikum ist keine homogene Masse, unserer Hymne wurde mit Respekt begegnet, es gab keine Pfiffe. Es wäre daher nicht fair, die ungarischen Fans durch die Bank zu kritisieren. Sehr viele verhielten sich ausgesprochen großzügig und anständig.“ Noch bemerkenswerter war jedoch, dass er in diesem Augenblick an die Vorfälle nach dem verlorenen EM-Finale erinnerte.

Damals gab es auf der Insel regelrechte Hasstiraden gegen jene drei Spieler, die ihre Elfmeter nicht verwandeln konnten. Zufällig sind Rashford, Sancho und Saka allesamt „nicht weiß“, woraufhin krude Rassen-Theorien über die besseren Strafstoßschützen die Runde machten.

Englands Nationaltrainer Gareth Southgate:   „Das ungarische Publikum ist keine homogene Masse, unserer Hymne wurde mit Respekt begegnet.” Foto: MTI/ Zsolt Szigetváry

Southgate bemerkte deshalb, „es ist ähnlich, wie bei uns“. Aber die Welt werde moderner. „Die, die an alten Denkmustern festhalten, werden am Ende wie die Dinosaurier sein.“ Dann aber ließ selbst der verständnisvolle englische Trainer den Rassisten und zugleich Unkenntnis und Überheblichkeit durchblicken, und merkte es nicht einmal: „In Ungarn ist die Bevölkerung nicht annähernd so vielfältig wie in unserem Land.“ Zwangsläufig werde es hier noch sehr lange dauern, bis das Problem des Rassismus aus der Welt sei.

Ein mehr als fragwürdiger Gedankengang! Sicher ist auf jeden Fall, dass diese Entwicklung noch weitaus länger dauern wird, wenn sich keiner die Mühe macht, dem Gegenüber mit Respekt und ohne anmaßende Dünkelhaftigkeit zu begegnen.

PS: Der ungarische Fußballverband MLSZ hat nach dem Spiel zweijährige Stadionsperren für all jene in Aussicht gestellt, die mit Videomaterial zweifelsfrei überführt werden können. Geahndet werden konkret Delikte wie das Zünden von Feuerwerkskörpern und das Werfen von Bechern. Eine eventuell durch die FIFA verhängte Geldstrafe wolle man auf die renitenten „Fans“ abwälzen.

Hier geht es zum BZ-Spielbericht.

3 Antworten auf “Rassismus und Respekt

  1. England möge erstmal bei sich aufräumen. Wenn die Engländer sich hinknien, sollen es tun. Hinknien ist kein Heiligtum, wenn es ausgepfiffen ist, es ist okay . Wenn die Engländer unter der Nationalhymnen anderer Nationen pfeifen, ist nicht okay Wenn ein weißer, schwarzer, asiatischer Spieler ausgepfiffen von dem Gegnern, ist okay. Wenn von dem eigenen Publikum, sehe London, ist nicht okay.
    Was auch immer 4 Personen von 60.000 tun, ist irrelevant.
    Scheinbar fühlt England sich für etwas besonderes.

  2. Mária Schmidt hat recht. Zudem benehmen sich die Engländer offenbar nicht gemäß ihrem EU-Austritt. Warum haben sie es dann getan?
    Man nennt es Rassismus, daß die Ungarn sich ihr Land nicht wegnehmen und es nicht ruinieren lassen wollen. Aber die Schimpfer sind selbst Rassisten, nämlich gegen ihre europäischen Landsleute.

  3. ” Skandal Workshop bei der Polizei” ( gegen Weissen)
    Humboldt Universität Berlin: weissen sind unerwünscht. Sie sollen fürs Job sich nicht bewerben!
    Alles Rassismus von der staatlicher Seite! Öffentlich und tendenziös.
    Wann kommt Brüssel mit Rechtsstaatlichkeit Verfahren?
    Wann werden die Rassisten vor Kadi gezogen?

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