Ferencváros
Die beiden Ferencváros-Torschützen Boli und Tokmac Nguen feiern das gerechte Unentschieden. Foto: MTI/ Tamás Kovács

Fußball-Champions League / Ferencváros

Fradi holt ersten Punkt

Als der ungarische Fußballmeister Ferencváros vor einer Woche im Camp Nou zum ersten Spiel in der Gruppenphase der Champions League (CL) antrat, waren sich alle einig: Alles, was folgt, ist wie eine Zugabe, ein Geschenk.

Zum ersten Mal nach einem Vierteljahrhundert darf Fradi (Ferencváros) endlich wieder in der Königsklasse des europäischen Klubfußballs mitspielen, und gleich gegen Klubs wie Barcelona und Juventus, mit den lebenden Legenden Messi und Ronaldo in ihren Reihen.

Ferencváros unbeschwert

Und so spielte Ferencváros ganz unbeschwert auf, brachte die Barca-Abwehr mit Abseitstor und Lattenknaller durchaus in Verlegenheit, bis sich der haushohe Favorit mit drei Toren absetzen konnte. Am Ende hieß es 1:5 und niemand wäre auf die Idee gekommen, die Gäste aus Ungarn dafür zu kritisieren. Am 2. Spieltag sah es da schon ganz anders aus.

Fradi trat am Mittwochabend in der heimischen Groupama-Arena gegen Dynamo Kiew zum ersten Heimspiel an. Nach dem 2:2-Unentschieden bleiben die Ungarn Schlusslicht der Gruppe, aber die Chance auf den 3. Platz, ergo die Fortsetzung im Frühling in der Europaliga, ist noch nicht vertan.

Kiew hatte ebenso wie Fradi das Auftaktspiel verloren, zwar nur 0:2, aber doch daheim gegen Juventus. Wenn die Ungarn überhaupt Punkte sammeln wollen, erschien das Heimspiel gegen den ukrainischen Meister als die ideale Gelegenheit.

Belastender Gewinndruck

Gemessen daran waren die ersten 60 Minuten ein Desaster. Offenbar drückte die Spieler doch die Last, unbedingt gewinnen zu wollen – Kiew aber wirkte eine Nummer zu groß und bestrafte konsequent jede Unsicherheit in der Fradi-Abwehr. Das Spiel schien gelaufen, nachdem auch der Seitenwechsel keine spürbare Veränderung brachte.

Doch dann schlug wieder jener Tokmac Nguen zu, der sich in dieser Saison zum Joker bei Ferencváros entwickelt. Im Strafraum alleingelassen drückte er nach genialem Zuspiel von Zubkov aus halber Drehung ab und schoss ins lange Eck – ein Traumtor. Mit einem Schlag waren die Mannschaft und die 6.500 Zuschauer hellwach, Kiew musste fortan um den sicher geglaubten Sieg bangen.

Powerplay in der Nachspielzeit

Erst recht, als ein Spieler der Gäste in der Schlussphase mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde. Trainer Rebrow wechselte gleich fünf Spieler ein, die den Druck verstärkten. In der 90. Minute sorgten denn auch drei der „Neulinge“ für den Ausgleich, als Boli einen eher verunglückten Ball mit der Spitze über die Torlinie drücken konnte. Die Nachspielzeit erinnerte an das Powerplay, das Fradi für zehn Minuten in Barcelona hatte aufziehen können, nachdem Piqué für eine Notbremse gegen Tokmac Nguen Rot sah.

Im Camp Nou hatten die in Überzahl gelangten Ungarn plötzlich ihre Chance gewittert, statt den Anschlusstreffer zu erzielen aber zwei weitere Gegentore kassiert. In Budapest war Kiew zu keinem Gegenschlag mehr imstande, überlebte aber die fünf Minuten Nachspielzeit. Das Unentschieden ist letztlich absolut gerecht, das Rückspiel am 8. Dezember in Kiew wird wohl ein „kleines Finale“ um Platz 3 hergeben.

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