Gastkommentar 

Schluss mit deutscher Arroganz!

Wer sich als Deutscher auch nur ein wenig mit der eigenen Geschichte auskennt, dürfte wissen, was alle Europäer und gerade wir Deutschen dem freiheitsliebenden ungarischen Volk zu verdanken haben. Wer nach Budapest kommt, ist überwältigt von der Schönheit einer Stadt, deren kultureller Reichtum durch die großen Traditionen Europas geprägt ist.

Aber wer in deutschen Medien Berichte über Ungarn liest, bekommt häufig den Eindruck vermittelt, als müsse dieses „arme“ Land dringend von außen wieder auf den „richtigen“ Weg zurückgeführt werden. Das demokratische Recht der ungarischen Bürger, in souveräner Selbstbestimmung über die Politik ihres Landes und ihre eigene Regierung zu entscheiden, spielt dabei eher keine Rolle.

Selbstgefälliges Gefühl kultureller Überlegenheit

Der erhobene Zeigefinger und das selbstgefällige Gefühl kultureller Überlegenheit waren immer schon ein gefährliches Element deutscher Außenpolitik. Leider muss man feststellen, dass die im 19. Jahrhundert vom Lyriker Emanuel Geibel geprägte und von Kaiser Wilhelm II. pervertierte Botschaft, „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“, selbst gegenüber europäischen Völkern offenbar immer noch in Mode ist.

Ein aktuelles Beispiel gefällig? Gerade in dieser Woche hat der Intendant der Deutschen Welle angekündigt, sein Sender werde künftig Beiträge in ungarischer Sprache senden, um die angeblich „in den ungarischen Medien weniger diskutierten Themen wie Menschenrechte, Minderheitenrechte und LGBTQ-Themen zu behandeln“. Wie bitte? Ein aus staatlichen Zwangsgebühren finanzierter deutscher Sender fühlt sich berufen, dem ungarischen Volk die Sicht der Dinge zu vermitteln, die er für richtig hält? Nein, Ungarn braucht bestimmt keinen Nachhilfeunterricht durch deutschen Staatsfunk.

Stellen wir uns einmal vor, etwa die BBC würde verkünden, in Zukunft in deutscher Sprache Beiträge über „Menschen- und Minderheitenrechte“ zu senden, weil diese in den deutschen Medien ihrer Meinung nach zu wenig diskutiert würden. Was würden wir Deutschen wohl dazu sagen?

Die Themen, die die DW genannt hat, lassen übrigens erahnen, dass damit konkrete Ziele verbunden sind. Denn einem Teil der deutschen Parteien passt einfach die ganze Richtung der ungarischen Politik nicht. Die große Mehrheit der Ungarn will keine unkontrollierte Massenzuwanderung, bekennt sich zu ihrer christlichen Identität und zur Bedeutung der traditionellen Familie. Das verursacht der politischen Linken in Deutschland und Westeuropa geradezu Schüttelfrost.

Fehlender Respekt gegenüber einer souveränen europäischen Kulturnation

Nein, niemand ist gezwungen, die Überzeugungen des ungarischen Volkes oder gar die Politik ihrer Regierung zu teilen. Aber es wäre ein Gebot des Respekts gegenüber einer souveränen europäischen Kulturnation wie der ungarischen, ihre Werte zu tolerieren.

Übrigens sollte niemand glauben, dass die Anti-Ungarn-Kampagne in Deutschland die tatsächliche Haltung der deutschen Bevölkerung wiedergibt. Darauf deutet auch die bemerkenswert positive Resonanz hin, die pro-ungarische Statements des Autors regelmäßig im Kurznachrichtendienst Twitter erzielen.

So wurde die kürzliche Präzisierung in der Ungarischen Verfassung, „dass die Mutter eine Frau ist und der Vater ein Mann“, zwar in deutschen Medien als „Diskriminierung sexueller Minderheiten“ gerügt. Bei „Twitter“ aber wurde die anderslautende Bewertung („Eine Werteentscheidung, die zu respektieren ist“), mehr als 250.000 (!) Mal aufgerufen und von vielen ausdrücklich unterstützt.

Eine Antwort bei Twitter, gerichtet an Ungarn, lautete: „Millionen Deutsche zählen auf Euch und stehen Euch bei!“ Solche Stimmen gibt es viele. Deutsche Medien und deutsche Parteien täten gut daran, sich davon nicht immer weiter abzukoppeln. Das gemeinsame Haus Europa, das wir alle wollen, wird nur auf dem Fundament wechselseitigen Respekts bestehen können. Deutsche Arroganz gehört definitiv nicht dazu.

Der Autor ist Präsident der Deutsch-­Ungarischen Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland.

Ein Gedanke zu “Schluss mit deutscher Arroganz!

  1. Juncker, Merkel und Macron meinen, die Hoheit in Sachen des zukünftigen europäischen Weges verteidigen zu müssen. Pardon, der erste Herr hat zum Glück erhöhte Werte im Blut, die eine klare Sicht auf die Dinge verhindern (nein, es ist nicht Corona) und entschied sich aufzugeben. Person Nummer 2 gibt im herbst auch auf. Der Mann aus der Grand Nation wird es auch nicht mehr lange machen, das ist meine Vermutung. Insofern darf ich prophezeien, dass die politische Landschaft ab 2022 durchaus einen neuen Weg beschreiten wird, ja beschreiten muss. Wen nhier die osteuropäischen Staaten gemeinsame Nenner finden, dann ist das zu begrüssen. Bisher kann sich die V4 Verbund hier sehr gut behaupten und seine Position wird bereits von einigen weiteren Staaten unterstützt. Diesen Machtverlust gilt es aus dt. Sicht zu kompensieren. Man schürt Ressentiments und denkt, irgendetwas von dem Dreck wird schon haften bleiben. Man muss Orban nur immer wieder öffentlich beschimpfen (“Hallo, Diktator”). Als grosse Fechtnation pariert Ungarn die Attacken bisher sehr professionell. Herr Papke macht das vorbildlich und attacktiert nicht Deutschland sondern verteidigt, was die meisten Ungarn als wesentliche Werte verstehen. Familie, Nationalstolz und Glaube gehören dazu. Grundpfeiler, die in den letzten 30 Jahren sukzessive im Land der Dichter und Denker abgebaut wurden. Die Ungarn begegnen dem aber ohne Häme. Ungarn und Deutsche verbindet jahrhundertelange Tradition und dies kann durch permanente Propaganda (alle voran Deutsche Welle, arte.tv und tagesschau.de) auch nicht ausgehebelt werden. Weder Deutsche noch die Magyaren sind dumm. Ich jedensfalls schaue mit einer gewissen Entspanntheit in die Zukunft und kann nur jedem Deutschen empfehlen, sich ein eigenes Bild zu machen. PS: Mittlerweile sind die Auswanderforen in den sozialen Medien voll mit Interessenten, die sich ein neues Leben im Land von Paprika, palinka und Piroschka vorstellen können. Wer diesen Schritt wagt, dem wird die Hand ausgestreckt. Die ungarische Gastfreundschaft kommt vom Herzen, nicht aus dem Blick ins Portemonnaie.

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