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„Zum Glück ist die Immunabwehr Mitteleuropas stärker.“ In Ungarn werden Denkmäler eingeweiht und nicht geschändet. Auf dem Foto: Premier Viktor Orbán am 6. Juni bei der Einweihung eines Trianon-Denkmals im ostungarischen Sátoraljaújhely. (Foto: MTI / Zsolt Czeglédi)

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Aufwachen!

Erneut wird weltweit versucht, die konservativen Kräfte in die Ecke zu drängen. Durch die derzeitigen Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus hat der Kulturkampf wieder an Fahrt aufgenommen. Auch in Europa verbreitet sich die gewaltbereite „woke“-Bewegung zunehmend.

Die englische Vergangenheitsform von „erwachen“ hat sich in den letzten Jahren zu einem Eigenschaftswort gemausert, das Personen zugeschrieben wird, die besonders wachsam gegenüber sozialer Ungerechtigkeit und insbesondere Rassismus sind.

Gefährlich dogmatisch und immer aggressiver

Diese Bewegung ist allerdings nicht liberal, sondern gefährlich dogmatisch und wird zudem von Tag zu Tag immer aggressiver. Unzählige Prominente und andere Personen des öffentlichen Lebens mussten bereits am eigenen Leib erfahren, wie es ist, plötzlich seinen Ruf als progressive Person zu verlieren und als „Nazi“ abgestempelt zu werden, nur weil man in den Augen seiner einstigen Gefährten nicht mehr mit den derzeit erwarteten Meinungen Schritt hält.

Die Begeisterung, Statuen zu stürzen, hat nun auch Europa ergriffen. Dabei geht es in erster Linie nicht um die Denkmäler selbst. Der britische Regierungschef Boris Johnson bemerkte kürzlich an, dass man die Vergangenheit weder umschreiben noch zensieren könne. Statuen zu verunstalten, dient jedoch genau diesem Zweck. Wie auch Johnson zugab, finden sich unter Winston Churchills Äußerungen gewiss auch solche, die heutzutage nicht mehr den geltenden Normen entsprächen.

Trotzdem kann man nicht bestreiten, dass ihm ein außerordentliches Verdienst beim Sieg über den Nationalsozialismus zukommt. Diejenigen, die jetzt Statuen von Churchill schänden, haben keine Ähnlichkeit mit den antifaschistischen Kämpfern von einst, sondern viel mehr mit jenen Leuten, die damals Bücher verbrannten.

Natürlich ist die Bewertung von historischen Persönlichkeiten und Ereignissen nicht in Stein gemeißelt und gibt es immer wieder Raum für Debatten. Die „erwachten“ Aktivisten gehören jedoch nicht zur einer Generation, die alles in Frage stellen will. Sie wollen nicht diskutieren, neu interpretieren und verstehen. Stattdessen wollen sie zensieren und zerstören. Es ist aber, wie auch Johnson betont, schädlich und gefährlich, wenn die Gesellschaft ihre Fähigkeit verliert, aus der Geschichte zu lernen oder gar frei zu denken und zu diskutieren.

Wahnsinn aus dem Westen

Wenn das Immunsystem der westlichen Gesellschaften nicht dagegen vorgeht, dann kann uns dieser „woke“-Geist in eine totale Dystopie treiben. In dieser wird es nicht dabei bleiben, alte Filme zu zensieren, die nach heutigen Maßstäben nicht politisch korrekt genug sind.

Zum Glück ist die Immunabwehr Mitteleuropas stärker. Bei uns stehen auch diejenigen, die sich selbst nicht als konservativ bezeichnen würden, diesem Wahnsinn aus dem Westen kritisch gegenüber.

Im Westen beeilen sich hingegen immer mehr Bürger, sich anzupassen, ihrer moralischen Pflicht nachzukommen und „Haltung zu zeigen“. Über die Plünderungen von Läden und die Gewaltorgien offen zu sprechen, trauen sich indessen immer weniger.

Der Gruppenzwang wächst. Um ihre Existenz, ihren Laden oder ihre Karriere bangende Menschen ducken sich ängstlich weg und machen der Woke-Bewegung damit den Weg frei, sich noch zerstörerischer aufzuführen.

In dieser brenzlichen Situation sollten aber auch Konservative Haltung zeigen. Auf keinen Fall sollten sie so agieren, wie der feige und profillose EVP-Mainstream, der mit seinem schier grenzenlosen Opportunismus nur dafür sorgt, letzte konservative Bastionen noch schneller von der politischen Landkarte zu tilgen.

Es wird einem schlecht, mit anzusehen, wie Donald Tusk, der Chef der stärksten Parteiallianz Europas, selbst in dieser Situation lieber unerschütterlich weiter gegen den Fidesz hetzt, anstatt sich endlich mit der überlebenswichtigen Diskussion über die zukünftigen Leitlinien der Volkspartei zu beschäftigen.

„Diejenigen, die jetzt Statuen von Churchill schänden, haben keine Ähnlichkeit mit den antifaschistischen Kämpfern von einst, sondern viel mehr mit jenen Leuten, die damals Bücher verbrannten.“

Wenn die Mittel auch verschieden sind, letztlich wollen sowohl die Denkmalzerstörer wie auch die Brüsseler Linken ihre Gegner einfach rücksichtslos zum Schweigen bringen. Wer versucht, ihre Gunst zu erwerben, den benutzen sie höchstens als „nützlichen Idioten“, den sie sofort fallenlassen, wenn sie ihn nicht mehr brauchen.

Die Herausforderungen sind derzeit enorm. Jetzt heißt es, mutig zu sein und nicht bei jedem Gegenwind sofort einzuknicken.

Aus dem Ungarischen von Anita Weber.

Der Artikel erschien am 16. Juni auf dem Portal der regierungsnahen Zeitung Magyar Hírlap.

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