Graf László Ede Almásy um 1945. Foto: Wikipedia

Graf László Almásy und seine Afrika-Bücher

Viel mehr, als „nur“ der Englische Patient!

Jüngst erschien in diesem Magazin ein Artikel über ein Parfüm, das an den Abenteurer, Edelmann und Afrika-Reisenden Antal Esterházy de Galantha erinnern soll. Im folgenden soll es nun um seinen Begleiter gehen, den Grafen László Ede Almásy.

Wie im ersten Artikel erwähnt, war Prinz Antal zusammen mit seinem Freund Graf Almásy zunächst per Schiff nach Alexandria und von dort mit dem eigens dafür umgerüsteten und mitgebrachten Steyr-Automobil bis in den Sudan gereist. Almásy, der den meisten Lesern vermutlich besser als „Der Englische Patient“ bekannt sein dürfte, hat diese Reise in seinem ersten Buch „Mit dem Automobil in den Sudan“ festgehalten, das wie seine folgenden Bücher von der Ungarischen Geographischen Gesellschaft herausgegeben wurde, um mit Reisebeschreibungen und Expeditionsberichten ungarischer wie ausländischer Entdecker die Jugend zu inspirieren.

Mit dem Automobil in den Sudan (1927)

Dieses erste Buch Almásys wurde damals nicht übersetzt – vermutlich weil es sich eben doch sehr auf das zwar noch sehr ungewöhnliche Reisen mit dem Automobil und die Jagd konzentrierte, aber eben eher einer klassischen Reisebeschreibung gleichkam. Wir erfahren vor allem, wie sehr diese erste Reise noch von glücklichen Zufällen abhing und der Protektion von höchsten Stellen. Ein Telegramm des richtigen Absenders öffnet Tür und Tor, sozusagen. Almásy beschreibt dort auch sehr eindrücklich, wie er die eine oder andere Panne zwar zu meistern verstand, aber auch darauf bedacht war, dass ihm Gleiches nicht noch einmal widerführe.

Nun hatte er – wie im ersten Kapitel beschrieben – einige Vorbereitungen getroffen, um das normale Straßenfahrzeug ein wenig „auf- und umzurüsten“, doch zeigte sich immer wieder, dass bestimmte Situationen nicht vorausgeahnt werden konnten, und immer wieder großes Improvisationstalent (und gutes Werkzeug) gefordert waren. So erwiesen sich beispielsweise die Maschendrahtrollen, die man mitgenommen hatte, um das Auto über Treibsand-Stellen zu bewegen, schon beim ersten Versuch als völlig ungeeignet und man musste auf schwere Holzplanken ausweichen. Und auch die etwa für den Kühler verwendeten, ledernen Treibriemen mussten ständig gefettet werden, um in der Trockenheit nicht spröde zu werden und zu reißen.

András Zboray, selbst Mitglied der Royal Geographical Society, hat nun im Jahr 2020 eine erste, englische Übersetzung herausgegeben, die zu lesen ich gerade jenen empfehlen möchte, die nur den eher „alten Hasen“ in Almásy kennen, als der er uns in seinen späteren Werken erscheint.

Unbekannte Sahara (1934)

Dieses zweite Buch der Serie, das die Ergebnisse mehrerer Expeditionen in die libysche Wüste zwischen 1929 und 1934 zusammenfasst, war es, das Michael Ondaatje zu seinem Roman „Der Englische Patient“ inspirierte. Es wurde vermutlich auch aufgrund des inzwischen deutlich größeren Bekanntheitsgrades Almásys schon 1939 ins Deutsche übersetzt, denn Almásy war inzwischen zum mehr oder minder „festen“ Bestandteil der internationalen Forschergemeinde geworden, die sich für diesen „letzten weißen Flecken“ der Erde, die libysche Wüste, interessierte und ihre Ergebnisse in Magazinen wie den Proceedings of the Royal Geographical Society oder Sudan Notes & Records publizierte.

Die deutsche Übersetzung wurde jedoch in einer Bearbeitung von Hansjoachim Esch bei F.A. Brockhaus in Leipzig herausgegeben und von diesem, wie er im Vorwort schreibt, durch eigene Übersetzungen der von Almásy zitierten arabischen Quellen oder weitere, hilfreiche Erläuterungen ergänzt, wobei aber versucht wurde, „den Stil lebhafter Erzählung [Almásys] beizubehalten“. Dieses Buch wiederum wurde 1997 vom Haymon-Verlag Innsbruck in erster und zweiter, verbesserter und ergänzter Auflage vom November 1997 unter dem Titel „Schwimmer in der Wüste“ herausgegeben.

Die „Urfassung“ von 1934 lesen Sie idealerweise auch in der englischen Übersetzung Zborays.

In der Luft… über den Sand… (1937)

Dieses letzte Buch Almásys in der Bibliothek der Ungarischen Geographischen Gesellschaft enthält verschiedene Episoden aus Almásys Forschungsreisen sowie eine Geschichte der Erforschung der libyschen Wüste und einen Anhang, in dem er sich für die „mangelnde“ Wissenschaftlichkeit seiner Ausführungen entschuldigt und auf andere Publikationen, zum Beispiel in Sudan Notes & Records (4/1930, 9/1935, 1/1936), im Geographical Journal (3/1930, 4/19346/1934, 3/1937) sowie auf sein Werk „Jüngste Entdeckungen in der Libyschen Wüste“ von 1936 verweist.

Er schließt mit einer sehr schönen, kritischen Beschreibung und Einordnung seiner Tätigkeiten zur Erschließung Ägyptens – und ist sich bewusst, manchmal mehr Zeit mit der Beschreibung der organisatorischen oder technischen Schwierigkeiten zu verbringen, als mit der Präsentation wissenschaftlicher Ergebnisse. Und so schließt er deshalb mit dem Fazit: „Ich möchte diese [genannten] Kritikpunkte der zu Hause gebliebenen auch im Namen meiner Forscherkollegen nicht zurückweisen. Die geologischen und archäologischen Sammlungen der Museen und die erstellten Karten Ägyptens sind jedoch Beweis genug für meinen bescheidenen Beitrag. Ich hätte diesen letzten großen ‚weißen Fleck‘ auf der Erde nicht durchqueren können, wäre ich nicht Rennfahrer und Pilot gewesen.“

Auch von diesem Buch gibt es nur die englische Übersetzung von András Zboray. Sie können diese als PDF sowie gegebenenfalls verfügbare ungarische Originale auf seiner Website www.fjexpeditions.com bestellen:

• Almásy-Bücher: www.fjexpe­ditions.com/frameset/almasybooks2.htm
• Verfügbare Erstausgaben: www.fjexpeditions.com/frameset/forsale.htm

Jüngste Entdeckungen in der Libyschen Wüste (1936)

Neben den drei oben genannten Büchern hatte Almásy bereits 1936 mit „Jüngste Entdeckungen in der Libyschen Wüste“ auch ein wissenschaftlich ausgerichtetes Buch in französischer Übersetzung bei der Königlichen Geographischen Gesellschaft Ägyptens herausgegeben. Ich hatte fast zehn Jahre lang auf all meinen Reisen durch Europa nach einem Exemplar gesucht und wurde am 16. Dezember 2002 in einem Tübinger Antiquariat fündig. Wie der Zufall es wollte, stammte das Buch aus dem Nachlass des berühmten Orientalisten Hans Alexander Winkler, der Almásy auf seinen Reisen im Ägypten der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts begegnet sein muss, um sich sein Buch persönlich signieren zu lassen.

Dieses Buch hat Almásy anders als bisher direkt in Englisch geschrieben, vermutlich damit es – wie aus der Einleitung deutlich wird – vom Sekretär der Königlichen Geographischen Gesellschaft Ägyptens ins Französische übersetzt werden konnte. Es fasst die Ereignisse um die Suche nach der verschollenen Oase Zarzura zusammen und wurde – ganz im Gegensatz zu den oben beschriebenen Büchern – in sehr kompakter Form und eher als eine Art Zusammenfassung des aktuellen Standes der Forschungen herausgegeben. Vielleicht geschah dies aber auch ganz einfach, um der Wiederholung ähnlich negativer Erfahrungen, wie um die Entdeckung der Felsbilder im Uweinat vorzubeugen.

Die englische Urfassung des Buches ist leider verschollen. Ich konnte das Buch daher nur auf Grund der französischen Übersetzung ins Deutsche übersetzen. Eine erste Übersetzung war 2007 vollendet. Da dieser Text dem Verleger und mir etwas zu sachlich und knapp erschien, habe ich noch fünf Auszüge aus Veröffentlichungen der Royal Geographical Society von 1927-1934 aus dem Englischen übersetzt, die den Inhalt abrunden und den Stand und die Stimmung der Forschungen in dieser Zwischenkriegszeit erahnen lassen sollten.

Sie wurden dem Buch dann ebenso beigefügt, wie eine Faksimile-Beigabe nebst Transkription der beiden Veröffentlichungen der Berliner Illustrierte Zeitung vom Februar 1928, die den bereits erwähnten Streit um die tatsächliche Entdeckung der Felsmalereien im Uweinat ausgelöst hatten. Das Ganze wurde dann endlich im März 2020 unter dem Titel Mythos Zarzura vom Münchener Verlag belleville herausgegeben.

Mit Rommels Korps in Libyen (1943)

Noch im Krieg verfasste Almásy dann ein weiteres, sein – wie sich herausstellen sollte – letztes Buch, das 1943 in Budapest erschien. Er beschreibt darin seine Erlebnisse als Hauptmann im Dienst der deutschen Wehrmacht, die ihn aufgrund seiner geographischen Kenntnisse beauftragt hatte, zwei Deutsche Spione nach Kairo zu „schmuggeln“. Da niemand damit rechnen würde, dass man dies ausgerechnet von Osten her und durch die libysche Wüste zu tun versuchen würde, ist es Almásy tatsächlich gelungen, seinen Auftrag auszuführen und unbeschadet zurückzukehren. Das Buch wurde im Jahr 2001 zunächst in Englisch, dann 2010 auch in Deutsch herausgegeben.

Was danach geschah…

Obgleich Almásy in Budapest nachweislich jüdischen Familien geholfen hatte, der Deportation durch die Nazis zu entgehen, geriet er nach dem Krieg – gerade wegen seines Buches über den Kampf in Libyen – vor ein russisches Kriegsgericht, und es war nur der Fürsprache einflussreicher Freunde wie etwa des berühmten ungarischen Orientalisten Gyula Germanus zu verdanken, dass er freigesprochen wurde.

Vermutlich durch die Intervention des britischen Geheimdienstes gelang ihm schließlich die Flucht aus Ungarn und über Österreich und Rom nach Kairo, wo er 1950 von König Faruk I. auf seinen letzten Posten zum Direktor des Ägyptischen Instituts für Wüstenforschung berufen wurde. 1951 erlag er während eines Aufenthaltes in Österreich den Folgen einer Amöbenruhr und wurde auf dem Salzburger Kommunalfriedhof begraben.

Mythos Zarzura (2020)

Alle Übersetzungen aus dem Franzö­sischen und aus dem Englischen von Klaus Kurre.
Herausgegeben im Verlag belleville von Michael Farin und Klaus Kurre.
208 Seiten, broschiert, 82 Fotos (davon 32 vierfarbig), 10 Karten, 24 Euro zzgl. Versand.
Bei Amazon oder direkt vom Übersetzer unter klaus@kurre.de, der Ihnen dann gerne Ihr Exemplar auf Wunsch signiert oder mit einer Widmung versieht.

Inhalt:
• Zu diesem Buch
• László Almásy: Jüngste Entdeckungen in der Libyschen Wüste

Anhänge:
• John Ball: Probleme der libyschen Wüste (1927, Auszug)
• Nowell Barnard de Lancey Forth: Das Zarzura-Problem (1930, Auszug)
• E.A. Johnson Pascha: Zarzura (1930)
• W.J. Harding King: Die ver­schollenen Oasen (1930)
• Richard Arnold Bermann: Historische Probleme der Libyschen Wüste (1934)
• Leo Frobenius: Der Ur-Nil entdeckt! (1934)
• Leo Frobenius: Die Menschen des Ur-Nils erzählen (1934)
• Weitere Karten und Fotos

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