Sonntagsfrage
Wahlen kein Treueschwur
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Nun haben die Sozialwissenschaftler des Forrás-Instituts („Quelle“) das Wählerverhalten hinsichtlich der Stimmverteilung untersucht. Ihr Fazit: Die Ungarn haben gelernt, dass Wahlen nicht als Treueschwur aufgefasst werden müssen und sie den Stimmzettel als strategisches Instrument nutzen können. Laut Erhebung könnten sich gleich 45% aller Wähler vorstellen, bei den Parlamentswahlen 2026 für eine andere Partei als jener des Wunschkandidaten im eigenen Wahlkreis zu stimmen. Unter den Anhängern der Tisza-Partei erreicht dieser Anteil sogar 53%, bei den Fidesz-Wählern nur 36%. Die Forscher bezeichnen es als Risiko für die großen Lager, dass noch immer 15% der Tisza-Wähler, aber auch 8% der Fidesz-Wähler unschlüssig sind, wen sie im Wahlkreis unterstützen wollen.
Im Übrigen sieht auch das Forrás-Institut die Tisza-Partei unter allen Wählern vorne, mit 39% vor Fidesz-KDNP, für die aktuell 32% stimmen würden. Die 5%-Hürde würde außerdem nur die rechte Mi Hazánk erreichen, die DK würde mit 4% knapp scheitern. Wo man das Institut verorten kann, wird vielleicht am ehesten daran erkennbar, dass neben der Satirepartei MKKP (3%) auch die Sozialisten bei 3% gemessen werden – bei allen anderen Meinungsforschungsinstituten ist die MSZP entweder gar nicht mehr zu erfassen oder steht bei max. 1%. Entsprechend stark fällt der Anteil jener Befragten aus (mit 24-28%), die dafür sind, dass DK, MSZP und MKKP eigene Kandidaten in den Wahlkreisen ins Rennen schicken sollen – was die Anhänger der Tisza-Partei zu 84% deshalb ablehnen, weil die Spaltung der Opposition den Fidesz begünstigen könnte.
