Museumsdirektor Szilárd Demeter musste einen Meinungsbeitrag zurückziehen, in dem er „Europa als Gaskammer von George Soros“ bezeichnete. Die Opposition fordert weiterhin seinen Rücktritt.   Foto: MTI/ Márton Mónus

Demeter-Skandal

„Ungarn und Polen stehen im Weg“

Die Opposition forderte auch am Montag im Parlament den Rücktritt des Direktors des Petőfi-Literaturmuseums (PIM). Das Regierungslager beanstandet derweil, die Linke würde mal wieder zweierlei Maß anwenden.
1. Dezember 2020 18:49

PIM-Direktor Szilárd Demeter hatte in einem in der Zwischenzeit gelöschten Meinungsbeitrag für das regierungsnahe Portal origo.hu am Samstag scharfe Worte gegen den US-Milliardär ungarischer Herkunft, George Soros, gefunden, der „auf einem globalen Schachbrett die Figuren zieht“.

„Giftiges Gas soll europäische Lebensform abtöten“

Im aktuellen Streit um das EU-Veto sei klar, Ungarn und Polen stünden Soros im Weg, Europa sei „die Gaskammer von Soros“, dessen „giftiges Gas aus der Kapsel der multikulturellen offenen Gesellschaft strömt, um die europäische Lebensform abzutöten“. Weil die Liberalen Ungarn und Polen aus der Gemeinschaft drängen wollen, bezeichnete Demeter die beiden Nationen als „die neuen Juden“. „Soros ist der liberale Führer, den seine Armeen verehren, wie einst Hitler die seinen“, schrieb der Museumsdirektor weiter.

Noch am Wochenende reagierte der PIM-Direktor auf die scharfe Kritik des jüdischen Glaubensverbandes Mazsihisz, der Holocaust dürfe sich nie wiederholen. Die von dem Spekulanten Soros geförderte illegale Einwanderung importiere jedoch einen neuen Antisemitismus, was die gehäuften Übergriffe auf Juden und Terroranschläge bezeugten. Demeter bekräftigte dabei seine These, heute seien alle Juden und Christen in Gefahr, die zu ihrer Lebensform stehen: „75 Jahre nach Auschwitz sind wir an einem Punkt angekommen, an dem der liberale Mainstream eine lupenreine Nazi-Logik betreibt. Das ist in der Tat inakzeptabel.“

Gegenseitige Antisemitismus-Vorwürfe

Besonders vehement zeigte sich in der Parlamentsdebatte am Montag mal wieder die oppositionelle DK, obgleich ganz andere Themen auf der Tagesordnung standen. Die Partei von Ex-Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány forderte, die Regierung sollte den PIM-Direktor Szilárd Demeter ablösen, weil sie andernfalls „gemeinsame Sache mit einem Antisemiten und offenen Nazi mache“. Vertreter anderer Oppositionsparteien fragten nach, wann die Regierung „die erforderliche Entscheidung“ in Verbindung mit Demeter treffen werde.

Weil der Adressat in der Fragestunde Finanzminister Mihály Varga war, reagierte dieser verständlich, es sei nicht seine Aufgabe, Finanzierungsfragen des Landes mit einem Zeitungsbeitrag zu vermengen. Varga hielt aber doch fest: Demeter habe seinen Artikel zurückgezogen und seine Facebook-Seite gelöscht, denn er habe den Fehler eingesehen, mit seinem Nazi-Vergleich das Andenken an die Opfer zu verletzen.

Der Minister warf der Opposition aber auch zweierlei Maß vor, denn ein Bürgermeister der Linken hätte am liebsten Adolf Hitler zum Mann des Jahres gekürt – ohne irgendwelche Konsequenzen. Ganz zu schweigen von der breiten Koalition hinter dem Jobbik-Politiker László Bíró, der als bekennender Nazi ins Parlament einziehen wollte.

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