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TI- Korruptionsindex 

Ungarn in der EU abgehängt

Laut der NGO Transparency International gehört Ungarn wie gehabt zu den korruptesten Staaten Europas. Mit 42 von 100 möglichen Punkten ist man zum zweiten Mal in Folge Schlusslicht in der EU, noch hinter Bulgarien und Rumänien.
31. Januar 2024 14:00

Laut dem von Transparency International (TI) erstellten Corruption Perception Index (CPI) liegt Ungarn in Bezug auf Korruption weiterhin auf dem letzten Platz unter den EU-Mitgliedstaaten. Unter 180 Ländern der Welt reicht es noch für einen geteilten 76. Platz. In Europa liegen nur mehr Staaten wie Serbien oder die Ukraine deutlich hinter Ungarn.

Seit 2012 dreißig Plätze tiefer

Seit 2012 hat Ungarn im internationalen Vergleich 13 Punkte bzw. 30 Plätze eingebüßt. Im früheren Ostblock hat sich die TI-Einschätzung daneben nur in Polen und Slowenien verschlechtert, wohingegen die baltischen Staaten, Tschechien und die Slowakei markante Fortschritte bei der Bekämpfung der Korruption verzeichnen konnten. Aktuell befindet sich Ungarn laut TI-Urteil auf einer Stufe mit China, Kuba und Moldau. Der CPI für Österreich steht bei 71 Punkten, für Deutschland bei 78 Punkten.

TI empfiehlt deshalb der Regierung, ihre Anstrengungen im Kampf gegen Korruption zu verstärken, bzw. die Institutionen des Rechtsstaats sowie die Kontrollmechanismen zu stärken. Der Bericht hält Transparenz und Rechenschaftspflicht im Bereich staatlicher Maßnahmen für wichtig und betont die Bedeutung des gesellschaftlichen Dialogs für eine nachhaltige Entwicklung.

Ambivalente Haltung der Gesellschaft

Das Land erleide durch staatliche Korruption schwere wirtschaftliche Schäden. Obwohl Wirtschaftsindikatoren wie das BIP oder die Investitionsquoten scheinbar positiv sind, erreicht die Wirtschaftsleistung nicht ihr Potenzial. Korruption trägt somit direkt zu wirtschaftlicher Ungleichheit und sozialer Ausgrenzung bei. Obgleich es sich um ein ernstes Problem mit schwerwiegenden wirtschaftlichen und sozialen Folgen handelt, zeigt sich in der Gesellschaft dennoch eine ambivalente Haltung zu diesem Thema. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sieht Korruption als ernstzunehmendes Problem an, dennoch tolerieren oder akzeptieren viele diese noch immer.

Die Spitzengruppe beim Korruptionsindex von TI und das breite Mittelfeld mit einem Ungarn, das sich in illustrer Gesellschaft von China und Kuba befindet.

16 Antworten auf “Ungarn in der EU abgehängt

  1. Weiß jemand, wer TI finanziert? Wer die Fragen zusammenstellt, wer und wen fragt, wie werden die Antworten von wem ausgewertet. Nach der deutschen Wirtschaftsdienst kann man Korruption objektiv gar nicht dingfest machen.

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  2. Dieses Ranking ist keinen Pfifferling wert. Transparency International wird zu 90% vom Westen und dortigen NGOs finanziert, auch solchen von Soros, die Ungarn feindlich gesinnt sind. Die definieren dann natürlich recht frei, was unter Korruption fällt, sodass gerne Länder, die nicht pro-westlich, pro-EU etc. sind, besonders schlecht dargestellt werden. Es gibt hierzu einen interessanten Hintergrundartikel auf anti-spiegel, der die Finanzierung unter die Lupe nimmt.

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  3. Transparency International e. V. (TI) ist eine 1993 gegründete internationale Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Berlin. Sie ist eine Dachorganisation, die sich in weitere nationale Organisationen gliedert. Ziel der Organisation ist die weltweite Bekämpfung der Korruption sowie die Prävention von Straftaten im Zusammenhang mit Korruption.

    Yuliya V. Tverdova wies in einer vergleichenden Studie auf Fehlinterpretationen des CPI durch TI-Experten hin und charakterisierte den CPI als subjektiv.

    Die Journalisten David Schraven und Frederik Richter warfen TI 2015 intransparente Buchführung bei einer öffentlich geförderten Antikorruptionskonferenz in Brasilien vor. Sponsorengelder würden an den Büchern vorbeigeschleust und “indirekte Kosten” nicht ausgewiesen. Die Organisation bemühe sich auch um Spenden von Unternehmen wie dem Ölkonzern Eni oder der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers.

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    1. Grundsätzlich wird auch kritisiert, dass TI zusätzlich von Staaten und Unternehmen finanziert wird. Marvin Oppong (Der Spiegel) äußerte sich 2009 besonders kritisch über die langjährige Finanzierung durch die GTZ und das deutsche Entwicklungsministerium. Die Finanzierung, so Oppong, stamme zu einem großen Teil aus Spenden von Großkonzernen wie den US-Rüstungskonzernen Lockheed Martin und Northrop Grumman sowie Shell und ExxonMobil. Einzelne TI-Mitglieder sind auch für Unternehmen tätig, so etwa das Vorstandsmitglied Caspar von Hauenschild im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG oder Sylvia Schenk als Anwältin für den Finanzinvestor Advent International.

      Zudem können Regierungen für viel Geld die inhaltliche Ausrichtung der IACC-Tagung mitbestimmen. Zuletzt war dies die Regierung Malaysias, deren Regierungschef ansonsten wegen Korruption besonders in der Kritik steht.

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      1. Die Validität und Verlässlichkeit der Datenbasis von Korruptionsindizes wird von verschiedenen Wissenschaftlern angezweifelt. Unter anderem wird bezweifelt, dass von der tatsächlich erlebten Korruption (predictor) auf die Wahrnehmung der berichteten Korruption (outcome) geschlossen werden kann. Zudem spiegele die Wahrnehmung (insbesondere durch externe Experten) nicht die tatsächliche Korruption wider bzw. werde von externen Einflussfaktoren wie der konjunkturellen Entwicklung (und nicht nur von der Korruption selbst) beeinflusst. Darüber hinaus stünden in sogenannten Schwellenregionen die von externen Experten durchgeführten Untersuchungen zur Korruption nicht im Einklang mit den Erfahrungen und Wahrnehmungen der lokalen Bevölkerung.

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        1. Für die Region Europa fand Charron 2016 eine hohe Übereinstimmung zwischen der Korruptionswahrnehmung externer Experten und der lokalen Bevölkerung. Dies spricht für die Validität der von Korruptionsindizes verwendeten Daten. Als einen möglichen Grund, warum seine Studie zu anderen Ergebnissen kommt als frühere Forscher, nennt Charron, dass die Diskrepanz in der Korruptionswahrnehmung zwischen externen Experten und der lokalen Bevölkerung umso geringer ist, je höher der Entwicklungsstand eines Landes ist. Europäische Länder sind in der Regel höher entwickelt, daher ist die Diskrepanz gering und die Übereinstimmung hoch. Als weiteren möglichen Grund nennt Charron das bessere Wissen über die tatsächlich vorherrschende Korruption in Europa. In ärmeren, tendenziell korrupteren Ländern könnte Korruption als so normal angesehen werden, dass sie seltener gemeldet wird. Eine weitere Erklärung ist, dass es in Europa mehr Experten mit ausreichendem Wissen gibt als in Entwicklungsländern. Höheres Expertenwissen führt demnach zu aussagekräftigeren Untersuchungen.

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          1. Hier die ungarische Abteilung, die für Ungarn verantwortlich ist (Originalseite übersetzt):

            JÓZSEF PÉTER MARTIN – EXECUTIVE DIRECTOR

            József ist seit 2013 geschäftsführender Direktor von Transparency International (TI) Ungarn. Er berichtet an den Vorstand und ist für die Aktivitäten von TI Ungarn verantwortlich. Er vertritt die Organisation bei anderen Interessengruppen und in den Medien.

            Er ist ausgebildeter Wirtschaftswissenschaftler und Soziologe und hat an der Corvinus-Universität Budapest (CUB) promoviert. Er studierte auch in Belgien und in den Niederlanden. Derzeit ist József Senior Lecturer an der Abteilung für öffentliche Politik der CUB und hält Kurse über Korruptionsanalyse, Institutionenökonomie und politische Ökonomie.

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            1. Er begann seine Karriere als Journalist bei verschiedenen Wirtschaftszeitungen. Zwischen 2003 und 2009 war József Chefredakteur von Figyelő, einer ehemaligen ungarischen Wirtschafts- und Geschäftswochenzeitung, und gewann mit seinem Team den Pulitzer-Gedächtnispreis. Nach Jahren im Journalismus arbeitete er zwischen 2010 und 2013 als Berater und Analyst im Auftrag mehrerer nationaler und internationaler Institutionen. Im Jahr 2019 wurde er von Transparency International UK als Forschungsdirektor abgestellt.

              Seit zwei Jahrzehnten liefert er regelmäßig Beiträge für ungarische und internationale Medien. Er ist Autor von zwei Dutzend wissenschaftlichen Publikationen und Mitautor eines Buches. Sein Hauptforschungsinteresse gilt dem Zusammenspiel von Korruption, Institutionen und wirtschaftlicher Leistung.

              Er ist ungarischer Muttersprachler und spricht Englisch, Französisch und Russisch.

              https://transparency.hu/en/about-us/staff/

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              1. Wer wissen will, wie sich TI Hungary finanziert, kann es hier nachlesen. Die einzelnen Abteilungen agieren dabei selbständig, ohne zentrale Vorgaben oder Einmischungen aus Berlin (nur Dachverband).

                Wie der Begriff Dachverband schon aussagt, handelt es sich dabei um eine Art gemeinsame internationale Interessenvertretung. Für die Ergebnisse ist der ungarische Verband alleine verantwortlich.

                Hier der Link (ab Seite 11 steht etwas zu den Einnahmen – leider nur bis 2017):

                https://transparency.hu/wp-content/uploads/2018/11/Financial-summary-2017.pdf

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  4. Wie so oft kommt es nur darauf an, die richtigen Fragen zu stellen!
    Deshalb mein Dank an @Eva Westermann!

    Wer finanziert Transparency? Das ist genau die richtige Frage, die @Andreas S hier bereits z.T. beantwortet hat. Damit wird es auch schon schwieriger, davon auszugehen, dass Transparency eine unabhängige Organisation sei, die nach objektiven Standards urteilt.
    Tatsächlich drängt sich eher der Verdacht auf, Transparency sei ein Machtinstrument von Oligarchen, um Gegner der eigenen Agenda, bei der es i.d.R. um Macht und Geld geht, zu diskreditieren und auszuschalten.

    Aber es ist schlimmer. Wer erfahren möchte, wie Transparency den sogenannten Korruptionsindex (CPI) berechnet, sollte sich auf einiges gefasst machen…
    https://www.anti-spiegel.ru/2023/wer-finanziert-das-ranking-von-transparency-international/

    Alle unter den Link gezeigten Fakten, werden durch Unterlagen von Transparency’s Webseite belegt.

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      1. DieseCorrektiv ist schön auf die Schnauze gefallen. Es wurden illegal Wanzen bei dem privaten Treffen vermutlich mit Wissen des Verfassungschutzes installiert. Super Demokratie! Herr Maaßen ist als Rechtsextrem geführt.
        Ich würde mich nicht wundern, wenn mehr Deutsche nach Ungarn ziehen würden .

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  5. Dann können wir feststellen. TI ergebnisse sind in Großteil Manipulationen. Der größte Korruptions Skandal war bis heute Metro in Zeit der szdsz- Bürgermeister, und jetzt Kettenbrucke Korruption bahnt sich an. Die ausländische Investoren haben über Ungarn gute Meinung, sonst totz Druck aus Brüssel, wurden sie nicht investieren. Die Meisten, die Korruption rufen können von der Millieu kommen, die unter Gyurcsany alle “Tender ” gewonnen habe . Ich verstehe nicht, warum der Opposition so wehement gegen die Korruption Behörde protestiert?

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