Was die Anhänger der Opposition – hier Teilnehmer der Tisza-Kundgebung in Kötcse – eint: Sie wollen allesamt ein Ende der Orbán-Regierung 2026. Foto: MTI/ Zsolt Szigetvári

Reaktionen auf Kötcse

„Show zum Selbstzweck“

Nach dem Schlagabtausch zwischen Fidesz und Tisza blieb den anderen Oppositionsparteien nichts weiter übrig, als die Reden vom Sonntag zu kommentieren.
9. September 2025 15:40

„Viktor Orbán und Péter Magyar haben in Kötcse versucht, einander zu übertönen“, meinte der Vorsitzende der Mi Hazánk, László Toroczkai. Dabei hätten sie jedoch versäumt zu verraten, wie eine echte wirtschaftspolitische Wende aussehen soll. Die Show der beiden großen Parteien diene dem Selbstzweck, tatsächlich können und wollen sie gar keine grundlegenden Veränderungen. Die rechte Mi Hazánk wiederum habe konkrete Pläne, den ländlichen Raum zu stärken und gegen Kriminalität in all ihren Formen – vom kleinen Dieb bis zum Milliardär im Streifenanzug – vorzugehen. Keine andere Partei trete ähnlich entschlossen gegen Korruption auf. Man wolle zudem ein Programm zum Bau von Sozialwohnungen auf den Weg bringen, die langfristig das Eigentum der Mieter werden könnten.

Hoffentlich der letzte „Picknick-Plausch“

„Gewinner des Orbán-Plans von Kötcse werden mal wieder nicht die Ungarn sein“, meinte die Jobbik. Die Mitterechtspartei mokierte sich über die globalen Ausführungen des Ministerpräsidenten, die sicher ein eigenes Programm im Fidesz-PR-TV verdient hätten, weshalb aber das Leben der einfachen Menschen auch 2026 nicht besser wird. Während Orbán mit jeder neuen Zweidrittelmehrheit das Land zunehmend nach seinem Geschmack formte, entfernte sich Ungarn immer weiter vom Standard des europäischen Lebensniveaus.

Die Sozialisten widersprachen der Behauptung des Ministerpräsidenten, die Parlamentswahlen 2026 würden vom Vertrauen handeln: nach ihrer Sichtweise geht es um die materielle Existenz und Sicherheit der Menschen. Die MSZP weist auch die Selbstbeweihräucherung in Sachen arbeitsbasierter Gesellschaft zurück, denn in Wirklichkeit schütze der Fidesz das Großkapital gegen die Interessen der arbeitenden Massen. Der Standardsatz der Einkommensteuer begünstigt die Reichen, die ärmsten Familien werden sogar von den Familienzuschüssen ausgeschlossen. Der MSZP-Vorsitzende Imre Komjáthi erklärte: „Das ist keine Vision einer besseren Zukunft, das ist ein Status quo, der auf niedrigen Löhnen, schwachen öffentlichen Dienstleistungen und einer unberechenbaren Außenpolitik aufbaut.“

Für die Radikallinken der Párbeszéd hat der Ministerpräsident am Sonntag geradewegs Europa verraten. Würde man die Rede von ihren schwammigen Phrasen befreien, die Orbán für politikphilosophisch hält, bliebe gähnende Leere, meinte der Co-Vorsitzende Richárd Barabás. In einem europafeindlichen Stil wurde die Realität verzerrt, während nichts von den wahren Zuständen Ungarns zu hören war, das der Orbán-Clan auf die eigene Art „privatisiert“. Der Parteikollege des Budapester OB Gergely Karácsony hoffte, dieser „Picknick-Plausch“ war hoffentlich der letzte dortige Auftritt des Ministerpräsidenten in diesem Amt.

Spott von den Linksliberalen

Von einem Kauderwelsch der Prophezeiungen sprach die DK. „In den letzten Jahren hat Orbán schon fünf Mal Brüssel eingenommen, drei Mal haben die Russen gewonnen und die Rechtsextremen sind angeblich in Europa an der Macht – wie lächerlich“, spottete die Vorsitzende der Linksliberalen, Klára Dobrev. Leider hätten die Ungarn darunter zu leiden, dass ihr Ministerpräsident offen gegen die EU wettert. „Die Wahrheit ist, dass Ungarn nach 15 Jahren Fidesz zu den ärmsten Ländern in der Gemeinschaft gehört. Alles andere ist dummes Geschwafel.“

Schließlich kommentierte auch Péter Magyar die Rede des Ministerpräsidenten, die er als Fieberfantasie eines wegen des drohenden Machtverlusts zitternden Kaisers beschrieb. „Viktor Orbán hat einmal mehr bewiesen, dass er die Probleme der einfachen Menschen nicht versteht und sich auch gar nicht damit befassen will.“ Der vermeintliche Herausforderer bei den Wahlen 2026 zog eine Parallele zwischen Orbán, dem er einen Kontrollverlust unterstellte, und Joe Biden, indem er die Frage aufwarf, ob der Fidesz den Ministerpräsidenten am Ende noch aus der Schusslinie nimmt oder aber seinem Schicksal überlässt.

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