Budapest, 2022. március 16. A Diákok a tanárokért elnevezésű szolidaritási menet résztvevői Budapesten, a Kossuth téren 2022. március 16-án. MTI/Koszticsák Szilárd Foto: MTI/ Szilárd Koszticsák

Lehrerstreik

Schüler zeigen sich solidarisch

Am Mittwoch begannen die Lehrer an den Schulen, für unbefristete Zeit zu streiken.

In mehreren hundert Schulen legten die Pädagogen ihre Arbeit nieder, die in den nächsten Tagen höchstens einen Teil ihres Unterrichts abhalten werden. Sie wurden bei Solidaritätskundgebungen von ihren Schülern und deren Eltern sowie den Gewerkschaften unterstützt.

Es gab Schulen, an denen wegen der restriktiven Streikverordnung vom Februar anstelle des Streiks Aktionen des zivilen Ungehorsams erfolgten. Die Lehrer suchen trotz Streikverbots kreativ nach Möglichkeit, ihrem Protest Ausdruck zu verleihen. Die Gewerkschaften seien unabhängig von der gewählten Lösung zuversichtlich, dass der Streik allen Zwängen zum Trotz sichtbar sein wird. Teilweise wurde das Ziel bereits erreicht, denn es sei gelungen, die Probleme des Bildungswesens zur Sprache zu bringen und dafür zu sorgen, dass die Politik die Sache der Lehrer nicht unter den Teppich kehrt. Die Gewerkschaften der Pädagogen streben Lohnerhöhungen und eine Verringerung der Arbeitsbelastung an.

Die staatliche Schulzentrale versuchte bis zum letzten Augenblick, Druck auf die Schuldirektoren auszuüben und den Streik landesweit zu verhindern, meinte die Gewerkschaft PDSZ.

Foto: MTI/ Szilárd Koszticsák

In Budapest versammelten sich am Mittwoch tausende Schüler am Kossuth tér, Fővám tér, am Heldenplatz und am Széll Kálmán tér zu einer „Demonstration für unsere Lehrer“. Auch in Székesfehérvár, Pécs und Szeged erfolgten derartige Solidaritätsaktionen. Die Schüler hielten Transparente mit Aufschriften wie „Streik ist ein Grundrecht“, „Mehr Lohn für Lehrer“, „Wir wollen lernen, doch wer wird uns lehren?“, „Für eine schönere Zukunft“  sowie „Wir halten zu den Lehrern“ hoch.

Die Lehrkräfte hatten bereits am 31. Januar einen Warnstreik abgehalten, an dem sich über 20.000 Mitarbeiter des Bildungswesens beteiligten. Am Mittwoch nahmen ca. 15.000 Pädagogen ihre Arbeit nicht auf.

Gulyás: Nicht die Zeit für Streiks

Kanzleramtsminister Gergely Gulyás dankte den Pädagogen, die sich nicht am Streik beteiligten. Die Forderungen der Lehrer seien berechtigt, damit könne sich auch die Regierung identifizieren. Dies sei eine der wichtigen Aufgaben in der nächsten Regierungsperiode. 87% der Lehrer seien der Auffassung, dass jetzt, da im Nachbarland ein Krieg ausgebrochen ist, nicht die Zeit für einen Streik ist. So müssen die Schulen jetzt auch für Kinder sorgen, die aus der Ukraine nach Ungarn geflüchtet sind. Deswegen sei es wichtig, die normale Unterrichtsordnung aufrechtzuerhalten. Zudem stellte die Corona-Pandemie in den vergangenen zwei Jahren eine außerordentliche Herausforderung dar. Einschließlich Kindergarten- und Berufsschulpädagogen hätten  sich weniger als 10% der Lehrer am Streik beteiligt.

Opposition: Pädagogen am Rand einer Existenzkrise

Laut Opposition hat die Regierung die Pädagogen nicht nur finanziell und moralisch gedemütigt, sondern praktisch auch an den Rand einer Existenzkrise gedrückt. DK-Fraktionsvize Gergely Arató erklärte auf einer Online-Pressekonferenz, die Regierung habe mit Drohungen und Lohnkürzungen versucht, die Lehrer an ihrem Streik zu hindern, mit dem diese auf die unhaltbaren Zustände an den Schulen aufmerksam machen wollen. Sollte die Opposition nach den Parlamentswahlen eine Regierung bilden können, werde sie die Löhne der Pädagogen um mindestens 50% anheben, die Freiheit der Lehrbuchwahl wiederherstellen und die Bildungsobhut wieder an die lokalen Gemeinschaften geben.

7 Antworten auf “Schüler zeigen sich solidarisch

    1. Finde ich auch, es wurde aber auch höchste Zeit! Ich habe Bekannte und gute Freunde, die Lehrer an Gymnasien sind. Wenn ich sie in den vergangenen Jahren fragte, warum ihre Schüler nicht für sie aufstehen, wussten sie nicht so recht die Antwort. (In Ungarn werden Unter-18-Jährige noch sehr konservativ als “Kinder” betrachtet.)

      1. Die Jugendlichen zeigen auch einen bemerkenswerten Weitblick und ein Verständnis für Zusammenhänge, wenn ihnen klar ist, dass die Attraktivität des Lehrerberufes eine erhebliche Auswirkung auf die Qualität ihrer Bildung hat.

  1. Seit einigen Jahren werden Jugendliche für politische Ziele mißbraucht. Sehe FFF in DD.
    Wie sieht es mit
    Strike der Lehrern in DD aus?
    Ja, die Lehrer verdienen nicht viel.
    Sicherlich kommen die weitere Gehaltserhöhungen bald. Ausgerechnet JETZT geht es aber um etwas anderes.

    1. In Deutschland gibt es den Beamtenstatus, den Ungarn nicht bietet.
      Die große Mehrheit der Lehrer ist verbeamtet.
      Die deutschen Lehrer gehören übrigens zu den bestbezahltesten in Europa.

      Und gerade jetzt ist eben die Zeit für Streiks um angemessene Bezahlung. Die ungarische Regierung hat den Ungarn die höchste Inflation in der EU gebracht. Und dann nimmt die Fidesz-Regierung den Lehrern auch noch faktisch ihr Streikrecht.

      Die ungarischen Jugendlichen zeigen eine beeindruckende Reife, wenn sie derart für ihre Bildung eintreten.

  2. Fake News. Nein, nicht, dass die Lehrer nicht gut verdienen. Sondern, dass es do große Strikes gibt. Wo ich nachgefragt hatte, lief der Tag, wie immer.Was Deutschland angeht.
    Dort haben auch kein großes Ansehen.
    Und die Pisa Ergebnissen sind such nicht in GLEICHKLANG der Gehälter. Immer mehr Kinder gehen in die Katholische Schulen und in Internate.

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