Ein außerordentlicher Kongress der Lehrergewerkschaft PDSZ forderte am Wochenende den Rücktritt von Innenminister Sándor Pintér. (Das Foto zeigt eine frühere Demo der Lehrer vor dem Parlament.) Foto: Sozialmedien/ PDSZ

Lehrerproteste:

„Pintér ist vollkommen ungeeignet“

Die Pädagogen erhalten ab Januar mehr Geld, aber nur in Form von Zuschlägen auf ihr unverändertes Gehalt. Im Gesundheitswesen korrigiert die Regierung die Bezüge deutlicher.
19. Dezember 2022 12:25

Eine Regierungsverordnung hebt die „fachlichen Zuschläge“ von rund 143.000 Pädagogen in Kindergärten und Schulen ab 1. Januar von bislang 20% auf 32% an. Damit steigen die Bezüge der Pädagogen letztlich um 10%. Das liberale Nachrichtenportal telex.hu merkt dazu an, einer der Hauptkritikpunkte der Gewerkschaften an der Lohnpolitik der Orbán-Regierung bestehe darin, dass sich der Basisbetrag für das Grundgehalt von Lehrern seit 2014 nicht verändert hat. Damals wurde dieser zum Beginn eines sog. Karrieremodells mit 101.500 Forint festgelegt.

Minister will Polizeipraxis anwenden

Am Freitag lud Innenminister Sándor Pintér zu einer Konsultation mit fast 400 Teilnehmern von Schulen aus dem ganzen Land. Das Treffen dauerte fünf (!) Stunden, wurde aber von vielen Beteiligten nicht als konstruktive Beratung angesehen, weil der Minister auf alle angesprochenen Probleme mit der Standardfloskel reagierte, diese seien nicht existent. Allerdings versprach der Apparat (u. a. vertreten durch die Staatssekretäre Bence Rétvári und Zoltán Maruzsa sowie die Leiter der Schulbehörden), auf alle schriftlich eingereichten Vorschläge zur Verbesserung der Umstände im Bildungswesen in naher Zukunft eingehen zu wollen. Nach Informationen des Nachrichtenportals index.hu schockierte die Gewerkschaften am Vortrag des Innenministers, dass dieser den Lehrern bewährte Praxisbeispiele von der Polizei präsentierte. Bildungsstaatssekretär Zoltán Maruzsa meinte zudem, der Lehrermangel sei kein gravierendes Problem.

Spannungen auch im Gesundheitswesen

Unterdessen berichtet die linke Tageszeitung „Népszava“ von einer Vorlage des Gesundheitsstaatssekretärs Péter Takács, die wahrscheinlich auf der letzten Regierungssitzung dieses Jahres behandelt wird. Demnach sollen die Gehälter der Fachkräfte im Gesundheitswesen in Abhängigkeit von ihrer Qualifikation in zwei Stufen Anfang 2023 und 2024 um insgesamt 32-55% angehoben werden. Die Gewerkschaften hatten auf eine Gehaltskorrektur gedrängt, ohne die der Abstand der betreffenden Bezüge zu jenen von Ärzten dramatische Ausmaße annimmt: Ab 2023 droht der Anteil unter ein Viertel zu sinken.

Während die Gehaltsanpassung der Lehrer knapp 68 Mrd. Forint kosten soll, dürfte die Korrektur der Bezüge für Fachkräfte im Gesundheitswesen 180-200 Mrd. Forint verschlingen.

Die Gewerkschaft PDSZ hat auf einem außerordentlichen Kongress am Wochenende die „Konsultation“ ausgewertet und im Ergebnis dessen den Rücktritt von Innenminister Sándor Pintér gefordert. In einem Offenen Brief an den Minister heißt es, er sei in Fragen des Bildungswesens vollkommen unbefleckt und ungeeignet, diese Position weiter auszuüben.

4 Antworten auf “„Pintér ist vollkommen ungeeignet“

  1. Pintér ist für Ungarn untragbar. Außerdem hat jeder moderne und kluge Staat ein Bildungsministerium, damit nicht Polizisten den Pädagogen erzählen, wie man Menschen erzieht und bildet. Aber leider bewegt sich der Diskurs um besserer Schulen und mehr Lehrer auf diesem Niveau.

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  2. Lieber DR, ich glaube nicht, dass Pintér das Inhalt bestimmen will.
    Nach EU Statiszta gibt es in Ungarn auf 10.8 Kinder 1 Lehrer in Unterstufe. In Frankreich 18, in Deutschland 16. Luxemburg die Wenigsten 9.
    Nachdem gibt es VERMUTLICH organisatorische Problema in Ungarn, nicht aber wenig Lehrer. Ich nehme an, dieses will er ändern.
    In dem Öffentlichen Dienst in Deutschland laufen die Gehaltbesprechungen auch in Deutschland mit der Federführung des Innenministers .

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  3. Inzwischen über 100.000 Fragebogen kam bez Schule von Eltern zurück. Was gut und was nicht.
    Die Auswertung läuft.
    Bis heute steht Dich fest, dass die Eltern das größte Problem die Kinder in der Klassen finden, die sich nicht benehmen können oder wollen und damit das Unterricht, Lehrer und Schüler stören.

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