Péter Magyar
Péter Magyar gab die Gründung der Bewegung „Steht auf, Ungarn!“ bekannt, die er zur gegebenen Zeit in eine politische Partei umwandeln möchte. Foto: MTI/ Zoltán Balogh

Nationalfeiertag / Alternative Bewegung TMK von Péter Magyar

Ein Fidesz-Insider für die neue Mitte

Die meisten Zuhörer bei den Reden zum Nationalfeiertag hatte nicht der Ministerpräsident oder Vertreter der Oppositionsparteien, sondern ein Neueinsteiger in der Politik.

Der Jurist Péter Magyar rief die neue Oppositionsbewegung „Steht auf, Ungarn!“ (TMK) ins Leben. Vor einem Monat hatte der – seitdem zurückgetretene – leitende Repräsentant staatlicher Gesellschaften ausgepackt, nachdem sich seine Ex-Frau, die vormalige Justizministerin Judit Varga, in Verbindung mit dem Begnadigungsskandal vollständig aus dem politischen Leben zurückgezogen hatte. Magyar sah nun die Gelegenheit, mit dem Orbán-System abzurechnen. Am Revolutionsfeiertag des 15. März waren auf seine politische Ansprache auf der Andrássy út mehr Bürger gespannt, als alle anderen Oppositionsführer hinter sich scharen konnten – sogar die mehreren zehntausend Zuhörer von Ministerpräsident Viktor Orbán am Nationalmuseum übertraf die neugierige Menge.

„Steht auf, Ungarn!“

Magyar gab die Gründung der Bewegung „Steht auf, Ungarn!“ bekannt, die er zur gegebenen Zeit in eine politische Partei umwandeln möchte. Seine Zuhörer verglich er mit den Revolutionären von 1848, denn auch heute wieder wollten die Menschen große Veränderungen. Ungarn werde von einer kleinen Gruppe regierungsnaher Oligarchen geführt, die bei der Verwendung der EU-Gelder nicht die Interessen des Landes vor Augen hätten, sondern sich nur persönlich bereichern wollen. Aber selbst wenn der Fidesz die Demokratie abbaue, bleibe Hoffnung für die Ungarn, die Regierungspartei bei Wahlen abzulösen – das wolle er mit seiner Formation der Mitte, jenseits der heute so typischen Grabenkämpfe, künftig anstreben.

Zu seinen Forderungen gehört eine Reformierung des „preußischen“ Bildungswesens, um die Kinder für das Leben zu rüsten. Ein höheres Niveau von Bildungs- und Gesundheitswesen sei schon allein mittels Umlenkung jener „utopischen“ Beträge denkbar, die der Fidesz für seine Regierungs-PR verheizt. Eindeutig von den Linken grenzte sich Magyar in Bezug auf die EU-Gelder ab. Es gehe nicht an, den Geldfluss für Ungarn in Brüssel zu blockieren, vielmehr müsse die Verwendung der Fördermittel vernünftig besser kontrolliert werden. Dazu gehöre auch der Beitritt Ungarns zur Europäischen Staatsanwaltschaft (EUStA).

Kein Messias, aber…

Der frühere Spitzenkandidat des Oppositionsbündnisses und Chef der bürgerlichen MMN, Péter Márki-Zay, hat sich unmittelbar nach der Großkundgebung von Péter Magyar hinter dessen neue Bewegung gestellt. Er sieht in der Zuhörerschaft viele enttäuschte Fidesz-Wähler und glaubt, sowohl der Fidesz als auch die (linke) Opposition müsse zurecht fürchten, Stimmen an die TMK zu verlieren.

Márki-Zay hält Péter Magyar im Gegensatz zu so manchen Wählern nicht für einen „Messias“, hofft jedoch, dass die neue Bewegung die Bürger endlich aus ihrer Apathie aufrüttelt. Insbesondere im Fidesz-Lager sei ein Magyar deshalb glaubwürdig, weil seine Ex-Frau als Justizministerin tiefste Einblicke in die Strukturen des Orbán-Systems besaß. Noch unklar ist, wie sich die Volkspartei „Ungarn für alle“ (MMN) des Oberbürgermeisters von Hódmezővásárhely zur TMK verhält: Gerade erst hatte Péter Márki-Zay angekündigt, die MMN strebe zwei Mandate im nächsten Europaparlament an.

Zehntausende waren neugierig auf die neue Bewegung. Foto: Sozialmedien/ Péter Magyar

7 Antworten auf “Ein Fidesz-Insider für die neue Mitte

  1. Man kann nur abwarten, was da am Ende herauskommt. Es haben schon viele zum großen Sprung angesetzt und sind am Ende doch über ihre eigenen Füße gestolpert. Es ist noch zu früh, darüber zu spekulieren. Wenn er klug handelt und auch das notwendige Glück hat, wird er keine Eintagsfliege bleiben.

    3
    1
  2. Magyar wusste schon in dem letzten Jahr, dass eine oder andere seinen Einnahmequellen nicht verlängert und/oder aufgekündigt werden. Also VOR dem Zurücktreten seiner geschiedenen Frau.
    Man wusste also, dass “er auf etwas sich vorbereitet”
    Bayer Zsolt -wenn er über Politik schreibt, nützt er ziemlich drastische Wörter, zum Glück schreibt er viel über Literatur und Philosophy auch). “wenn man aus einem Nest ausfliegt, sch…t nicht trotzdem in den Nest.
    So ist es.

    2
    0
  3. Die Nachrichten kulminieren sich. Magyar spionierte mit geheime Aufnahmen seinen besten Freund und Frau, er war vermutlich auch handgreiflich gegen Frau und so weiter. Wenn jemand so etwas tut, wird hoffentlich nicht viel Anhänger haben. Jetzt sind sie neugierig. Es ist bemerkenswert, dass nur LINKE Politiker, Journalisten, Künstler in seinem Schlepptau sich drängen.

    2
    0
  4. Der sogenannte !Insider” ist nichts als ein jämmerlicher, sicher auslandsfinanzierte Verräter an seinen bisherigen Partnern sondern auch am ungarischen Volk! Es ist, wie wir schon mehrfach betonten höchste Zeit alle Feinde Ungarns auf ihre Wurzel vor allem ihrer Finanzen – zu untersuchen und solche Gebilde wie die Schattenleute und deren Mitläufer strafrechtlich und finanziell außer Gefecht zu setzen!!
    Schwierige Zeiten bringen trotz gegensteuernder Politik Probleme, die Unzufriedenheit bewirken!
    Resultierend aus den bekannten Meinungen aus dem Umfeld müssen wir sagen, dass leider oft die wirkenden Regierungsbemühungen nicht voll erkannt und entsprechend gewertet werden.!! Daraus entsteht Missmut und Mitläuferschaft beginnend oft nur aus Neugiier bei den Volksverhetzern und anderen “Rattenfängern.”! Das ist besonders negativ bei dem permanenten Druck, dem die progressive Politik Ungarns ausgesetzt ist.!!

    1
    0
  5. Die Aufgaben sind verteilt, um die konservativ-bürgerlichen zu stoppen. Der AfD-Politiker Peter Bystron wird ohne jeglichen Nachweis in Tschechien und der BRD beschuldigt, Geld von den Russen angenommen zu haben. Die Mediale Propagandashow dreht auf Hochtouren. Der einzige Anhaltspunkt auch in seiner tschechischen Heimat: Er hatte mal einem russischen Sender ein Interview gegeben. Correctiv und co. haben noch viel zu tun bis zu den kommenden Wahlen.

    1
    0

Schreibe einen Kommentar

Weitere Artikel

23. Mai 2024 21:16 Uhr
BZ+
23. Mai 2024 10:10 Uhr
BZ+
23. Mai 2024 9:40 Uhr