Tausende demonstrierten für Freiheit. Fotos: MTI/ Zoltán Máthé

Demonstration

Nicht der Freiheit würdig?

Am Montagabend zogen bis zu zehntausend Menschen, vor allem Schüler und Pädagogen, gegen die Bildungspolitik der Regierung demonstrierend durch die Innenstadt.
25. Oktober 2023 10:25

Die als Bürgerinitiativen agierenden Organisatoren achteten darauf, dass Aktivisten keine Werbung für die Oppositionsparteien machen – den Forderungen nach Demokratie und einem freien Bildungswesen wurde so ausschließlich mit den Nationalflaggen Ungarns Nachdruck verliehen. Der „Freiheits“-Zug zog vom Heldenplatz zum Oktogon, wo der Budapester Oberbürgermeister Gergely Karácsony eine Rede hielt.

OB Gergely Karácsony: „Budapest ist eine Republik, und das bleibt es auch.“

OB: Feiertag der Republik

Der OB bezeichnete den 23. Oktober als Feiertag der Republik, die in den Revolutionstagen von 1956 geboren wurde. „Wir sind heute hier versammelt, weil wir nichts von dem preisgeben wollen, was 1956 und 1989 errungen werden konnte, nämlich dass unsere Heimat eine Republik freier und gleicher Bürger ist“, erklärte Karácsony. Die Revolutionäre von 1956 wünschten dieses gemeinsame Haus, in dem tatsächlich noch alle Ungarn an einem Strang zogen. Seither gelte die eindeutige Botschaft: „Einen nationalen Zusammenschluss erreichen wir nur, wenn niemand im Namen gleich welcher Ideologie diktieren will, wie man seine Heimat zu lieben hat.“

Interessen der Allgemeinheit verdrängt

Der Oppositionspolitiker verwies auf das Paradoxon, wonach das Ungarn des Jahres 1956 die Freiheit verdiente, die ihm nicht zugestanden wurde, das Ungarn seit 1989 aber „in mehr als drei Jahrzehnten der Irrungen scheinbar nicht der Freiheit würdig ist“. Das habe die Gesellschaft gespalten, an die Stelle der Republik, die allen Bürgern dient, sei eine Aktiengesellschaft getreten, die private Interessen über das Interesse der Allgemeinheit stellt. Die Sache der Republik sei mehr oder weniger in die Illegalität gedrängt worden, aber noch immer sichtbar in Protestbewegungen der Lehrer und der Schüler. Die „freien“ Städte und Gemeinden seien heute als einziges Terrain verblieben, wo der Staat nicht herrschen, sondern dienen wolle. Dazu stellte der OB klar: „In Budapest ist nicht die Opposition an der Macht, hier gilt die Macht der Bürger. Budapest ist heute eine Republik, und das bleibt es auch.“

Dann teilte Karácsony einen Seitenhieb auf die Oppositionsparteien aus: Die müssten sich für die Republik stark machen, seien aber damit beschäftigt, wer unter ihnen „der größte Kleine“ ist. Die Orbán-Regierung habe der Opposition eine Falle gestellt, als sie die Kommunalwahlen mit den Europawahlen 2024 zusammenlegte. Karácsony will (erneut) ein Bündnis der Opposition, um Budapest zu halten.

2 Antworten auf “Nicht der Freiheit würdig?

  1. Gergely war in Zuglo kein guter Bürgermeister, ist in Budapest kein guter OB. War evident vom Anfang an. Er sagte selbst, wenn er kein OB wird, kann in Zuglo nicht zurück. Dort wird er unter die Erde gebracht. ” beássàk”

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