Nationalfeiertag
Ministerpräsident Viktor Orbán: „Wir dürfen nicht zum Bauernopfer in einem Krieg werden, der für die Interessen anderer Mächte geführt wird.“ Foto: MTI / Szilárd Koszticsák

Friedensmarsch / Nationalfeiertag

Orbán: „Jetzt ist nicht die Stunde für Amateure“

„Wir werden nicht zulassen, dass die Linken unsere Heimat erneut in einen linken Alptraum stürzen. Ungarn muss vorwärts gehen und nicht zurück“, begann Ministerpräsident Viktor Orbán seine Rede aus Anlass des Nationalfeiertages.

Auf dem Kossuth tér am Parlament und in den umliegenden Straßen hörte ihm eine riesige Menschenmenge zu, deren Gros die Teilnehmer des Friedensmarsches bildeten.

„Wir haben keine Angst vor den einflussreichen internationalen Medien, den Brüsseler Bürokraten oder den Finanzhaien vom Schlag eines George Soros“, fuhr Orbán in seiner Wahlkampfrede fort. Er beschrieb das Oppositionsbündnis als im Zustand der „tiefsten Ratlosigkeit“ und nahe am Zerfall angelangt. „Sie hielten Péter Márki-Zay für einen Kometen, dabei wirkt er inzwischen wie ein erkaltetes Gestein nach dem Aufschlag auf der Erde.“

Es sei ein großes Glück, dass die Macht nicht in den Händen jener liegt, die als letzte Verzweiflungstat Donald Tusk als ihren Gastredner zum Nationalfeiertag einladen, also „jenen Polen, für den sich die Leute daheim schämen“. Tusk sei der Mann, der zuerst seine eigene Partei in Polen und anschließend die EVP in Europa zerschlug.

Frieden, Freiheit und Eintracht!

Dann wechselte der Premier das Thema, „denn wir müssen über ernste Sachen sprechen, über Krieg und Frieden“. Und er erinnerte: „Solange diese Nation zurückdenken kann, wollten die Ungarn immer nur eines: Frieden im Karpatenbecken. Frieden, Freiheit und Eintracht.“

Dies könne man aber nur erreichen, wenn man Stärke manifestiere. Schwache Völker gewinnen keinen Frieden, sie werden bestenfalls geduldet, schwachen Nationen wird keine Freiheit zugestanden. Orbán wolle ein starkes Ungarn, das sich als Teil des Sonnensystems der Völker verstehe, sich dabei jedoch um die eigene Achse drehe.

Nationalfeiertag
Der Kossuth tér vor dem Parlament während der Rede von Premier Orbán. Foto: MTI/ Tibor Illyés

„Uns konnten weder Hochwasser noch Migrations- oder Corona-Krise etwas anhaben, und wir wollen nicht, dass uns Krieg oder die Linke am 3. April von unserer Bahn abbringen.“ Der Name Ungarns werde wieder seinem alten Ruf gerecht, dank einer selbstbewussten Außenpolitik, einer schlagkräftigen Armee und Rüstungsindustrie von Weltniveau, dank großartiger Kulturprojekte und Sportveranstaltungen. „Die Welt respektiert nur jene, die den Mut und die Kraft aufbringen, für sich selbst einzustehen“, begründete Orbán.

Auf dem Schachbrett der Großmächte

Er verglich Mitteleuropa mit einem Schachbrett der Großmächte, die mal den einen, mal den anderen in die Frontlinien schicken und „aufzuopfern bereit sind, wer sich nicht wehrt“. Der Ministerpräsident stellte klar: „Die Kriege werden nicht für uns, nicht in unserem Interesse geführt, wer auch immer gewinnt, wir verlieren.“ Er sprach sich erneut entschieden dafür aus, Ungarn aus diesem Krieg zwischen Russland und der Ukraine herauszuhalten.

Mit Gedanken der angehenden Staatspräsidentin Katalin Novák brachte er sodann den Blickwinkel der Frauen ins Spiel: „Mütter wollen den Frieden gewinnen, nicht den Krieg. Keiner weiß besser als sie, dass es zwanzig Jahre braucht, einen Menschen großzuziehen, aber zwanzig Sekunden reichen, um ein Leben auszulöschen. Deshalb sehen Frauen auch keinen Krieg zwischen Ost und West, sondern verwaiste Kinder, gefallene Jungen und Väter.“

Mit Schwarzenegger in den Wahlkampf-Endspurt

Zum Abschluss seiner Rede heizte Orbán die Menge für den Wahlkampf auf. Er habe Arnold Schwarzenegger einst gefragt, wie viele Liegestütze er schaffe. Die Antwort war: Er zähle erst, wenn es wehtut. So sollten die Anhänger des Fidesz in die letzten Wochen vor der Schicksalswahl gehen, um die lauernden Gefahren mit einem überzeugenden Sieg am 3. April abzuwehren.

„Wir gewinnen die Wahlen und bringen Ungarn Frieden, Sicherheit und Ruhe! Lasst uns die wichtigste Schlacht unseres Lebens gewinnen, lasst uns Ungarn verteidigen! Wir Ungarn gemeinsam, nicht für andere, füreinander“, schloss Orbán.

Gewaltiger Friedensmarsch für Frieden und Orbán-Regierung

Der ursprünglich zur Unterstützung der Orbán-Regierung ins Leben gerufene Friedensmarsch hatte in diesem Jahr auch eine außenpolitische Dimension: Die Teilnehmer forderten Frieden in der Ukraine. Der Marsch mit weit über 100.000 Teilnehmern zog von Buda aus über die Margaretenbrücke und die Ringstraße zum Westbahnhof, um dort Richtung Alkotmány utca zum Parlament abzubiegen. In der Menge fanden sich viele Szekler aus Siebenbürgen sowie größere Gruppen von Polen, Kroaten, Spaniern und Italienern.

Nationalfeiertag
An der Spitze des Friedensmarsches lief unter anderen der stellvertretende Ministerpräsident Zsolt Semjén (3.v.l.) mit. Foto: MTI/ Zoltán Balogh

Ministerpräsident Viktor Orbán in seiner Rede am Nationalfeiertag des 15. März:

„Schwache Völker gewinnen keinen Frieden, sie werden bestenfalls geduldet, schwachen Nationen wird keine Freiheit zugestanden.“

„Wir dürfen nicht zum Bauernopfer in einem Krieg werden, der für die Interessen anderer Mächte geführt wird.“

„Die Welt respektiert nur jene, die für sich selbst einstehen.“

„Dies ist nicht die Stunde für Amateure, nicht die Zeit für Dilettanten. Wir sind gewiss keine Anfänger mehr, uns kann so leicht nichts mehr erschüttern.“

18 Antworten auf “Orbán: „Jetzt ist nicht die Stunde für Amateure“

  1. Stärke erringt man nicht durch Kleinstaaterei.
    Die EU ist auf dem Weg zu der Stärke, die die Europäer benötigen, wenn sie nicht der Spielball der Großmächte sein wollen.
    Nur ein Europäischer Bundesstaat bietet das, was Orban möchte.

    Nach den USA ist die EU die größte Wirtschaftsmacht.
    Bei einem BIP von 13,3 Billionen Euro im Jahr 2020 kämen die Verteidigungsausgaben bei Einhaltung der 2%-Vereinbarung auf beeindruckende 266 Mrd.€.
    Einigkeit macht stark.

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    1. Unter Europäischem Bundesstaat verstehen Sie doch das Regime der Multis in Brüssel. Das ist selber der Spielball der Großmacht USA/Multis. Sie lesen aber doch täglich, daß die immer das wollen, was Orbán nicht will. Und Frieden in der Ukraine wollen die auch nicht, sondern den Krieg mit Waffen- und Söldnerlieferungen verschärfen. Marki-Zay sprach sogar für Truppenentsendung, was direkt der Dritte Weltkrieg wäre.

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  2. Nun denn, man kann sich ja einen europäischen Bundesstaat wünschen. Es wird nur dzt. ausser Deutschland und Luxemburg niemand mitmachen.
    Wenn wir schon bei der 2%-Vereinbarung sind, welches Land hält sich daran?
    a) Deutschland
    oder
    b) Ungarn

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    1. In Deutschland hat man nun dazugelernt. Aber auch wenn Deutschland die Verteidigungsausgaben nun erhöht, braucht es die gemeinsame Stärke der EU, um international bedeutenden Einfluss zu erlangen.
      Es war übrigens Macron, der dies auch erkannt und mehr Gemeinsamkeit gefordert hatte.

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  3. An diesen Ausführungen sehe ich nichts Verkehrtes.
    Frieden in der Ukraine gibt es nicht durch Waffenlieferungen. Und nicht durch einseitige Schuldzuweisung an Rußland, nachdem seit 2014 dort das Putschregime der US-Marionetten besteht, um Rußland in die Enge zu treiben, und das die russischsprachigen Einwohner unterdrückt (im halben Land die Mehrheit) und den Widerstand im Donbass terrorisiert.

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    1. Marki in seiner Rede:” Wenn die Lifbe zu Macht( er mit Moslèk) gewinnt gegen die Macht der Liebe ( Orban Regierung) dann…” ( kommt die gute Zeit(
      Der Mann mit seinen Kommunisten, Faschisten, Linksliberalen nicht alle. Zumindest hat er verraten, dass es um Macht geht und nicht Gemeinwohl bei ihm)

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      1. Die Demo mit Gastredner Donald Tusk werden wir noch heute online reflektieren. Hier schon mal ein Auszug aus der Rede von Márki-Zay: “Wir glauben daran, dass die Macht vom Volk ausgeht, dass David Goliath besiegt und Ungarn am 3. April auf die gute Seite der Geschichte zurückkehrt.”

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      2. Tja – und die V4-Partner in Polen sind nun so gar nicht mehr auf der Linie der Orban-Regierung, was eben wieder einmal sehr deutlich macht worin Orbans große “Kunst” liegt: Er schafft es, Ungarn immer wieder zu isolieren.

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          1. Sie sind von allen guten Geisten verlassen wurden.
            Bedauernswert.
            Weder die EU, noch NATO Ungarn oder Deutschlnd führt Krieg. Putin ist nicht nein Freund und der ukrainische Präsident auch nicht. Biden auch nicht Scholz auch nicht. Und so weiter.

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            1. Ja – richtig.
              Sie sind da Ihrem Vorbild Orban ganz ähnlich, da Sie – wie Sie sagen – keine Freunde haben. 😉

              Da fordert also der doch so enge V4-Partner PiS eine Nato-Friedensmission unter Einsatz militärischer Mittel und Orban …

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              1. NATO Friedensmission gibt es nicht. NATO ist eine militärische Gemeinde. Man soll indische, afrikanische, Beobachtungen hinschicken, wenn.
                Staaten haben Interessen. Die EU, NATO Staaten, aber auch RUSSLAND. FRIEDRNSMISSION NUR VON Staaten, die in diesem Konflikt nicht involved sind.

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    2. Ihrer Meinung nach, Herr Hohensohn, soll man Russland einfach gewähren lassen.
      Was aber, wenn Putin seine Panzer wieder in die ehemaligen Kasernen in Ungarn rollen lassen will?
      Er muss ja dann auch nur von einem “Putschregime der US-Marionetten” quatschen, um dies zu rechtfertigen.

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