Das Károlyi-Schloss in Fehérvárcsurgó steht für die beste Praxis der Zusammenarbeit von Staat und privatem Kapital. Fotos: MTI/ Tamás Vasvári

Schlösser

Mission und Verantwortung der Elite

Die Momentum forderte die Regierung am Montag im Parlament auf, die restaurierten Schlösser im öffentlichen Eigentum zu bewahren. Am gleichen Tag wurde ein Musterprojekt im Károlyi-Schloss feierlich übergeben.
21. November 2023 9:20

„Vor einem halben Jahr hat sich die Fidesz-Propaganda einen Schnitzer erlaubt: Es wurde bekannt, dass die Regierung die frisch renovierten Schlösser kostenlos an den Freundeskreis verschachern will.“ Mit diesem Vorwurf startete ein Abgeordneter der liberalen Momentum seinen Redebeitrag am Montag im Parlament.

„Hände weg!“

Seine Partei habe daraufhin Unterschriften gegen diese neuerliche „Raubaktion“ des Fidesz in den betroffenen Ortschaften gesammelt. Irgendwann schien es so, als ob die Regierung zum Rückzug in der Angelegenheit bläst. Doch nun habe der „Abbauminister“ János Lázár eine Vorlage im Parlament eingereicht, die seine frühere Zusage Lügen strafe, er werde keine Entscheidung treffen, die dem Willen der Anwohner zuwiderläuft. „Hände weg von den ungarischen Schlössern“, forderte die Momentum.

Staatssekretär Bálint Nagy sprach in seiner Entgegnung von einer wahrheitsfernen Panikmache der Oppositionspartei. Die Regierung wolle mit dem Gesetzentwurf beste internationale Praktiken nach Ungarn holen, um alte Schlösser für die Gemeinheit zu bewahren. Die Vorlage sei den Abgeordneten im Übrigen seit Juni bekannt und wurde nie zurückgezogen.

Paradebeispiel war seiner Zeit voraus

Am Montag wurde in Fehérvárcsurgó der generalüberholte Reitstall des Károlyi-Schlosses übergeben. Das Projekt nahm drei Jahre in Anspruch und wurde vom Bauministerium mit 1,9 Mrd. Forint an öffentlichen und EU-Geldern gefördert. Wie Staatssekretär Péter Ágh bei der Einweihung des Reitstalls betonte, sei dieses Projekt ein überzeugendes Beispiel, wie der Staat Partner für die Wiederherstellung denkmalgeschützter Objekte und deren fortlaufende Bewirtschaftung findet. „Das neue Gesetz über die Schlösser erlaubt es der über enorme Finanzbeträge verfügenden ungarischen Elite, die Bewahrung und Mehrung des nationalen Kulturerbes als ihre Mission und historische Verantwortung zu betrachten.“

György Károlyi unterhalte als Nachfolger der letzten Schlossbesitzer seit einem Vierteljahrhundert eine Aktiengesellschaft als Vermögensverwaltung, die das Schlossensemble bewirtschaftet. Zur gleichen Zeit bleibt der Staat Eigentümer der Gebäude. „Diese beispielhafte Zusammenarbeit von Staat und privatem Kapital sorgte für die laufende Bewirtschaftung ebenso wie für die Erneuerung und ging damit als Betreibermodell weit ihrer Zeit voraus“, resümierte der Staatssekretär. Das Károlyi-Schloss mit dem zugehörigen Park und Arboretum auf 22 ha zählt jährlich rund 30.000 Besucher.

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