Schülerproteste
Miskolc im Fokus
Weil ihnen jede Streikmöglichkeit genommen wurde, operieren die Lehrer in diesem Schuljahr mit Mitteln des „zivilen Ungehorsams“. Darauf reagierten die Fidesz-Bildungsbehörden mit Schikanen und sofortigen Entlassungen. Ein prominentes Opfer der Entlassungswelle ist der Stellvertretende Direktor eines Gymnasiums in Miskolc. Aus Solidarität bildeten Schüler und Lehrer des Gymnasiums – in Schwarz gekleidet – am Montag eine Menschenkette. Viele Eltern und nicht unmittelbar betroffene Bürger sprachen den Schülern Mut zu, nicht wenige nahmen selbst an der Aktion teil, so dass sich mehr als eintausend Menschen (!) in die Kette einreihten. Die Abiturienten forderten, dass der Stellvertretende Direktor seine Arbeit wieder aufnehmen darf, andernfalls wolle man die Proteste fortsetzen. Die morgendliche Aktion weitete sich spontan aus; es kam zu einem Umzug durch die Großstadt und einer Demonstration vor der Schulbehörde.
Gegen den Zynismus der Machthaber
Auch an anderen Orten im Lande kam es zu Menschenketten von Schülern und zu Arbeitsverweigerungen durch Lehrer. Die Gewerkschaften machten auf den Zynismus der Machthaber aufmerksam, die den Pädagogen nach dem Streikrecht auch das Recht auf jede andere Form des Protestes nehmen wollen. Dabei gehe es bei weitem nicht nur um die lächerliche Entlohnung, weshalb immer weniger junge Menschen die Berufslaufbahn eines Lehrers einschlagen. Es geht um chronisch überlastete Schüler infolge schlechter Lehrpläne, um gestresste Eltern, die immer häufiger selbst Hand anlegen müssen, damit der normale Schulbetrieb wegen Geldmangels nicht in Gefahr gerät, und um Pädagogen, die mehr Freiheiten bei der Vermittlung des Lehrstoffs wünschen.
Sollen Schüler und Lehrer strammstehen?
Oppositionsparteien merkten an, im Lichte der starren Haltung der Bildungsbehörden müsse nicht verwundern, warum die fünfte Orbán-Regierung das Bildungswesen an das Innenministerium delegierte: Man glaube, Schüler und Lehrer müssten strammstehen vor der Bildungspolitik. Allein für weitere PR-Kampagnen stellte die Regierung im Sommer zusätzliche 70 Mrd. Forint bereit – mit diesem Geld ließen sich die Löhne aller Lehrer z. B. um ein Zehntel anheben. Die Schulbehörden drohen allen an den Protesten teilnehmenden Lehrern die Entlassung an. Die Gewerkschaften wollen mit einem „rollenden“ Streik antworten.

Respekt.
Ein gutes Zeichen.
Sollten die ungarischen Lehrer und Lehramtsanwärter auf dieselbe Idee kommen, wie einst die 68er in Deutschland, wäre die Orban Regierung, die Bildung für derart unbedeutend hält, dass es nicht einmal ein eigenes Ministerium dafür gibt, ganz schnell in der Defensive:
Damals unterschrieben die Absolventen zu Schuljahresbeginn keine Verträge.
Ein System am Limit, bricht dann schlicht zusammen.
Gebe ich Ihnen ausnahmsweise mal recht!