Sonntagsfrage

Krise schadet Fidesz nicht länger

In der Kleinstadt Kenderes bei Szolnok hat der Fidesz am Sonntag Nachwahlen mit erdrückender Mehrheit gewonnen. Das passt zur jüngsten Erhebung der Idea-Meinungsforscher.
22. November 2022 10:02

Die Wahl wurde notwendig, weil die Bürgerschaft nicht länger mit dem Bürgermeister kooperieren wollte. Unter drei parteilosen Kandidaten holte der bisherige Bürgermeister zwar mit 20% die meisten Stimmen, die für die Regierungsparteien antretende Edit Barabás-Forgács sammelte aber gleich 69% der abgegebenen Stimmen und wird somit neue Bürgermeisterin im Ort. Obendrein dürfte sie keine Mühe haben, die Stadt künftig zu führen, denn die sechs Mandate für den Stadtrat gingen allesamt an Lokalpolitiker von Fidesz-KDNP: Während sich 15 „unabhängige“ Kandidaten gegenseitig die Wähler abspenstig machten und einzeln zwischen 40 und 480 Stimmen erreichten, konnten die sechs siegreichen Kandidaten des Regierungslagers jeweils 600-940 Wähler hinter sich scharen.

Zu diesem örtlichen Wahlergebnis passt die jüngste Erhebung des Idea-Meinungsforschungsinstituts, die den Fidesz erstarken sieht. Das dem Oppositionslager nahestehende Institut resümiert, die Krise schade den Regierungsparteien nicht länger, während die Opposition davon nicht profitieren könne. Wären am kommenden Sonntag Wahlen, würden 52% der sicheren Wähler für den Fidesz stimmen. Im Wettstreit der Parteien will sich die Wirtschaftskrise einfach nicht niederschlagen.

Im Oppositionslager verschieben sich die Relationen bestenfalls zueinander: Aktuell haben die Sozialisten Boden zu Lasten der Jobbik gut gemacht. Die stärkste Oppositionskraft ist mit deutlichem Vorsprung die DK, die bei 19% gemessen wird. Die Partei von Ex-Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány hat nicht nur eine Schattenregierung unter Führung seiner Ehegattin Klára Dobrev aufgestellt, sie lockt reihenweise Bürgermeister und lokale Abgeordnete der anderen Oppositionsgruppierungen (Momentum, MSZP oder Párbeszéd) ins eigene Lager. Die übrigen linksliberalen Parteien bringen es auf 12%, die rechtsradikale Mi Hazánk auf 9%.

Ein Gedanke zu “Krise schadet Fidesz nicht länger

  1. Solange Gyurcsány (“wir haben es verfickt”, 2006/Lügenrede von Balatonöszöd) irgendwie in dieser Opposition eine Schlüsselrolle hat, werden die Ungarn mit über 50% Fidesz wählen, selbst wenn diese meinen, dass Orbán Fett angesetzt hat und zu lange an der Macht ist. Gyurcsány oder Dobrev will keiner mit Verstand und Anstand.
    Da wird sich der Westen noch lange selbst betrügen., wenn er an einen Wandel glaubt. Soros kann sich sein Geld wohin stecken.

Schreibe einen Kommentar

Weitere Artikel

2. Dezember 2022 12:35 Uhr
BZ+
2. Dezember 2022 10:21 Uhr