Foto: MTI/ Zoltán Máthé

Wassermangel

Katastrophe (halbwegs) abgewendet

Die Wasserversorgung ist wieder vollständig hergestellt, informierten die regionalen Wasserwerke DMRV am Sonntag.

„In allen Haushalten fließt Wasser aus den Hähnen“, schrieb der Versorger auf der eigenen Internetseite.

Die Vorsichtsmaßnahmen zum eingeschränkten Umgang mit dem kostbaren Nass infolge der Hitzewelle blieben aber in einem Dutzend Ortschaften im Komitat Pest in Kraft. Betroffen sind davon Solymár, Pilisszentiván, Pilisborosjenő, Pilisvörösvár, Pilisszentkereszt, Budakalász, Pomáz, Szentendre, Pilisszántó, Üröm und Csobánka. Die Wasserwerke hatten die Anwohner am vorigen Mittwoch gebeten, ihren Wasserverbrauch freiwillig einzuschränken.

Nicht mehr als technologische Probleme?

Zuvor hatte sich der Parlamentsabgeordnete des Wahlkreises, Tamás Menczer, in die Angelegenheit eingeschaltet. Weil allein in Solymár eintausend Haushalte mit dreitausend Bewohnern teilweise seit Tagen überhaupt kein Wasser mehr hatten, forderte der Staatssekretär im Außenministerium den Katastrophenschutz an und die Wasserwerke auf, ihrer Versorgungsaufgabe nachzukommen. Technologieminister László Palkovics meinte am Wochenende, Ungarn verfüge über Wasser in ausreichenden Mengen, allein technologische Probleme hätten zu Engpässen in mehreren Städten und Gemeinden geführt.

Vor dem Wochenende rückten Spezialfahrzeuge der Armee in Solymár an, um die Anwohner mit Trinkwasser zu versorgen. Foto: MTI/ Zoltán Máthé

Geld für Wartung und Modernisierung fehlt

Der regierungskritische TV-Sender RTL Klub ließ derweil die sog. „Koalition Wasser“ zu Worte kommen, die seit Jahren auf die negativen Auswirkungen der Politik der gesenkten Wohnnebenkosten hinweist. Die Wassertarife wurden 2012 eingefroren und ein Jahr später um rund 10% gesenkt – seither dürfen auch diese Tarife nicht angehoben werden, obgleich es dem Staat bei seinen Zentralisierungsbemühungen nicht gelang, die Wasserpreise zu vereinheitlichen. Ohne Preiserhöhungen fehlt den Wasserwerken aber das nötige „Kleingeld“, um Investitionen zur Wartung und Modernisierung der Wasserleitungen vorzunehmen. Obendrein wurden die Regionalversorger zusätzlich mit der sog. Stadtwerkesteuer belegt.

Enorme Wanderungsbewegung

Während die Kosten intensiv steigen, müssen die Regionalversorger in der Agglomeration von Budapest nicht nur das bestehende System irgendwie am Laufen halten. Denn aus der Hauptstadt sind seit der Wende mehrere 100.000 Menschen in das Umland ausgezogen. Zudem verbraucht der Durchschnittsbürger heute mehr Wasser, als noch 1990, als z. B. Sprinkleranlagen im Garten oder Planschbecken weniger verbreitet waren.

Darauf könnte der Staatssekretär angespielt haben, als er erklärte, nicht die Politik der gesenkten Wohnnebenkosten habe die Lage in Solymár und anderswo erschwert, sondern der Ukraine-Krieg. Dem hätte nämlich eine Investition von 16 Mrd. Forint geopfert werden müssen, die nun erst zwei Jahre später durchgeführt werden kann. In den Sozialforen lautete ein Kommentar: „Das ist die wahre Kostensenkung. Kein Wasser – keine Kosten!“

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