Eine Flut und die Folgen
Ist der Steinbruch schuld?
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Die Evakuierung geschah im Zuge der schweren Regenfälle Anfang Juni in dem kleinen Ort Recsk im Mátra-Gebirge. Betroffen waren rund 50 Personen. Wie das linksliberale Nachrichtenportal 24.hu schreibt, protestierten Anwohner seit Monaten vergeblich gegen die Neueröffnung eines Steinbruchs über dem Ort. Das Portal zeigt ein Foto, wonach die Rohstoffe unmittelbar über den Wohnhäusern, oberhalb eines schmalen Waldstreifens von höchstens 100 m geschürft werden.
Katastrophe mit Ansage
Übereinstimmend mit Darstellungen von Anwohnern erklärte auch der Bürgermeister des Ortes gegenüber 24.hu, die Schlammlawine habe sich vom Steinbruch aus über die Siedlung ergossen. Die Betreiber des Steinbruchs schweigen sich aus. Dabei haben Anwohner nicht nur exakt vorausgesagt, was bei wolkenbruchartigen Regenfällen passieren wird, sie können auch mit Fotos und Videos belegen, wie der Regen den Sand der Grube aufweichte und auswusch.
Politiker sehen keinen Zusammenhang
Die Grube wird durch jene Andezit-Bau Kft. betrieben, die einem „alten“ Freund des Fidesz-Spitzenpolitikers Lajos Kósa gehört. Das Innenministerium überlegt an einer Entschädigung der Anwohner durch den Bau neuer Wohnhäuser. Das Portal wollte dazu wissen, warum der Staat diese Aufgabe einer privaten Firma abnimmt, erhielt aber noch keine Antwort vom Ministerium. Die Firma soll den evakuierten Familien eine Schnellhilfe von jeweils 100.000 Forint gezahlt haben.
Im Parlament verteidigten mehrere Regierungspolitiker die Eröffnung des Steinbruchs. Energiestaatssekretärin Zsófia Koncz hob den Umstand hervor, dass alle Genehmigungen einwandfrei ausgestellt wurden. Andere Politiker des Fidesz verwiesen auf extreme Witterungsbedingungen.

Recsk war Zwangsarbeitlager in dem ” Volksrepublik Ungarn”. Viele Verbannte fanden dort ihr Tod.
Der Steinbruch im Artikel wurde neu erschlossen, direkt über den Dächern des Ortes.