Wie schon Anfang Oktober konnten die Schüler wieder Zehntausende auf die Straßen bringen. Foto: MTI/ Szilárd Koszticsák

Schulproteste

In Solidarität mit den entlassenen Lehrern

Am Sonntagabend gingen Schüler und Pädagogen gemeinsam zu einer Solidaritätskundgebung auf die Straße. Laut Organisatoren schlossen sich dem Demonstrationszug durch die Innenstadt von Budapest über 50.000 Menschen an.
25. Oktober 2022 9:42

Die Schülerbewegung ADOM hatte gemeinsam mit der Pädagogen-Gewerkschaft PDSZ zu der Protestaktion aufgerufen, die als Reaktion auf die Entlassung mehrerer Gymnasiallehrer galt. Die Demonstranten versammelten sich am späten Sonntagnachmittag am Kálvin tér auf der Pester Seite der Donau, um anschließend über die Freiheitsbrücke auf das gegenüberliegende Donauufer hinüberzuwechseln, wo es zu einer Kundgebung an historischer Stätte, vor der Technischen Universität, kam. (Die Revolution von 1956 hatte ihren Ausgangspunkt an der TU Budapest.)

Es geht längst um mehr

Die Redner sprachen von einer wachsenden Unzufriedenheit mit dem ganzen System des Bildungswesens. Allerdings gehe es nicht mehr nur um gerechtere Löhne und eine sinkende Belastung für Lehrer wie Schüler, sondern aktuell um Solidarität mit jenen Pädagogen, denen die Schulbehörde fristlos kündigte, um die protestierenden Lehrer einzuschüchtern. Während unter diesen Bedingungen immer mehr Lehrer ihren Beruf an den Nagel hängen, zeige sich die Regierung unbeeindruckt.

Freies Land, freie Bildung

Für ein freies Land und freie Bildung sprach sich der Budapester OB Gergely Karácsony aus. Nicht einmal die Regierung habe das Recht, das Land für sich zu vereinnahmen, meinte der Oppositionspolitiker, der eine Rückgabe der Schulen an die Kommunen forderte. Nur so nämlich könnten die Schulen, die heute unter zentralisierten Strukturen leiden, wahrhaft den örtlichen Gemeinschaften dienen.

OB Gergely Karácsony war der einzige Politiker, den die Schüler zu sich auf die Bühne holten. Foto: Sozialmedien/ Gergely Karácsony

Der Oberbürgermeister der Hauptstadt war der einzige Politiker, den die Schüler offiziell zu ihrer Kundgebung eingeladen hatten und der ein kurzes Grußwort an die Teilnehmer halten durfte. In der Menge waren aber zahlreiche Politiker der linken Opposition (DK, MSZP, Momentum) auszumachen, die das Forum für ihre Auftritte in den Sozialmedien benutzten. Ein sarkastischer Kommentar zu diesen Politikern lautete denn auch: „Wann können diese Leute schon mal in einer so großen Menge baden?!“

Die Vorsitzende der Schülerbewegung ADOM, Fruzsina Schermann, hatte ihrerseits eine Spitze für den Ministerpräsidenten parat. Weil die Schüler die Budapester Straßen besetzt hätten, sei Viktor Orbán am 23. Oktober „bis nach Zalaegerszeg geflüchtet“.

Die Abschlusskundgebung fand an historischer Stätte, am Donauufer vor der TU Budapest statt. Foto: MTI/ Szilárd Koszticsák

3 Antworten auf “In Solidarität mit den entlassenen Lehrern

  1. Ja, hier haben die Verantwortlichen Bullshit gebaut. Die entlassenen Lehrer müssen sofort rehabilitiert, entschädigt und geehrt werden! Die Versäumnisse der Regierung sind enorm. Es reicht eben nicht, ein Land wirtschaftlich und infrastrukturell auf die Beine zu stellen, wenn ein Teil der Gesellschaft, der für die Bildung zuständig ist, abgespeist wird mit (bisher) leeren Versprechungen.
    Dass nun die Leute um Gyurcsány, die vor genau 16 Jahren (nach der Lügenrede von Gyurcsány) auf den gleichen Straßen auf Demonstranten eingeprügelt haben, Profit aus den Protesten schlagen wollen, ist offensichtlich. Die Pädagogen sollten sich nicht parteipolitisch instrumentalisieren lassen. Bisher scheinen sie dem Gyurcsány-Dobrev Block (DK) zu widerstehen.

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  2. Orban und Fidesz müssen sich wirklich fürchten.
    Dies ist eine Keimzelle.
    Der Unmut der Menschen in Ungarn wird insgesamt nicht geringer und ihnen wird immer weniger genügen, immer nur Schuldige aus dem Ausland präsentiert zu bekommen.

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    1. Gyurcsány und Klára Dobrev sind nicht aus dem Ausland.
      Die Schuldigen an Miseren findet man immer Außen und Innen, befragen Sie Afrikaner. Die Täter-Opfer-Erzählung ist in linken Kreisen Hype. Aber Staaten wie D und F , die vielmehr Täter als Opfer waren und sind, haben neue Opfer gefunden: Der gesunden Menschenverstand ist eines ihrer Opfer.
      Haben sie schon die 4. Genspritze von Lauterbach oder einen Pubertätsblocker von Frau Faeser bekommen?

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