Die DK hat eine landesweite Plakatkampagne gestartet. Diese Version präsentierte Klára Dobrev in den Sozialmedien…

Begnadigungsskandal

Haupttäter bleibt im Gefängnis

Der ehemalige Leiter des Kinderheims, um den sich der Begnadigungsskandal entwickelte, bleibt hinter Gittern. Die Opposition meint derweil, weitere „Verantwortliche“ in dem Missbrauchsskandal gefunden zu haben.
… diese Version („Gott? Heimat? Pädophilie!“ – mit dem Foto des Ministerpräsidenten) kritisierte die Momentum als „geschmacklos“. Fotos: Sozialmedien/ Klára Dobrev + Anna Donáth

Der zuständige Haftrichter prüfte am Donnerstag, ob der Verurteilte – bei dem es sich nach Medienberichten um János V., den ehemaligen Leiter des Kinderheims in Bicske handeln soll – auf Bewährung entlassen werden könne. Wie die Pressestelle des Budapester Gerichtshofes weiter mitteilte, erfülle der Strafgefangene die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Freilassung auf Bewährung nicht. Die Staatsanwaltschaft habe den Beschluss ebenso wie der Verurteilte zur Kenntnis genommen, der somit rechtskräftig sei.

Wie berichtet wurde János V. im Herbst 2019 vom Berufungsgericht Győr rechtskräftig zu acht Jahren Haft verurteilt. Der Mann, der zuvor 26 Jahre lang das Kinderheim und die örtliche Grundschule leitete, wurde beschuldigt, über Jahre hinweg sexuelle Handlungen an ihm anvertrauten Minderjährigen vorgenommen zu haben. Darüber hinaus habe er mehrere Kinder sexuell schwer missbraucht, eines davon regelmäßig.

Klage wegen DK-Verleumdung

Derweil verklagt die Schwester von Ex-Staatspräsident János Áder zwei DK-Politiker. Erzsébet Gy. Németh und Klára Dobrev hatten behauptet, Annamária Pölöskei-Áder wusste von den schrecklichen Vorgängen im Kinderheim Bicske. Die Schwester des Staatspräsidenten war damals Leiterin der Abteilung für Kinder- und Jugendschutz im Rathaus von Budapest, das zu jener Zeit noch Träger der Einrichtung war. Zwei Mitarbeiter des Kinderheims meldeten 2011 die Vorgänge. „Die Schwester von János Áder hatte somit Informationen, was der Heimleiter mit den Kindern anstellt. Dennoch tat sie nichts, so dass der Pädophile weitere fünf Jahre lang ungehindert agieren konnte“, meinten die Oppositionspolitikerinnen. Mehr noch, habe die damalige Abteilungsleiterin geschwiegen und sei dafür „belohnt“ worden, indem sie Staatssekretärin im Ministerium von Zoltán Balog wurde.

Im Namen seiner Schwester wies János Áder die Vorwürfe der DK-Politiker zurück. Die Behauptungen seien vollkommen erlogen, weshalb Annamária Pölöskei-Áder gleich zwei Prozesse anstrenge, einen Strafprozess wegen übler Nachrede, und einen Zivilprozess wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte. Nach Darstellung des Ex-Staatspräsidenten habe seine Schwester als Hauptabteilungsleiterin den Heimleiter von der Arbeit freigestellt, ein Disziplinarverfahren eingeleitet und Strafanzeige gestellt, der sich elf Monate lange Ermittlungen anschlossen. „Das Gericht wird zu klären haben, ob meine Schwester nichts getan hat, wie die DK-Politikerinnen behaupten“, meinte Áder sarkastisch.

Moral in der Tiefe

Unterdessen hat die DK eine landesweite Plakatkampagne gestartet, die den Ministerpräsidenten Viktor Orbán im Hintergrund des Begnadigungsskandals sieht. Die Spitzenkandidatin für die Europawahlen, Klára Dobrev, spricht offen von einem „Orbán-Pädophilie-Netzwerk“ und immer neuen schrecklichen Details des Kindesmissbrauchs, während die Regierung nichts Besseres zu tun habe, als die Pädophilen aus den eigenen Reihen zu retten.

Die Momentum-Vorsitzende Anna Donáth sieht die DK derweil moralisch genauso tief sinken wie den Fidesz. „Der Begnadigungsskandal sucht seinesgleichen, es ist das Tschernobyl der Moral. Das System ist durch und durch verrottet. Aber in unserer berechtigten Empörung dürfen wir nicht auf das gleiche niedrige Niveau sinken“, meinte Donáth zu den Aussagen der Plakate, die menschlich, moralisch und politisch untragbar seien. Die DK operiere mit den gleichen Instrumenten der Hassrede wie der Fidesz.

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