Regierungsbeauftragter Szilárd Németh: Die Politik der gesenkten Energiekosten ist in Europa einzigartig, und sie bleibt es auch. Foto: MTI/ Nándor Veres

Energiekosten

Gas wird richtig teuer, Stromkunden sind entspannter

Die Regierung führt einen neuen „Marktpreis für private Haushalte“ ein.

Dieser beträgt beim Strom rund 70 Forint je Kilowattstunde, beim Erdgas 747 Forint je Kubikmeter, gilt aber nur oberhalb des unlängst verkündeten Limits. Diese Zahlen nannte der Regierungsbeauftragte für den Erhalt der niedrigen Energiekosten, Szilárd Németh, auf einer außerordentlichen Pressekonferenz im siebenbürgischen Tusnádfürdő (Baile Tusnad) am Donnerstag. Beim Strom wird ein „Mehrverbrauch“ also nur mit ungefähr verdoppelten Preisen geahndet, beim Gas hingegen – wo Ungarn extrem von den russischen Lieferungen abhängt – gelangt auch für die Bevölkerung fortan ein Preis zur Anwendung, der „die Kosten des Wettbewerbsmarktes widerspiegelt“, wie es in der einschlägigen Verordnung heißt.

In dem Kurort findet in diesen Tagen die Tusványos-Sommeruni statt, bei der sich ungarische Regierungspolitiker traditionell ein Stelldichein geben. Németh meldete sich am Donnerstagvormittag live vom Festivalgelände. Zunächst verwies er auf den Ukraine-Krieg, der einschließlich der EU-Sanktionen für extreme Preissteigerungen an den Energiemärkten gesorgt habe. Die Situation sei in der Zwischenzeit sogar soweit eskaliert, dass die zuverlässige Energieversorgung im Winter in Frage gestellt ist. Darauf reagierte die Orbán-Regierung mit dem Ausrufen des Energienotstands. Eine von sieben Sofortmaßnahmen im Rahmen des Notstands sei die Aufrechterhaltung der niedrigen Energiekosten.

Spagat zwischen Verschwendung und Marktpreisen

Németh räumte ein, dass diese Politik wie in den letzten zehn Jahren gewohnt unter diesen außergewöhnlichen Umständen nicht fortgesetzt werden könne. Ein unbeschränkter Verbrauch von Energie zu den amtlich festgezurrten Preisen sei nicht mehr machbar. Genauso wenig wolle die Regierung die Bevölkerung den freien Marktpreisen aussetzen. Geleitet von diesen Überlegungen wurden folgende Entscheidungen getroffen:

Bis zu einem gewissen Jahreslimit (von 2.523 kWh beim Strom und 1.729 m3 oder 59.132 MJ beim Erdgas) erhält jeder private Haushalt auch weiterhin Strom und Gas zu dem bisherigen amtlichen Tarif (von rund 36 bzw. 102 Forint pro Einheit). Über diesem Limit wird der neue Marktpreis für private Haushalte wirksam, der deutlich günstiger ausfalle, als der normale Marktpreis. Dieser weiterhin vergünstigte Tarif beträgt beim Strom 70,10 Forint/kWh, beim Erdgas 747 Forint/m3. Der „normale Marktpreis“ würde demgegenüber 269 Forint/kWh bzw. 1.020 Forint/m3 betragen, merkte der Regierungsbeauftragte an.

Neuer „Marktpreis“ wird vierteljährlich überprüft

Németh betonte des Weiteren, dass die neue Regelung ausdrücklich nicht für den Einsatz von Wärmepumpen gelte – hier bleibe alles beim alten, mit dem bewährten B Geo-Tarif. Großfamilien erhalten beim Verbrauch von Erdgas für drei Kinder zusätzlich 600 m3, für jedes weitere Kind nochmals 300 m3 zum amtlichen Tarif. Bei Gemeinschaftshäusern ohne individuelle Messtechnik wird das jeweilige Jahreslimit entsprechend mit der Anzahl der Wohneinheiten multipliziert.

Németh schloss die kurze Pressekonferenz mit dem Hinweis, die in Europa einzigartige Politik der gesenkten Energiekosten werde auch weiterhin Bestand haben. Noch am Donnerstagvormittag erschienen die neuen Regeln im Amtsblatt. Die für die Grundversorgung zuständige staatliche Energieholding MVM informierte, damit die Haushalte die vergünstigten Verbrauchsmengen zeitanteilig in Anspruch nehmen können, werde eine tagesgenaue Abrechnung eingeführt. Das Energieamt MEKH wird den neuen Marktpreis für private Haushalte vierteljährlich überprüfen und gegebenenfalls anpassen.

3 Antworten auf “Gas wird richtig teuer, Stromkunden sind entspannter

  1. Das gilt bei hohem Verbrauch, den sollte man sowieso meiden. Aber in anderen Ländern gilt es jetzt auch bei niedrigem Verbrauch.
    Zum Heizen hat Gas sicherlich niedrigeren Verbrauch als Strom. Würde ich das halbe Jahr die Stromheizungen benutzen, die der Vorbesitzer meines Hauses eingebaut hat, wäre das ein unglaublicher Verbrauch. Zum Überwintern habe ich darum eine Erdgasheizung nachgerüstet, und sie verbraucht normal.

  2. Zumindest wird es Öl und Gas geben. Szijjarto ist heute in Moskau um zu verhandeln und kaufen.
    Wie ich hörte, Russland hätte noch etwas für Nord2. Sonst kauft alles nach China und Indien. Deutschland kauft dann verteuert von Indien. Super Geschäft. ( fur Indien und Russland)

  3. Dieser Schritt war längst überfällig.
    Warum sollten die ungarischen und eben auch die EU-Steuerzahler die Energie für das Beheizen und Kühlen von großen Villen finanzieren?

    Kein Geld für eine ordentliche Bezahlung von Lehrern, aber die Pools von wohlhaben Menschen beheizen.

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