Der Demonstrationszug am Freitagnachmittag auf der Erzsébet-Brücke. Foto: MTI/ Szilárd Koszticsák

Schulproteste

Eine Bildungsreform muss her!

Am Freitagmorgen bildeten die Schüler einmal mehr Menschenketten, um auf die ungelösten Probleme im Bildungswesen aufmerksam zu machen. Am Spätnachmittag fand eine Demonstration statt.
21. November 2022 11:42

Lehrer, Schüler und Eltern fordern nicht mehr nur Lohnerhöhungen für die Pädagogen, sondern eine Bildungsreform. Die Menschenketten am Freitagmorgen wurden von der „Einheitlichen Schülerfront“ organisiert. Schüler trugen selbstgebastelte Transparente mit frappanten Aussagen wie: „Wir gehen (heute) nicht in die Schule, weil wir lernen wollen!“ oder in Abwandlung eines familienpolitischen Fidesz-Slogans: „Gebäre auch Du einen Lehrer!“ In Budapest standen die Menschen auf rund zehn Kilometern Spalier. Aber auch anderswo im Lande, so in Pécs, Nagykanizsa und Szeged, Győr, Esztergom und Vác, Debrecen und Kiskunhalas, in rund vier Dutzend Städten kam es zu eindrucksvollen Szenen auf den Straßen. Die Gewerkschaft PDSZ sprach von Schulen, in denen zwei von drei Lehrern am Freitag die Arbeit niederlegten. In Miskolc entschieden sich die Schüler im Anschluss an die Menschenkette um das Schulgebäude für einen Sitzstreik auf den Gängen der Schule.

Schüler mit einem pfiffigen Plakat: „Wer wird uns beibringen, Stadien zu bauen?!” Foto: MTI/ Szilárd Koszticsák

Schweigeminute wegen schweigendem Staats-TV

Nach Einbruch der Dunkelheit kam es ebenfalls landesweit zu Kundgebungen. In der Hauptstadt zogen aus Solidarität mit den Lehrern mehrere tausend Menschen über die Erzsébet-Brücke. Ausnahmslos Schüler wandten sich als Redner an die Demonstranten, die ihre bekannten Forderungen auf eine allgemeine Bildungsreform ausweiteten. Weil die öffentlich-rechtlichen Medien den Schülerprotesten keine Beachtung schenken, legten die Demonstranten eine Schweigeminute ein. Dann forderten sie erneut, ihre Forderungen live im Staatsfernsehen mitteilen zu dürfen.

Bezeichnend war, dass Ministerpräsident Viktor Orbán am Freitagmorgen im Kossuth-Radio keine „aktuelle“ Frage zu den Protesten erhielt, obgleich diese zeitgleich zur Sendung liefen. Die Aktionen am Freitag waren der Höhepunkt einer kompletten Aktionswoche. Ab Montag hatten mehr und mehr Pädagogen an über 200 Schulen im Lande zum Mittel des zivilen Ungehorsams gegriffen. Die nächsten Demonstrationen sind für den 26. November, den kommenden Samstag, geplant.

Wie hier in Ajka verweisen immer mehr Pädagogen mit der veranschaulichten Alterspyramide auf den fehlenden Nachwuchs. Foto: Sozialmedien/ PDSZ

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