Ministerpräsident Viktor Orbán gab dem liberalen Nachrichtenfernsehen ATV nach 15 Jahren zum ersten Mal wieder ein Interview. Fotos: Screenshots/ youtube-ATV

Orbán-Interview:

„Die Wähler hören auf ihren Verstand“

„Solange Donald Trump der Präsident der Vereinigten Staaten ist und ich der Ministerpräsident Ungarns bin, solange gilt unsere Vereinbarung“, bekräftigte Viktor Orbán im Interview für das liberale Nachrichtenfernsehen ATV.
12. November 2025 20:11

Damit bezog sich Orbán auf die Befreiung Ungarns von den US-Sanktionen gegen russische Energieträger. Das am Dienstagabend auf dem youtube-Kanal von ATV ausgestrahlte Interview wurde gleich in den ersten 24 Stunden nahezu 600.000 Mal aufgerufen. Trump habe ihm die Befreiung persönlich gegeben, ohne irgendwelche Bedingungen, sagte der Ministerpräsident. Es ging dabei nicht um ein Geschäft, sondern um Vertrauen, Loyalität und eine Partnerschaft auf lange Sicht.

„Brüssel sieht uns als Feind an“

Zu von den Medien aufgegriffenen Zahlen des US-Außenministeriums, wonach Ungarn Kraftwerkstechnologien, Rohstoffe (LNG) und Kriegstechnik im Gesamtwert von 7.000 Mrd. Forint (ca. 18 Mrd. Euro) kaufen wird, merkte der Ministerpräsident an, dies sei eine Art Obergrenze. Es gehe um vereinbarte Kooperationen, die mit Geldflüssen verbunden sind. Ungarn profitiere aber auch von Investitionen verschiedener US-Firmen im Lande. Auf das Thema des US-Schutzschirms angesprochen meinte Orbán zwar zunächst, es gehe nicht um konkrete Beträge, aber Ungarn könnte für seine Stabilität 10-20 Mrd. Dollar oder Euro benötigen. „Die EU-Zentrale in Brüssel sieht Ungarn heute als verfeindetes Land an, weil es sie daran hindert, ihre Agenda durchzudrücken.“

Die Haltung zu Putin

Der Ministerpräsident wies die Legende von einem russlandhörigen Ungarn zurück. Die Orbán-Regierung halte sich natürlich die Geschichte vor Augen, ihre politischen Entscheidungen dienten jedoch ausschließlich den Interessen der Ungarn. Die NATO-Osterweiterung erschien bis 2008 sinnvoll, einen Beitritt der Ukraine lehnten auf dem NATO-Gipfel in Bukarest jedoch die Amerikaner und nicht die Europäer ab. Daraufhin vereinbarte er für Ungarn mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin eine vernunftbasierte Zusammenarbeit unter Ausklammerung historischer Belange. „Das funktionierte, bis die EU ihre Sanktionspolitik in den Vordergrund rückte.“

Viktor Orbán sieht sich in einem besonderen Vertrauensverhältnis mit US-Präsident Donald Trump.

Warum das Defizitziel steigt

Im weiteren Verlauf des Interviews kündigte Orbán eine Vereinbarung mit der Ungarischen Industrie- und Handelskammer (MKIK) an, die Kleinfirmen Steuererleichterungen im Wert von 70-80 Mrd. Forint bringen soll. Die Zinssenkungen im Rahmen des Programms der Széchenyi-Karte kosten den Fiskus 2026 sogar rund 300 Mrd. Forint, weitere Vergünstigungen über das Demján-Programm 130 Mrd. Forint. Diese Wahlversprechen hätten den Preis, das Defizitziel von 3,7% auf 5% am BIP anzuheben.

Der Ministerpräsident wiederholte seine These, der Ukraine-Krieg bremse Ungarns Wirtschaftswachstum aus. Nichtsdestotrotz verteidige seine Regierung den Realwert der Renten. Auf die Kritik, die Durchschnittsrente erreiche nur 53% des Durchschnittslohns, erwiderte Orbán, er orientiere sich nicht an den Löhnen, sondern an den Preisen. Kein Rentner lebe heute schlechter als 2010, viele leben besser. Nachdem der Fidesz den Rentnern den 13. Monatsbezug zurückgab, beginnt 2026 die Ausschüttung einer 14. Monatsrente – zunächst anteilig für eine Woche.

„Ich debattiere nicht mit Statthaltern“

Zu den Chancen des Fidesz bei den Parlamentswahlen 2026 meinte der Premier, ein Gros der Wähler hätte 2010 auf seinen Verstand gehört und Fidesz-KDNP zurückgeholt in die Regierungsverantwortung. „Ich denke, ein großer Teil der Wähler wird auch jetzt wieder zu uns halten, weil sie ihren Verstand benutzen.“ Eine TV-Debatte mit Péter Magyar von der Tisza-Partei lehnte Orbán erneut ab, weil sein wahrer Herausforderer die EU-Zentrale in Brüssel sei. „Die Tisza ist ein Projekt aus Brüssel, wird von dort finanziert und am Leben gehalten, wer die Tisza wählt, wählt Brüssel.“ Deshalb führe er seine Debatten nur mit dem „Schlangenkopf“, nicht mit den Statthaltern in Ungarn. Die Frage, ob Magyar ein würdiger Herausforderer sei, sollte der ATV-Reporter dessen Ex-Frau (der vormaligen Justizministerin Judit Varga) stellen.

2 Antworten auf “„Die Wähler hören auf ihren Verstand“

  1. Herr Orban linke Wähler haben gar keinen Verstand, wie man in Deutschland gut sieht. Schon an den Unis indoktriniert und geistig versklavt bringen sie nur zum Ausdruck für was sie programmiert sind. Deshalb gibt es auch kaum noch Fortschritt in der Politik, da es nur noch um die linke Einstellung geht.

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