Foto: MTI / György Varga

Impfpflicht

Der große Streit

In Ungarn stellt sich immer wieder die Frage, ob alle Pflichtimpfungen für Kinder notwendig sind.
16. November 2025 9:38

Impfgegner demonstrierten Ende Oktober mit dem Ziel, Pflichtimpfungen im Kindesalter optional zu machen, schrieb das Nachrichtenportal index.hu. In Ungarn sind derzeit Impfungen gegen zwölf Krankheiten Pflicht. Diese Regelungen basieren auf über 70 Jahren Erfahrung, betont das Nationale Zentrum für öffentliche Gesundheit (NNGYK). Das bestehende Impfsystem ist seit 1954 in Kraft und wurde kontinuierlich an die epidemiologische Lage angepasst. Dank Impfungen sind schwere, oft tödliche Krankheiten wie Kinderlähmung und Diphtherie in Ungarn praktisch verschwunden.

Entscheidungsfreiheit der Eltern beschränkt

Laut Behörden unterstütze die ungarische Ärzteschaft einhellig das Impfsystem und sei sich der Bedeutung von Impfungen und ihrer Rolle für die öffentliche Gesundheit bewusst. Die impfkritischen Ansichten einiger Ärzte stehen im Widerspruch zur Position der Ärzteschaft insgesamt. Das NNGYK erklärt, dass die Frage der Pflichtimpfungen eine medizinische und gesundheitspolitische Angelegenheit sei. Das Verfassungsgericht habe in mehreren Urteilen festgestellt, dass der Staat die verfassungsrechtliche Pflicht habe, die Gesundheit von Kindern zu schützen, und dass zu diesem Zweck – auch im Hinblick auf den Schutz der Allgemeinheit – die Entscheidungsfreiheit der Eltern bei Pflichtimpfungen eingeschränkt werden könne. Fehlende Impfungen gefährdeten nicht nur die betroffene Person selbst, sondern auch deren Umfeld.

Gegenargumente

Befürworter von freiwilligen Impfungen argumentieren, dass in 17 EU-Ländern keine Impfpflicht besteht. Die Impfprogramme variieren innerhalb der EU und des EWR hinsichtlich des Alters, der Anzahl der Impfdosen oder der Impfstoffkombinationen. Die Mitgliedstaaten haben sowohl durch verpflichtende als auch durch freiwillige Impfungen hohe Impfquoten erreicht. Die Regelungen zur Impfpflicht hängen vom jeweiligen Rechtssystem, den Traditionen, der Struktur und der Finanzierung des Gesundheitssystems ab.

Anhaltend hohe Impfskepsis im Internet

In Ländern, in denen Impfungen empfohlen werden, bedeutet dies nicht, dass diese gänzlich abgelehnt werden können. Dort können laut NNGYK Bedingungen wie die Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen gelten, die neben dem individuellen Schutz auch den Schutz der Gemeinschaft gewährleisten. Darüber hinaus passen diese Länder ihre Impfempfehlungen an die sich ändernde epidemiologische Lage an und machen Impfungen gegen bestimmte Krankheiten gegebenenfalls verpflichtend. Jüngst haben Deutschland, Italien und Frankreich aufgrund der Masern-Epidemie in Europa Impfungen zum Schutz von Kindern gesetzlich vorgeschrieben. Laut der Behörde ist das Vertrauen in und die Unterstützung für verpflichtende und freiwillige Impfungen, z. B. die HPV-Impfung, in Ungarn trotz der anhaltend hohen Impfskepsis im Internet weiterhin hoch.

9 Antworten auf “Der große Streit

  1. Warum werden zur Bewerbung von Impfungen eigentlich immer nur die GEFAHREN an die Wand gemalt, die durchaus schlimm sein können, aber das meist sehr geringe RISIKO für eine schwere Erkrankung verschwiegen? Ganz einfach: Impfungen sind ein immenses Geschäft, und um sie zu verkaufen oder einen Zwang zu rechtfertigen, muss Angst geschürt werden.

    Als Beispiel verweise ich gerne auf Tetanus: Daran erkranken in Deutschland pro Jahr gerade einmal 15 Menschen, obwohl 40.000.000 nicht dagegen geimpft sind. Auch ich habe das Risiko früher deutlich höher eingeschätzt und mich impfen lassen, aber seit ich diese Zahlen kenne, pfeife ich darauf. Besser das Immunsystem stärken!

    Wer sich über die Notwendigkeit einer Impfung gegen andere Krankheiten (z.B. Masern, die ich selber als Kind gleich zweimal folgenlos überstanden habe) informieren möchte, sollte das Buch “Die Impf-Illusion” von Dr. Suzanne Humphries und Roman Bystrianyk lesen, das eine Menge aussagekräftige Statistiken enthält.

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  2. Ich bin auch dafür, dass das jeder selber entscheiden sollte. Allerdings sollte er bei einer Erkrankung dann auch die zusätzlich medizinische Kosten und ggf. anteilig die daraus entstehenden gesellschaftlichen Folgekosten bei einer Epidemie tragen. Beides muss natürlich nachgewiesen werden. Ich habe mich, nebenbei bemerkt, nicht gegen Covid impfen lassen.

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  3. Vorwärts, zurück ins Mittelalter !

    Wer schon einmal z.B. die Folgen einer Pockenerkrankung gesehen, der weiß das Impfungen sehr wichtig sind.

    Impfungen verhindern nicht nur persönliche Krankenfälle, sondern verhindern auch das ganze Gesellschaften durch Ansteckungen erkranken und Epidemien verhindert werden.

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    1. Ihre Naivität und/oder Begriffsstutzigkeit ist beeindruckend!
      Ich habe doch gerade geschrieben, dass es eben nicht um die FOLGEN (= Gefahr) gehen sollte, sondern um die WAHRSCHEINLICHKEIT, eine Krankheit überhaupt zu bekommen bzw. an ihr zu sterben (= Risiko).
      Wieviele nachweisbare Pockentote hat es denn bei Beginn der entsprechenden Impfungen gegeben und wieviele Menschen wurden erst durch die Impfung damit infiziert?
      Lesen Sie einfach mal das genannte Buch statt unwissend in die Panikmache einzustimmen!

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      1. Danke für die Blumen.

        Meine Erfahrungen, die meiner Familie und meines Freundeskreises sind bezüglich Impfungen absolut positiv. Wir sind alle froh das es sie gibt und haben bisher davon profitiert.

        Die Anschuldigung Naivität und Panikmache gebe ich Ihnen gern zurück, hatte mir verboten diese zu benutzen, aber wie Sie wollen.

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    2. Ich habe nicht gesagt, dass ich jede Impfung ablehne. Ich bin einfach nur für mehr Eigenverantwortung. Wenn jemand sich einem tödlichen Risiko aussetzen will, dann muss er halt persönlich und nicht die Gesellschaft die Konsequenzen tragen. Es gibt jedoch auch Impfungen (z.B. Grippe), die für mich selber nicht infrage kommen, da mein Immunsystem noch ordentlich funktioniert. Außerdem ist die Wirksamkeit nachweislich sehr schlecht. Das hier zu erklären, würde zu weit führen. Meine Mutter hat sich immer gegen Grippe impfen lassen, sie hat sie aber fast jedes Jahr bekommen und musste das Bett hüten. Ich selber wurde zu 90 % verschont. Um nur ein Beispiel zu nennen.

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      1. Man läßt sich ja nicht nur für sich selbst impfen, sondern schützt auch andere Personen dadurch. Eigenverantwortung ist manchmal nicht genug.

        Die Grippeimpfung wird jedes Jahr gegen einen anderen/einzigen Erreger aufgelegt. Es gibt aber mehrere die Grippe auslösen können.
        Erwischt man zufällig gerade den der nicht durch die Impfung abgedeckt ist, dann hat man ein Problem.
        (Wahrscheinlich ist es einfach unmöglich mit einer Impfung auf einmal alle Erreger auszuschalten.)

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  4. Angesichts der Sympathie Ungarns zu den USA hoffe ich, dass die hiesigen Verantwortlichen auch in dieser Frage mal “über den großen Teich” blicken:

    Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) hat kürzlich ihre offizielle Position dazu, ob Impfstoffe Autismus verursachen können, geändert. In einer am 19. November 2025 online gestellten Aktualisierung ihrer Website (https://www.cdc.gov/vaccine-safety/about/autism.html) erklärt die Behörde nun, dass die seit langem vertretene

    Behauptung, Impfstoffe verursachten keinen Autismus, „nicht evidenzbasiert“

    sei. Sie räumt ein, dass „Studien, die einen Zusammenhang belegen, von den Gesundheitsbehörden ignoriert wurden”.

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