Fidesz kontra Tisza:
„Da kommen die Bankrotteure“
Dem langjährigen Mitstreiter des Fidesz und heutigen Tisza-Chef warf der Fraktionsvorsitzende nun vor, er sei nie ein „Rechter“ gewesen, denn er entstamme einer Familie von SZDSZ-Politikern. „Das sind jene Liberalen, die vor 2010 Ungarn quasi in den Bankrott getrieben haben“, meinte Kocsis.
Der Mann hinter Republikon
So wie jener Gábor Horn, der zur Zeit der sozialistisch-liberalen Koalitionsregierungen als Staatssekretär im Ministerpräsidentenamt tätig war und heute das Meinungsforschungsinstitut Republikon leitet. „Dieser gescheiterte Politiker kehrt nun als Fälscher von Meinungsumfragen zurück, der Péter Magyar und der Tisza-Partei bereitwillig bescheinigt, sie würden den Fidesz überholt haben.“ Das habe der Tisza-Chef so sehr verinnerlicht, dass er nun in allen Wahlkreisen, die er im Lande bereist, behauptet, den Fidesz zu schlagen.
Allerdings habe Horn dieses Konzept unterlaufen, als er nun im liberalen Nachrichtenfernsehen ATV einräumte, Einzelwahlkreise ließen sich nicht messen, da die Tisza ja noch gar keine Kandidaten benannt hat. „Das war ein Tritt vors Schienbein, dafür wird man den Republikon-Direktor in der Tisza-Partei nicht auf Händen tragen.“ Es liege am Fidesz, vor einer Rückkehr des unsäglichen SZDSZ in die Landespolitik zu warnen. Die jüngeren Leute wüssten schließlich nicht, welchen Schaden diese Liberalen vor 2010 anrichteten.
Absurde Umstände für Duelle
Auf die Kritik, der Fidesz stelle sich keinen Rededuellen mit der Opposition, erinnerte Kocsis an das bislang einzige Streitgespräch, das sich um das Gesundheitswesen drehte. Dabei habe Staatssekretär Péter Takács klar gegen den Europaabgeordneten der Tisza, András Kulja, gewonnen. Eigentlich wollte der Tisza-Vize Zoltán Tarr ihn, Máté Kocsis, auf der Sommeruni in Siebenbürgen herausfordern, doch Tarr sagte im letzten Moment ab – womöglich zurückgepfiffen von seinem Chef. Derweil fordere Péter Magyar den Ministerpräsidenten beinahe täglich zum Duell heraus, was unter solchen Umständen absurd erscheint. „Zum einen treten nicht einmal die Fachpolitiker gegeneinander an. Und zum anderen hat der Ministerpräsident klargestellt, er debattiert nicht mit Péter Magyar, sondern mit dessen Frauchen und Herrchen in Brüssel, Ursula von der Leyen und Manfred Weber.“
Nézőpont: Tisza ist keine echte Partei
Zu all jenen Sonntagsfragen, bei denen die Tisza-Partei angeblich vorne liegen soll, merkt das Nézőpont-Institut an, „aus der digitalen Bewegung wurde auch nach anderthalb Jahren keine echte Partei“. Die „permanente Kommunikationsoffensive“, die „One Man Show“ des Parteichefs Péter Magyar werde nicht davon begleitet, Strukturen einer professionellen Partei aufzubauen. Für das regierungsnahe Forschungsinstitut verkünde ein politisches Scheitern, dass „nicht die Tisza-Partei einen Vorsitzenden hat, sondern der Vorsitzende eine Partei“, die noch dazu nur aus zwei Dutzend Mitgliedern bestehe.
Für die derzeit mit Abstand größte Oppositionsbewegung sei der konfrontative Kommunikationsstil des Parteichefs brisant, Magyar sei inkonsequent und unberechenbar. Die Nominierung der Kandidaten für die Einzelwahlkreise verzögere sich nun bis November – dabei forderte die Tisza schon zu Jahresbeginn vorgezogene Neuwahlen. Laut Nézőpont-Institut handelt sich die Tisza damit einen klaren Nachteil nicht nur gegenüber dem Fidesz, sondern auch gegenüber der DK ein, deren Kandidaten weitgehend bekannt sind. Die liberale Opposition betrachtet in ihrem Streben nach einem Regierungswechsel Péter Magyar als das notwendige kleinere Übel.

