Corona
Die allgemeine Maskenpflicht für Großveranstaltungen galt eigentlich auch für das „Derby“ in der Fußballmeisterschaft, (Fradi-Újpest 2:0), zu dem am Wochenende 16.000 Fans in die Groupama-Arena strömten. In dem zu drei Vierteln gefüllten Stadion war an die Einhaltung von Corona-Abstandsregeln aber nicht zu denken. Foto: MTI/ Szilárd Koszticsák

Neues von der Coronavirus-Front

Automatische Quarantäne für Heimkehrer

Auf seiner Sitzung am Montag hat das Parlament vereinfachte Corona-Regeln beschlossen. Ziel ist es, den administrativen Aufwand bei der Durchsetzung der Quarantänepflicht zu senken. Wer aus dem Ausland nach Ungarn einreist, muss sich ab heute automatisch und per Gesetzeskraft in Quarantäne begeben.

Das Parlament hat mit sofortiger Wirkung strengere Corona-Regeln zur Quarantänepflicht getroffen. Weil die Behörden mit der amtlichen Anordnung der Quarantäne nicht mehr hinterherkamen, gilt ab sofort für jeden, der aus dem Ausland nach Ungarn einreist, eine Quarantänepflicht.

Bis zu 600.000 Ft bei Verstößen gegen aktuelle Corona-Regeln

In der Praxis bedeutet dies, dass man bei der Einreise dem Polizisten mitzuteilen hat, wohin man sich in Quarantäne begeben will. Im Besitz eines Smartphones ist zudem eine App zu aktivieren, mit deren Hilfe die Polizei die Einhaltung der Vorschriften kontrollieren kann.

Wer keine anderen Kontrollmöglichkeiten für die Behörden einräumt, muss erdulden, dass die Polizei sogar in der Wohnung Nachprüfungen anstellen kann. Verstöße gegen die Quarantänevorgaben werden mit Ordnungsstrafen bis zu 150.000 Forint geahndet. Diese können auch gehäuft verhängt werden – bis zu einem Höchstbußgeld von 600.000 Forint am Tag!

Mehr Bettenkapazitäten für Corona-Patienten

Gesundheitsminister Miklós Kásler hat zudem die in den Kampf gegen das SARS-CoV-2 involvierten Kliniken angewiesen, ihre Bettenkapazitäten für Corona-Patienten von bislang 20% bis zum Freitag dieser Woche auf 30% zu steigern.

Außerdem öffnen sich sechs weitere Krankenhäuser im Lande für die Behandlung von Corona-Patienten. Sie befinden sich in Vác, Cegléd, Esztergom, Hatvan, Baja und Orosháza. Die mobile Covid-19-Klinik in Kiskunhalas wird demnächst an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Sie gilt als zentrale Anlaufstelle für Patienten aus drei Komitaten, unter 150 Bettenplätzen befinden sich 40 Intensivbetten. In der mobilen Klinik arbeitet medizinisches Personal aus einem halben Dutzend Städten, darunter aus Szeged, Kecskemét und Békéscsaba.

Bei der Todesrate auf Platz 3

In den letzten zwei Wochen ist die Covid-Todesrate Ungarns mit 5,2 Sterbefällen je 100.000 Einwohner auf Platz 3 in Europa hinter Tschechien und Belgien „vorgerückt“. Österreich, mit dem sich Ungarn laut Ministerpräsident Orbán „auf Augenhöhe“ befinde, weist nur ein Viertel dieser Sterbeintensität aus, Deutschland hingegen weniger als ein Zehntel.

Während der zweiten Welle sterben seit Mitte Oktober täglich drei Mal so viele Ungarn an der Virusinfektion, wie auf dem Höhepunkt der ersten Welle im April. Allein in den letzten zwei Wochen haben sich bereits über 20.000 Ungarn angesteckt. Aktuell befinden sich 2.600 an Covid-19 Erkranke in Krankenhäusern, darunter 233 an Beatmungsgeräten.

Mit Remdesivir geheilt

Die erste Covid-Patientin, die mit dem von Richter entwickelten Medikament Remdesivir behandelt wurde, konnte jetzt die Covid-Spezialklinik der Semmelweis-Universität geheilt verlassen. Es handelt sich um eine 75-Jährige, die Mitte Oktober im kritischen Zustand, mit schwerem Husten, Atemnot und Lungenentzündung eingeliefert wurde.

Bei dieser Patientin kam eine sogenannte „kombinierte Therapie“ zum Einsatz. Neben Remdesivir erhielt sie auch Steroide und Vitamine, Sauerstoff und Medikamente zur Vorbeugung einer Thrombose. Nach elf Tagen konnte sie die Klinik verlassen. Richter stellt das Medikament im Auftrag der Regierung her. Das Medikament kommt derzeit allerdings nicht in den Handel.

Verletzung von Abstandsregeln bei Fußballspiel 

Am Wochenende kam es in der Budapester Groupama-Arena zu massiven Verletzungen der Abstandsregeln. Die Infektiologin Erzsébet Pusztai kritisierte das im Nachrichtenfernsehen ATV mit harten Worten. „Ich kann verstehen, dass die Regierung keinen harten Lockdown wie im Frühjahr will. Aber die Covid-Abwehr muss funktionieren. Massenveranstaltungen dürfte es derzeit nicht geben. Es ist ein Skandal, dass beim Fußballschlager Fradi-Újpest am Wochenende viele der 16.000 Zuschauer ihre Gesichtsmasken nicht richtig oder überhaupt nicht trugen. Vielerorts werden in Europa überhaupt keine Zuschauer in die Stadien gelassen.”

Ein Gedanke zu “Automatische Quarantäne für Heimkehrer

  1. In der aktuellen BZ-heute lese ich:

    Neue Einreisebestimmungen
    DUIHK: Entwarnung!
    Das am Dienstag in Kraft getretene Gesetz Nr. CIV von 2020 „automatisiert“ zwar die Anordnung und Durchführung der Quarantäne, aber nur für diejenigen Einreisenden, die laut Gesetzeslage tatsächlich in Quarantäne müssen. Da die entsprechenden Regierungsverordnungen 408/2020 vom 30. August und 422/2020 vom 4.September weiterhin gelten, sind auch die bisherigen Ausnahmeregelungen unverändert in Kraft. So werden u. a. Geschäftsreisende und Pendler von dem neuen Gesetz nicht berührt. „Wir haben die neue gesetzliche Lage von mehreren Juristen prüfen lassen und können hundertprozentig feststellen, dass die bisherigen Ausnahmeregelungen für die betroffenen ungarischen und ausländischen Staatsbürger weiterhin gelten“, bestätigte DUIHK-Sprecher Dirk Wölfer auf Nachfrage der Budapester Zeitung.

    GESCHÄFTSREISENDE UND PENDLER KÖNNEN ALSO DIE UNGARISCHE GRENZE RELATIV PROBLEMLOS PASSIEREN, WÄHREND FAMILIENVÄTER/MÜTTER EINE LANGE QUARANTÄNE ABSOLVIEREN MÜSSEN, WENN SIE ZU IHREN KINDERN ODER EHEPARTNER WOLLEN ODER MÜSSEN. SO EIN SCHEISS !!!! ES FUNKTIONIERT ALSO GAR NIX, WENN SIE NUR WENIGE TAGE EINREISEN KÖNNEN. DA ES NUR WENIGE TESTKAPAZITÄTEN IN UNGARN GIBT, SIND SIE VERARSCHT. SIE KÖNNEN DIE QURANTÄNE IN DEN MEISTEN FÄLLEN NICHT VERKÜRZEN. FAMILIENFREUNDLICHKEIT SIEHT GANZ ANDERS AUS !

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