Tankstellen
Chaotische Preissprünge zu Neujahr
Zum 1. Januar setzte die Regierung unter Verweis auf EU-Bestimmungen eine massive Erhöhung der Verbrauchsteuer um 41 Forint durch. Wenngleich viele Experten auf den Umstand hinwiesen, Budapest besaß den Spielraum für eine deutlich weniger brutale Anhebung, zeigte sich die Politik ungerührt. Ein Blick auf den Staatshaushalt genügt, um diese harte Haltung nachvollziehen zu können: Bereits Ende September fehlten dem Fiskus 3.000 Mrd. Forint an einem ausgeglichenen Saldo.
MOL teilt die Steuererhöhung auf
Kurz vor Jahresende sorgte die MOL-Gruppe dann für eine faustdicke Überraschung: Der Großhändler und Betreiber des mit Abstand größten Tankstellennetzes im Lande kündigte an, die Hälfte der Steuererhöhung kurzfristig zu „schlucken“. Damit sich die Verbraucher besser an die neue Lage anpassen können, wolle man die Anhebung in zwei Stufen von 20 und 21 Forint vornehmen; die zweite Stufe sei für Mitte Januar geplant. Immerhin konnte MOL mit der Ankündigung der zweigeteilten Preiserhöhung verhindern, dass die Tankstellen am Jahresende einem außergewöhnlichen Ansturm ausgesetzt sind. Das hätte im schlimmsten Fall zu Versorgungsengpässen führen können, wie sie das Land 2022 häufiger erlebte.
(Fast) Alle machen notgedrungen mit
Die unabhängigen Tankstellenbetreiber sahen sich genötigt, diese Politik der MOL mitzugehen. Beobachter des Marktes entdeckten am 1. Januar in der Tat Zapfsäulen, wo der Literpreis über Nacht um 41 Forint angehoben worden war. Am 2. Januar aber hatten die meisten Betreiber diesen Preis bereits wieder um ca. 20 Forint nach unten korrigiert. In der gegenwärtig reichlich unübersichtlichen Lage warnt das Fachportal holtankoljak.hu, dass sich die Preise an den einzelnen Tankstellen noch markanter als gewohnt von den Großhandelspreisen absetzen können.
Preise wie in Österreich
Zu Jahresbeginn bewegten sich die Einzelhandelspreise im Schnitt um 560 Forint für den Liter Benzin bzw. um 600 Forint für den Liter Dieselkraftstoff. Dieses Preisniveau ist ungefähr identisch mit jenem der Nachbarn Österreich und Kroatien, etwas günstiger als in der Slowakei, aber liegt deutlich höher als in Slowenien und erst recht in Rumänien.
Bevor die MOL-Gruppe als tonangebender Marktakteur die zweite Hälfte der Steuererhöhung realisiert, stehen noch drei Preisschritte an: An diesem Freitag wird Diesel z. B. gleich um 10 Forint billiger, Benzin bleibt dieses Mal stabil im Preis. Beklagen müssen sich die Ungarn angesichts dieser Benzinpreise allerdings nicht; es sind abgesehen vom Stand zum Jahresende immer noch die niedrigsten seit Aufhebung des Preisdiktats am 6. Dezember 2022 – einzig im Mai 2023 wurden vergleichbar günstige Preise an den Zapfsäulen ausgewiesen.
