Bischof Zoltán Balog – hier bei einer Veranstaltung seiner Kirche Ende Januar – bat sich Bedenkzeit aus. Foto: MTI/ Robert Hegedüs

Begnadigungsskandal

Bischof im Visier

Nun hat auch der Reformierte Bischof Zoltán Balog um Verzeihung in dem Skandal um den begnadigten Endre K. gebeten. Für die Opposition ist das herzlich wenig, sie fordert den Rücktritt des früheren Ministers.
15. Februar 2024 9:20

Nach mehrstündigen Beratungen der Synode der Reformierten Kirche erklärte Bischof Zoltán Balog am Dienstagabend in einer Videobotschaft an die Mitglieder der Gemeinde, die versammelten Kirchenführer hätten ihm in geheimer Abstimmung mit 86% ihr Vertrauen ausgesprochen. Balog reagierte damit auf Anschuldigungen in den Medien, wonach die abgedankte Staatspräsidentin Katalin Novák die umstrittene Begnadigung auf seine Bitte hin vorgenommen hätte. Der Bischof erklärte, er habe kein Ersuchen im Interesse von Endre K. eingereicht, wurde jedoch in dem Fall um seine Meinung gefragt. „Ich habe damals auf der Grundlage der mir zur Verfügung stehenden Informationen jenen Standpunkt unterstützt, den Mann zu begnadigen. Ich gebe zu, dass ich mich darin geirrt und einen Fehler begangen habe. Ich bitte alle Betroffenen um Verzeihung.“

Rücktritt in Erwägung ziehen

Balog wies zugleich zurück, irgendeine Entscheidung in der Begnadigungssache getroffen zu haben. Für ihn stand die eindeutige Zurückweisung von Straftaten der Pädophilie nie zur Diskussion. Er werde sich wie in der Vergangenheit so auch in Zukunft für Menschen einsetzen, die um Gnade bitten, im vorliegenden Fall aber habe er seiner Kirche Schaden zugefügt, was er zutiefst bedauere. Seine guten Arbeitskontakte und menschlichen Beziehungen zu Katalin Novák seien weithin bekannt. Balog bezeichnete Novák als „treues Mitglied“ der reformierten Kirche, betonte aber zugleich ihre Souveränität bei allen Entscheidungen als Staatspräsidentin.

Ende 2020 überreicht die damalige Familienministerin Katalin Novák den neu gestifteten Batthyány-Preis an Zoltán Balog, den viele für ihren politischen Mentor halten. Foto: Sozialmedien/ Katalin Novák

Offenbar gehört Bischof Károly Fekete, der „zweite Mann“ der Reformierten Kirche, zur Minderheit von 14%, die Bischof Zoltán Balog das Vertrauen entziehen wollte. Am Mittwoch bat er Balog deshalb in einem Offenen Brief, den Rücktritt als Präsident der Synode in Erwägung zu ziehen.

Kein Wort der Vergebung an die Opfer

Die Opposition sparte nicht mit Kritik nach der Erklärung von Zoltán Balog. Die Momentum-Vorsitzende Anna Donáth sprach von einem „absurden und verlogenen Verfahren, unter Ausschluss der Öffentlichkeit“. Das erinnere sie doch sehr an den Begnadigungsskandal. „Wenn Balog nichts mit der Begnadigung von Endre K. zu tun hatte, dann hätte man sich die Abstimmung sparen können. Wenn er aber etwas damit zu tun hatte, dann müsste er zurücktreten“, formulierte die linksliberale Politikerin. Für die DK ist Zoltán Balog „unhaltbar“. Ihrer Spitzenkandidatin für die Europawahlen, Klára Dobrev, fiel auf, dass der Bischof, während er quasi seine Schuld eingestand, kein Wort der Vergebung an die Opfer richtete. Aus den Reihen der Párbeszéd schrieb die Fraktionsvorsitzende Tímea Szabó, der Reformierte Bischof sollte, statt Abstimmungen zu veranstalten, besser Verantwortung übernehmen.

„Der Inbegriff für Feigheit“

In den Augen der Jobbik ist Balog fortan „der Inbegriff für Feigheit und Schwäche“. Die Mitterechtspartei tat zudem verwundert, warum sich Ministerpräsident Viktor Orbán seit Tagen in Schweigen hülle. Der meldete sich tatsächlich erst am Mittwoch von der Regierungssitzung, aber nicht zu diesem Thema.

Sein Pressesprecher ließ zuvor immerhin wissen, alle von linken Medien verbreiteten Gerüchte seien „alberne Zeitungsenten“. Mehrere Portale behaupteten nach dem Wochenende, der Ministerpräsident halte Zoltán Balog für den eigentlichen Verantwortlichen im Begnadigungsskandal. Bertalan Havasi fügte hinzu: „Die Regierung und der Ministerpräsident respektieren die Autonomie der Kirchen und mischen sich nicht in deren Angelegenheiten ein.“

3 Antworten auf “Bischof im Visier

  1. Das wird jetzt von allen Oppositionsparteien hochgekocht, insbesondere von Gyurcsány. Die Ereignisse aus seiner Zeit als Ministerpräsident scheinen vergessen. Nun tun alle moralisch.
    Orbán kann nur schweigen, Fidesz den Ball flach halten und Balog sich kleinlaut entschuldigen. Wer wusste was?
    Linken ungarischen Gruppen ist bekannt, was die pädophile Lobby in der deutschen Grünen Partei so treibt?

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    1. Die Rücktritte sprechen hundertprozentig FÜR die amtierenden Politiker und die Moral der betroffenen Partei.
      Es ist ein Fehler gemacht worden, er wurde eingesehen und man hat darauf maximal reagiert.
      DAS möchte ich erstmal bei anderen Parteien sehen, die jetzt den Mund groß aufreissen.

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