Coronavirus
Auf Augenhöhe mit Österreich
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In einer neuen Regierungsverordnung wurde die Maskenpflicht mit sofortiger Wirkung zum Nationalfeiertag vom 23. Oktober verschärft. Masken müssten nun auch bei allen Sport- und sonstigen Veranstaltungen im Freien getragen werden. Die Neuregelung kam offenbar so plötzlich, dass Kanzleramtsminister Gergely Gulyás nochmals bekräftigte, er sehe kein erhöhtes Ansteckungsrisiko unter Fußball-Fans, Gesundheitsminister Miklós Kásler ein Interview gab, bei dem er dem Journalisten unmittelbar gegenübersaß, und die erste Auszeichnungsrunde staatlich Geehrter im Gedenken an die Revolution ohne Masken geschah.
Ministerpräsident Viktor Orbán hat sich nach einer Sitzung des Krisenstabs am Freitag für die Einhaltung der strengeren Regeln zum Maskentragen ausgesprochen. Er habe den Innenminister angewiesen, „über Rechtsnormen zu erreichen, dass das Tragen von Masken zur allgemeinen Norm wird“. Orbán verglich Ungarn einmal mehr mit Österreich, mit dem man sich in der Corona-Krise „auf Augenhöhe“ befinde. Das Gesundheitswesen stehe seinen Mann; rund 50 Kliniken wurden zur Abwehr der Pandemie ausgewählt, die aktuell bereits rund 2.500 Corona-Patienten betreuen.
Am Wochenende schossen die Pandemiezahlen weiter in die Höhe: Vom Samstag zum Sonntag wurden 3.150 Neuinfektionen registriert, fast die Hälfte mehr, als bislang binnen 24 Stunden maximal an positiven Tests erfasst worden waren. Damit wurde das neuartige Coronavirus bereits bei nahezu 60.000 Ungarn nachgewiesen. Dank erweiterter Kapazitäten wurden zwar an einem einzigen Tag 19.000 Tests vorgenommen, der Anteil positiver Tests erreichte mit 16,6% dennoch einen neuen Rekordstand. Gestorben sind an und mit Covid-19 mittlerweile 1.425 Ungarn; im Schnitt der letzten Woche waren es täglich bereits 40 und damit wieder doppelt so viele, wie noch Mitte Oktober! Unter den Corona-Toten befindet sich auch ein Klinikdirektor: Der 66-jährige Gusztáv Adorján leitete das Komitatskrankenhaus Szabolcs-Szatmár-Bereg in Nyíregyháza, das als eine zentrale Anlaufstelle für Corona-Patienten im Nordosten des Landes dient. Nachdem er sich mit dem neuartigen Coronavirus infizierte, gelangte Adorján Anfang Oktober in einen kritischen Gesundheitszustand, weshalb er fortan in Budapest behandelt wurde. Etwas Hoffnung macht die Belastung des Abwassers: Die Nachweise des SARS-CoV-2-Virus stagnierten in der 42. Kalenderwoche in der Hauptstadt und landesweit, wobei südlich der Linie Zalaegerszeg-Veszprém-Szolnok-Debrecen schon zuvor niedrige Konzentrationen gemessen wurden.
