Opposition
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Der Vorsitzende der Zentrumspartei 2RK, Gábor Vona, war 2018 als Spitzenkandidat der rechten Jobbik angetreten, das Orbán-System abzulösen. Nach seiner Wahlniederlage zog Vona die Konsequenzen, trat zurück und war seither als politischer Analyst tätig, bevor er eine neue Partei gründete. Im damaligen Wahlkampf führte Vona den Begriff von der „alten“ und der „neuen“ Opposition ein, wobei er jedoch die Grenze mit der Jahrtausendwende zog.
Vom Fidesz-Nektar beträufelt
„Die alte Opposition des 20. Jahrhunderts waren die MSZP und die von den Sozialisten abgespaltene DK, die Opposition des 21. Jahrhunderts waren Jobbik, LMP und Momentum“, erläutert Vona. Genauso wie die Tisza-Partei seien die drei genannten Formationen der „neuen“ Opposition gegen das Orbán-System entstanden. Den Machtanspruch von Péter Magyar, mit der Tisza im Alleingang gegen den Fidesz siegen zu wollen, wies Vona mit den scharfen Worten zurück: „Wir sind sehr viele, die schon vor Jahren die neue Opposition repräsentierten, als Magyar noch das Orbán-System stützte. Ich verstehe ja, wenn er heute die größte Unterstützung der Wähler im Oppositionslager hat, aber deshalb muss er nicht die Klappe so weit aufreißen.“
Es gehöre schon viel Unverschämtheit dazu, wenn einer, der über lange Jahre vom Fidesz-System in vorderster Reihe profitierte, sich heute hinstellt und behauptet, ihn habe das Gift des Orbán-Systems nicht infizieren können. „In der Tat wurde nicht Magyar vergiftet, sondern die Opposition des Fidesz, während er sich mit dem Nektar von Positionen in Aufsichtsräten beträufeln ließ.“ Vona gestand Magyar gleichzeitig zu, wandlungsfähig zu sein. Die anderen aber „in die Pfanne zu hauen“, nachdem er selbst erst sehr spät „zur Besinnung“ kam, sei ein starkes Stück.
Keine kollektive Verantwortung
Auch die vormalige MSZP-Vorsitzende Ágnes Kunhalmi meldete sich zu Wort: „So wie es keine kollektive Verantwortung im bürgerlichen Lager gibt, so gibt es auch keine kollektive Verantwortung im Oppositionslager.“ Die Sozialistin warb darum, auch jenen eine weitere Chance zu geben, die „in den letzten 15 Jahren mit Anstand gegen das Fidesz-System kämpften“. Sie selbst habe in ihrem Wahlkreis (im 18. Bezirk von Budapest) mehrmals gegen den Fidesz gewonnen. Freilich hatte Péter Magyar Politiker wie Kunhalmi im Visier, als er unlängst einwarf: „In Budapest hätte 2022 sogar eine Flasche Mineralwasser mit Oppositionslogo gegen den Fidesz gewonnen.“
