Coronavirus

Minister spricht von Fiktion

Die MSZP hat ihre Vorwürfe mit einem Video untermauert, wonach die „unmenschliche“ Entscheidung des HR-Ministers Miklós Kásler bezüglich der dringenden Räumung von Klinikbetten zum Tod zahlreicher alter und gebrechlicher Menschen geführt habe. In dem Video bezieht eine Pflegerin Stellung, die drei konkrete Todesfälle benennt und von neun Toten weiß. Der für das Gesundheitswesen zuständige Minister Kásler hatte sämtliche Krankenhäuser wegen der Corona-Pandemie angewiesen, bis zu 60% ihrer Betten zu räumen. Die Frist war ursprünglich so eng bemessen, dass viele Patienten unter skandalösen Umständen nach Hause geschickt wurden. Zwei Klinikdirektoren, die sich der ministeriellen Anweisung widersetzten, wurden von Kásler gefeuert.

Auf einer Pressekonferenz am Freitag bestritt der Minister zum wiederholten Male sämtliche Vorwürfe von Seiten der Opposition, die ihn nur deshalb attackiere, weil er ein bekennender Gläubiger und Ungar sei. Es sei nichts als eine Fiktion, dass krebskranke Menschen während der Corona-Krise nicht behandelt wurden, sagte Kásler dem staatlichen Kossuth-Radio am Sonntag. Er beschrieb, welche Möglichkeiten die Patienten und ihre Angehörigen hätten, um Einspruch zu erheben – ihm seien landesweit nur 16 Reklamationen bekannt (bei seinem Ministerium landete keine einzige), denen nachgegangen wurde.

Die Infektionswelle klingt derweil auch in Ungarn ab; bei mehr als 4.000 Infizierten sind rund 550 Todesopfer zu beklagen. Im Gegensatz zu internationalen Trends dominierten hierzulande mit 58% die Frauen. Erklären lässt sich dies mit ihrer deutlich höheren allgemeinen Lebenserwartung, denn 25% der Corona-Infektionen trafen Menschen zwischen 65 und 80 Jahren, weitere 20% über 80-Jährige. Gemessen an den Einwohnerzahlen liegt Budapest (108 Infektionen auf 100.000 Bewohner) nur noch knapp vor den Komitaten Zala, Komárom-Esztergom und Fejér (96, 94 bzw. 89).

Schreibe einen Kommentar