Die MTI-Graphik zeigt die Entwicklung des BIP seit 2008 (Veränderung zum Vorjahr bzw. zum gleichen Vorjahresquartal).

Wachstum

Am Anfang einer V-Kurve?

Das Zentralamt für Statistik (KSH) hat vor Pfingsten die erste Schätzung für das Wirtschaftswachstum im I. Quartal bestätigt, allerdings auf die erhöhten Risiken der Daten infolge der Corona-Krise hingewiesen. Dementsprechend könnte es bei späteren Revisionen zu deutlicheren Korrekturen der jetzt vorgestellten Werte kommen. Die Wirtschaftsleistung lag demnach im Zeitraum Januar-März noch um 2,2% über dem Vorjahresniveau, saisonal und nach Kalendertagen bereinigt um 2,0%, während sie gegenüber dem IV. Quartal bereits um 0,4% zurückging.

Das Baugewerbe trug zu Jahresbeginn noch überdurchschnittlich zum Wachstum bei (+3,0%), der Ausstoß der Industrie nahm um 1,7%, jener des verarbeitenden Gewerbes noch um 1,3% zu, die Landwirtschaft schrumpfte bereits (-0,6%). Innerhalb des Dienstleistungssektors (+2,4%) erwiesen sich die ITK-Branche (+8,8%) bzw. Handel und Gastgewerbe (+5,0%) als Konjunkturlokomotiven. Der Privatverbrauch legte ähnlich dynamisch wie im vergangenen Jahr gewohnt zu (+5,0%), bei den Investitionen gab es jedoch einen brutalen Rückschlag (-2,6%). Daneben fielen auch die Ausfuhren zurück (-0,5%), die Einfuhrseite nahm aber weiter zu (+1,3%). So hat der sinkende Außenbeitrag das BIP allein um 1,6% in den Keller gezogen.

Unterm Strich wurde das Wachstum im I. Quartal, als sich die Corona-Krise hierzulande erst entfaltete, wie gehabt durch den Inlandsverbrauch getragen. Der Beitrag der Industrie fiel stärker aus, als aufgrund der Monatszahlen zu erwarten gewesen wäre. Die Baukonjunktur bremste heftig ab, und auch der Dienstleistungssektor hat seit drei, vier Jahren nicht mehr so schwach abgeschnitten. Die Bauchlandung bei den Investitionen lässt sich jedoch kaum auf das Virus zurückführen – hier dürften die gebremsten (staatlichen) EU-Projekte, ähnlich wie schon 2016 erlebt, durchgeschlagen haben.

Für das II. Quartal erwarten nunmehr alle Akteure einhellig eine auch auf Jahresebene sinkende Wirtschaftsleistung. Die große Frage stellt sich hinsichtlich der Fortsetzung im II. Halbjahr. Die ungarische Wirtschaftspolitik strebt eine V-Kurve an und setzt für Privatverbrauch und Investitionen entsprechende Impulse, hat aber keinen Einfluss auf die Situation auf den Außenmärkten.

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