Im Beethoven-Museum im Schloss von Mártonvásár wird an die Beziehung des deutschen Komponisten zur Familie Brunswick erinnert. Fotos: BZ / Jan Mainka

250. Geburtstag von Theresia Brunswick

Beethoven-Freundin und Kindergartengründerin

Theresia Brunswick wurde am 27. Juli 1775 in Pressburg (heute Bratislava) geboren. Sie ging als Gründerin der ersten Kindergärten in Ungarn in die Geschichte ein.

Theresia Brunswick stammte aus einer Adelsfamilie. Ihr Vater war der junge Graf Anton Brunswick (1746–1793), Landwirt und Schriftsteller, ihre Mutter Baronin Anna Seeberg (1752–1830). Das Paar hatte vier Kinder: Theresia, Franz (1777–1849), Josephine (1779–1821) und Karoline (1782–1843). Die Mutter war eine Hofdame von Kaiserin Maria Theresia. Diese war es auch, die die Ehe zwischen den Beiden arrangierte. Das 1775 geborene Kind erhielt von seiner Patin den Namen Theresia.

Theresia Brunswick sprach und schrieb mehrere Sprachen, darunter Französisch, Englisch und Italienisch, und zeigte auch in der Malerei und im Zeichnen herausragendes Talent. Sie spielte hervorragend Klavier, rezitierte und schrieb deutsche Gedichte.

Porträt von Theresia Brunswick auf einem Schnitt von István Szinay aus dem Jahr 1860.

Klavierunterricht durch Ludwig van Beethoven

Seit dem Sommer 1799 standen sie und ihre Schwester Josephine in enger Verbindung mit Ludwig von Beethoven. Bereits bei ihrer ersten Begegnung beeindruckte sie den nur fünf Jahre älteren Pianisten und Komponisten mit ihrem Klavierspiel so sehr, dass er den beiden Schwestern fortan kostenlos Klavierunterricht gab. Er, der das Unterrichten eigentlich hasste, ging im Sommer 1799 jeden Nachmittag zu den Brunswicks und verbrachte Stunden damit, das Klavierspiel der beiden jungen Frauen zu perfektionieren.

Beethovens auch von Liebesgefühlen motivierte Annäherungsversuche führten jedoch nicht zu einer Heirat, da die Mutter Brunswick eher Beziehungen zu wohlhabenden adeligen Freiern knüpfte, um die gesellschaftliche Stellung ihrer Töchter zu sichern.

Dennoch blieben die beiden Töchter aber auch ihr Bruder Franz und insbesondere Josephine in enger Verbindung zu Beethoven. Dies manifestierte sich unter anderem in der Widmung von Werken wie der Sonate op. 57 („Appassionata”) an Franz und der Sonate op. 78 an Theresia. Während frühere Forschungen Theresia als Autorin der Liebesbriefe an den Komponisten sahen, deuten neuere Entdeckungen jedoch eher auf ihre Schwester Josephine hin. Die Tagebücher der Brunswick-Schwestern sind bis heute wichtige Quellen für die Beethoven-Forschung.

Liebesbrief an Beethoven: Die genaue Autorschaft dieses und weiterer Briefe aus der Feder einer der Brunswick-Schwestern ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt.

Der Engelsgarten von Buda

Nach dem frühen Tod ihres Vaters Anton Brunswick lebte Theresia mit ihrer Mutter in Ungarn und dann in Wien. Später lebte sie mit ihrer Schwester, der verwitweten Gräfin Josephine Deym, geborene Brunswick (1779–1821), und deren beiden Söhnen in Russland und der Schweiz. In Yverdon lernte sie Johann Pestalozzi kennen, der sie stark beeinflusste. Später übernahm sie die Erziehung und Ausbildung der Kinder ihrer Schwester in Böhmen und zog anschließend nach Buda.

Dort gründete sie am 1. Juni 1828 den ersten Kindergarten Ungarns und überhaupt innerhalb der Habsburger Monarchie. Die damals sogenannte „Kleinkinderschule” oder auch „Kleinkinderbewahranstalt” eröffnete sie im Budaer Haus ihrer Mutter an der Ecke der heutigen Mikó utca und Attila út. Der Kindergarten trug den Namen „Angyalkert” (Engelsgarten). Noch heute erinnert dort eine Skulptur an die Gründerin.

Im Jahr 1829 gründete sie zudem eine Dienstmädchenschule. 1836 gründete sie schließlich noch einen Verein zur Erhöhung der Zahl der Kindergärten. Bis zu ihrem Tod stieg die Zahl der Kindergärten auf 80.

Zusammen mit Blanka Teleki, der Tochter von Karolina

Brunswick und Graf Emmerich Teleki, war sie außerdem an der Gründung und Finanzierung der ersten ungarischen Frauenbildungsanstalt aktiv beteiligt. Neben all diesen Gründungsaktivitäten setzte sie sich ab 1848 auch leidenschaftlich für die Ungarn und eine Loslösung Ungarns von der Bevormundung durch Österreich ein.

Theresia verbrachte ihre letzten Jahre bei ihrer Großnichte Julia Brunswick in Vácduka und starb dort im Alter von 86 Jahren. Am 27. September 1861 wurde ihre Asche in Martonvásár beigesetzt. Heute tragen zahlreiche Institutionen und Kindergärten ihren Namen. Es gibt sogar einen Theresia-Brunswick-Preis. Dieser wird für herausragende Leistungen in der Ausbildung von Kindergärtnerinnen sowie für Lehrkräfte verliehen, die sich in diesem Bereich besonders verdient gemacht haben.

Im Schlosspark ging einst Beethoven mit den Brunswick-Geschwistern spazieren.

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