BFO beim Beethovenfest
Tanz auf Leben und Tod
Den Auftakt bildet Beethovens Siebte, jene Sinfonie, die Richard Wagner einmal als „Apotheose des Tanzes“ pries. Schon ihre Uraufführung 1813 geriet zum Triumph. Damals erklang sie bei einem Benefizkonzert zugunsten verwundeter Soldaten, heute gilt sie als Inbegriff musikalischer Vitalität.
Nach der Pause verschiebt sich der Schwerpunkt ins Ungarische. Bartók Béla, der Revolutionär der Moderne, erzählt in seinem Einakter Der wunderbare Mandarin eine düstere Geschichte voller Begierde, Gewalt und Erlösung. Drei Gauner zwingen ein junges Mädchen, Männer in eine Falle zu locken; der geheimnisvolle Mandarin aber entzieht sich allen Morden, bis er schließlich durch die Zärtlichkeit des Mädchens erlöst wird – und stirbt. Als die Oper Köln 1926 das Stück erstmals wagte, verbot der Bürgermeister nach wenigen Aufführungen weitere Vorstellungen: zu skandalös erschien die offen dargestellte Ekstase.
Bartóks Musik ist bis heute ebenso aufwühlend wie radikal. Mit wuchtigen Schlagwerk-Akzenten, irrlichternden Bläsern und fiebrigen Rhythmen sprengt er die Grenzen der Tonalität. Das Budapester Festivalorchester musiziert dabei nicht allein: Das international gefeierte Tanzensemble von Éva Duda übersetzt die fiebrige Partitur in körperliche Präsenz und lässt Bartóks visionäres Tanztheater auf der Bühne des Bonner Opernhauses lebendig werden.
Ein Doppelabend also, der Geschichte schreibt: Beethoven als Triumph des Lebens, Bartók als Studie über Begehren und Untergang. Und mittendrin Iván Fischer, der das Budapester Festivalorchester längst in die erste Reihe der Weltorchester geführt hat.
