Einer der ersten MARTA-Busse auf Westinghouse-Lizenzbasis in der damaligen „Königlichen Freistadt“ Arad. Foto: Sozialmedien/ Magyar városok régen – Sammlung von Péter Istvánfi.

Tourismus-Projekt

Stadtrundfahrt wie vor einhundert Jahren

Die rumänische Stadt Arad plant den Bau eines dem ersten Doppeldeckerbus des legendären ungarischen Automobilherstellers MARTA nachgestellten Fahrzeugs.

Die Ungarische Automobilgesellschaft von Arad (MARTA) produzierte das Fahrzeug zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Stadt Arad will das historische Modell für touristische Zwecke bauen und auf einer genau festgelegten Strecke verkehren lassen, berichtete die rumänische Nachrichtenagentur Agerpres. Der Kreis Arad war einst für seine Automobilproduktion berühmt.

Königliche Busse

„Wenn es in Genf mit alten Straßenbahnwaggons möglich ist, sollten wir die Attraktion auch in Arad einführen“, sagen Tourismusexperten. Das vom örtlichen Kulturzentrum initiierte Projekt, mit dem das Erbe der ehemaligen Autofabrik fortgeführt wird, soll in nur zwei Jahren in enger Kooperation von Fabriken, Universitäten und Unternehmern des Kreises umgesetzt werden, erklärte der Leiter des Kulturzentrums, Ovidiu Balint. „Wir arbeiten derzeit an einer Partnerschaftsvereinbarung, die bereits von mehreren Autozulieferern unterzeichnet wurde. Beteiligt sind außerdem die Fakultät für Ingenieurwesen und Design der örtlichen Universität, die Stadtverwaltung und mehrere zivile Vereine.“

Der dem Nachbaumodell zugrunde liegende Bus wurde von der ersten ungarischen Autofirma, der 1908 in Arad gegründeten Magyar Automobil Részvénytársaság Arad (MARTA), hergestellt, die zunächst als Niederlassung des US-Unternehmens Westinghouse in Le Havre, Frankreich, tätig war. Bis 1914 produzierte das Unternehmen auch Lastwagen, Busse und einen Personenwagen namens Marta. Im Jahre 1912 wurde es von der österreichischen Austro-Daimler-Gesellschaft aufgekauft. Später produzierte das Unternehmen in Arad u. a. die ersten Busse für die Königlich Ungarische Post und die ersten 150 Taxis in Budapest.

Kulturzentrum im Jugendstil

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel die Stadt Rumänien zu. Es kam zu einer Fusion mit einer anderen Autofabrik; unter dem neuen Namen ASTRA wurde die Produktion 1926 nach Brassó (Brasov/ Kronstadt) verlagert. Das Bürogebäude des ehemaligen Werks in Arad steht unter Denkmalschutz. Das Astra-Waggonwerk schenkte das Jugendstilgebäude 2021 der Stadt, mit dem Ziel, hier ein Kulturzentrum einzurichten. Das extrem baufällige Industriedenkmal befindet sich nun in der Obhut des Kulturzentrums mARTA, das Pläne für seine Renovierung entwickelt hat. Der geschätzte Wert des Projekts beläuft sich auf schätzungsweise 11 Mio. Euro; die Baukosten sollen teilweise aus EU-Fördermitteln gedeckt werden soll.

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