Prinz Frédéric von Anhalt, der letzte Ehemann von Zsazsa Gabor: „Es wird weitergehen. Das Museum war nur ein Schritt.“ Foto: Zsazsa Gabor Museum

Gedenkraum zu Ehren von Zsa Zsa Gabor eröffnet

Schätze aus dem privaten Nachlass der ungarischen Diva

Ende Mai eröffnete in den Origo Film Studios in Budapest der weltweit erste Ausstellungsraum, der sich dem Andenken der ungarischstämmigen Schauspielerin, des einstigen Hollywood-Sexsymbols Zsa Zsa Gabor widmet.

Mehr als fünf Jahre nach ihrem Tod gibt es hier ab sofort die Möglichkeit, Möbel, Kleidung, persönliche Gegenstände sowie weitere Reliquien des stets von Skandalen umrankten Starlets zu sehen.

Sie war Hollywoods It-Girl der ersten Generation – ohne größeres schauspielerisches Talent war die in Budapest geborene Zsa Zsa Gabor als eine der ersten einfach nur berühmt fürs Berühmtsein. Dafür sorgte ein Leben voller Ausschweifungen, Skandale und häufig wechselnder Ehemänner. Obwohl Gabor abgesehen von ihren frühen Glanzrollen in den Filmen „Moulin Rouge“ und „Im Zeichen des Bösen“ nie größere filmische Erfolge verbuchen konnte, ist sie eine der wenigen Prominenten ungarischer Abstammung, die einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame erhalten haben.

Zsazsa Gabor ist eine der wenigen Prominenten ungarischer Abstammung, die einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame erhielten. Foto: Zsazsa Gabor Museum

2016 war die einstige Miss Hungary mit 99 Jahren in Los Angeles an den Folgen eines Herzinfarkts verstorben. Seitdem kämpft ihr letzter Ehemann, der deutsche Prinz Frédéric von Anhalt darum, das Erbe der Hollywood-Berühmtheit am Leben zu erhalten. Erst im vergangenen Jahr erhielt die Urne mit der Asche der Diva in einem Ehrengrab in der Künstlerparzelle des Kerepescher Friedhofs in Budapest einen würdigen letzten Ruheort.

Nun wurde mit der Eröffnung eines eigenen Gedenkraums in Ungarns Filmfabrik, den Origo Studios, ein weiterer Meilenstein auf dem Weg, das Andenken an die Hollywood-Diva unsterblich zu machen, erreicht.

Möbel, Andenken und Abendkleider erinnern an die Glamour-Dame

Der Kern der Sammlung besteht aus Objekten, die Witwer Prinz Frédéric von Anhalt den Origo Filmstudios zu diesem Zweck gespendet hatte. Sie alle wurden aus Gabors Villa in Bel Air, in der sie bis zu ihrem Lebensende mit ihrem Mann residierte, nach Ungarn eingeflogen. Der von Glaswänden umgebene Raum ist dem Arbeitszimmer der ungarischen Berühmtheit nachempfunden und enthält neben originalen Antikmöbeln auch Bücher, Bilder, Fotos, Zeitungsausschnitte und viele persönliche Gegenstände, beispielsweise Briefe ihres zweiten Ehemannes, des Hotelmagnaten Conrad Hilton.

Zsazsa Gabor im Film Moulin Rouge.

Ein besonderes Highlight sind jedoch einige glamouröse Abendkleider, die von Gabor zu denkwürdigen oder besonders skandalträchtigen Anlässen getragen wurden. So kann etwa das Kleid bewundert werden, in dem Zsa Zsa 1989 einen Polizisten ohrfeigte und daraufhin verhaftet wurde.

Neben Vertretern des Origo Film Studios und des ungarischen Hollywood Council, wohnte auch Gabors Witwer, Frédéric Prinz von Anhalt, der Eröffnung des Gedenkraumes bei. Er betonte, dass jedes der Ausstellungsobjekte eine einzigartige Geschichte habe, die ausführlich erzählt werden könnte. Besondere Emotionen verbinde er mit dem Chippendale-Schreibtisch, der ein großes Areal des Raumes einnimmt. „Den habe ich mir über 35 Jahre mit Zsa Zsa geteilt, es fiel mir schwer, mich davon zu trennen. Aber ich werde auch nicht ewig leben und Zsa Zsa sagte immer, wenn es mal ein Museum geben sollte, dann muss der Schreibtisch unbedingt da rein“, erklärte der 78-Jährige auf Nachfrage der Budapester Zeitung. Auf dem Tisch sind nun mehr als ein Dutzend goldene Schlüssel zu bestaunen, die Gabor als Ehrenbürgerin verschiedener Städte und Gemeinden erhalten hat.

Pläne für Buch, Film und Fernsehserie über Zsa Zsa

Auf die Frage, welche weiteren Projekte es gebe, um das Andenken an das Hollywood-Starlet am Leben zu erhalten, antwortete von Anhalt gegenüber der Budapester Zeitung: „Es wird weitergehen. Das Museum war nur ein Schritt. Wir werden heute noch ihren Grabstein mit dem Hollywoodstern darauf enthüllen. An der Donau soll zudem eine lebensgroße Bronzefigur von Zsa Zsa aufgestellt werden. Ich persönlich arbeite gerade an einem Buch, in dem ich all die noch völlig unbekannten Geschichten über Zsa Zsa festhalte, die sich hinter verschlossenen Türen abgespielt haben und die deshalb nur ich kenne.“ Von Anhalt bestätigte auch, dass er in Zusammenarbeit mit der Origo-Filmgruppe und dem ungarischen Hollywood Council an einem Film sowie einer Fernsehserie über das Leben von Zsa Zsa Gabor arbeite. „Wir konnten wirklich berühmte Hollywood-Größen finden – ich darf noch keine genauen Namen nennen –, die sich zu einer Mitarbeit an dem Projekt bereiterklärt haben. Es soll schon sehr bald losgehen“, versprach von Anhalt.

„Zsa Zsa sagte immer, wenn es mal ein Museum geben sollte, dann muss der Schreibtisch unbedingt da rein.“ Foto: Zsazsa Gabor Museum

„Es ist wichtig, auf unser Vermächtnis in der internationalen Filmindustrie aufmerksam zu machen“, sagte Mihály Tóth, Marketingmanager der Origo Film Studios, in Bezug auf Zsa Zsa Gabor. Er betonte, dass die Rolle der Ungarn in der Welt des internationalen Films heute noch genauso bedeutend sei wie zur Zeit der Gründung Hollywoods sowie den goldenen Jahrzehnten danach, in denen ungarische Persönlichkeiten wie Zsa Zsa Gabor und ihre Familie weltberühmt wurden. Heute gelte Ungarn als wichtiger Produktionsstandort der Filmindustrie. „In den zwölf Jahren seit seiner Gründung war das Origo Film Studio Drehort für Oscar-prämierte Filme wie Blade Runner 2049 und Dune. Auch derzeit arbeiten rund 20.000 ungarische Filmprofis bei uns an internationalen Produktionen. Ihre Zahl wächst von Jahr zu Jahr“, erklärte Tóth.

Neben Zsa Zsa Gabor verfügt das Origo Filmstudio auch über einen zweiten Gedenkraum, der zum einen Einblicke in das Leben des Hollywood-Pioniers Adolph Zukor gibt und zudem auch das Andenken des 2019 verstorbenen, vor allem für Actionfilme bekannten Filmproduzenten Andy Vajna ehrt.

Zu bedauern ist, dass sowohl dieser Gedenkraum als auch die Zsa-Zsa-Gabor-Ausstellung vorerst keiner breiteren Öffentlichkeit zugänglich sind, da die Filmstudios momentan nur für Filmschaffende, nicht aber für Besucher begehbar sind.

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