DUJW: Europäische Jugendbegegnung zum 36. Gedenktag des Paneuropäischen Picknicks
Mauern überwinden
Mit diesen Worten beendete Jonas Schober, einer der österreichischen Teilnehmer der Paneuropäischen Sommerakademie 2025 seine Reflexion, die er am 19. August bei den Gedenkfeierlichkeiten zum 36. Jahrestag des Paneuropäischen Picknicks mit dem Publikum in Sopron teilte.
Perspektiven und Meinungen teilen
Und er brachte es auf den Punkt: Vom 14. bis 20. August 2025 kamen im Rahmen der Paneuropäischen Sommerakademie des Deutsch-Ungarischen Jugendwerks (DUJW) 36 junge Teilnehmer aus sechs EU-Ländern zusammen, um ihre Perspektiven und Meinungen über Europa, Demokratie und aktuelle politische Diskurse zu teilen und einen internationalen Austauschraum zu eröffnen. Das Programm – gefördert von Erasmus+ und vom Deutsch-Ungarischen Jugendwerk – mündete in der Deutsch-Ungarischen Sommerakademie, ein langjähriges Kooperationsprojekt des Jugendwerks mit dem Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ungarn, zu der über 20 weitere junge Teilnehmer aus Deutschland und Ungarn hinzukamen, um an das Paneuropäische Picknick als historischen Moment für die europäische Einheit gemeinsam zu erinnern.
Das Paneuropäische Picknick jährte sich am 19. August 2025 zum 36. Mal: Bei Sopron an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich wurde an diesem Tag vor 36 Jahren eine friedliche Demonstration – ein Picknick – zum Abbau des Grenzzauns abgehalten. In dessen Rahmen wurde die Grenze geöffnet und damit über 700 DDR-Bürgern die Flucht in „den Westen“ ermöglicht. Diese Risse und Überschreitungen der Grenze im räumlichen und zwischenmenschlichen Sinne bildeten einen symbolischen Meilenstein an einem Weg, der schließlich am 9. November zum Fall der Berliner Mauer führte und dann weiter zur deutschen Wiedervereinigung.
Gespräche mit Experten und Zeitzeugen
Um diesen Tag in all seinen Bedeutungsfacetten aufzuarbeiten, boten die Sommerakademien ein vielfältiges Programm, in dem sowohl Gespräche mit Experten und Zeitzeugen ermöglicht als auch Raum für eine interaktiv gelebte Erinnerungskultur in Form von Workshops und Projekten geschaffen wurde. Rahmenpunkte des Programms bildeten ein Empfang der Bürgermeisterin Bettina Zentgraf im Gedenkpark Mörbisch am See, also an dem Ort, an dem 1989 die Flüchtlinge ihre erste sichere Zuflucht fanden, ein Vortrag von Historikerin Dr. habil. Krisztina Slachta sowie authentische Zeitzeugengespräche in Form einer „Living Library“.
Árpád Bella, ehemaliger leitender Grenzoffizier an der ungarisch-österreichischen Grenze, und Wolfgang Bachkönig, ehemaliger Chefinspektor der österreichischen Polizei, berichteten von ihren Erlebnissen und Erinnerungen, eingerahmt durch eine geschichtswissenschaftliche Einordnung durch Prof. Mag. Dr. Martin Krenn, Professor für Geschichte an der privaten pädagogischen Hochschule Burgenland.
Das Programm mündete am 18. August in eine Zusammenführung der Paneuropäischen und der Deutsch-Ungarischen Sommerakademie, die mit einer historischen Stadtführung durch Magdolna Krisch, Abgeordnete der Deutschen Selbstverwaltung Sopron, sowie einem Empfang beim Bürgermeister Ciprián Farkas ihren Auftakt fand. Während der zweitägigen Konferenz gab es einen anregenden Austausch mit namhaften Gästen wie Dr. Axel Hartmann, Botschafter a.D. und ehemaliger Leiter der Rechts- und Konsularabteilung der Deutschen Botschaft in Budapest, László Nagy, Sekretär der Stiftung Paneuropäisches Picknick ’89, sowie der Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in Ungarn, Julia Gross.
Die Experten appellierten in ihren Vorträgen vor allem an die Bewahrung und Förderung des europäischen Zusammenhalts, der durch historische Meilensteine wie das Paneuropäische Picknick geschaffen wurde, und hoben die Bedeutung internationaler Begegnungsprojekte hervor. Dr. Elisabeth Knab, Vorsitzende des Deutsch-Ungarischen Jugendwerk e.V., fasste in ihrer Eröffnungsrede zusammen: „Das Ziel unseres Jugendwerks ist es, euch immer wieder daran zu erinnern, wie viel mehr uns in Europa auf der menschlichen Ebene verbindet, als uns auf der großen Bühne der Politik trennt.“
Das Deutsch-Ungarische Jugendwerk ist ein Zusammenschluss der Vereine Deutsch-Ungarisches Jugendwerk e.V. mit Sitz in Berlin und Magyar-Német Ifjúságért Egyesület mit Sitz in Budapest. Die zivile Arbeit des Jugendwerks wird von deutscher Seite durch Mitgliedsbeiträge, sowie von ungarischer Seite durch Zuwendungen vom Amt des Ministerpräsidenten und Fördermittel der Bethlen Gábor Alapkezelő Zrt. finanziert.
Interkulturelles Gedenkpicknick
Die Sommerakademien fanden ihren Höhepunkt in der Teilnahme an den offiziellen Gedenkfeierlichkeiten der Stadt Sopron am 19. August, sowie ein durch die Teilnehmer organisiertes interkulturelles Picknick, das symbolisch am Ort der damaligen Grenzöffnung im Gedenkpark Fertőrákos stattfand. Nach dem Konzept des Deutsch-Ungarischen Jugendwerks organisierten die Jugendlichen mit ihren kreativen Ideen ein unvergessliches und besonderes Gedenkpicknick und schufen einen besonderen Moment des interkulturellen Zusammenseins. An diesem bedeutungsträchtigen Ort waren die Gespräche und Gedanken sowohl der Vergangenheit gewidmet als auch dem Blick in die europäische Zukunft – um auch weiterhin gemeinsam Mauern zu überwinden.

In den zusammen verbrachten Tagen diskutierten die Teilnehmer Fragen, die heute aktueller sind denn je: Welche Herausforderungen begegnen uns in Europa? Welche Mauern und Grenzen drohen heute, unsere Gesellschaft zu trennen? Und welche Schlüsse können wir aus der Vergangenheit ziehen?
Die Sommerakademien haben den Versuch unternommen, die Jugendlichen bei der Suche nach Antworten auf diese Fragen zu unterstützen und ihnen wertvolle Gedanken und Impulse an die Hand zu geben. Die öffentliche Reflexion der Teilnehmer hinterließ ein hoffnungsvolles Gefühl, dass dieser Beitrag gelungen ist: „Wir sind zum Gedenkpark in Fertőrákos gefahren und konnten fühlen, wie europäische Geschichte passiert ist“, berichtete Teilnehmerin Julie Vosyková vom Deutsch-Tschechischen Jugendforum. Und Teilnehmer Jan van den Hombergh aus den Niederlanden übersetzte seine Inspiration der Tage in Sopron in ein Gedicht zum Paneuropäischen Picknick, dessen Zeilen sowohl für die Vergangenheit als auch mehr denn je für die Gegenwart zu sprechen scheinen.
Diese bange Menschenmenge
Hat sich im tosend Gedränge
versammelt.
Jetzt muss ich die Tat ergreifen
oder untergehen.
Gebt mir nun munter eure Hände
Meine Geschwister anderer Mütter
Wir wittern doch die Freiheit!
Die Tyrannen haben keine
Knechte mehr.
