Ungarische Staatsoper / Premiere
Lohengrin als entstaubter Schwanenritter
Es gibt Abende an der Oper, an denen ein vertrautes Werk plötzlich in ein fremdes Licht gerät – und genau das passiert in der neuen Inszenierung von „Lohengrin”. Wagner wird hier nicht verewigt, sondern neu aktiviert: als futuristische Legende, gefasst in eine ästhetische Mischung aus romantischer Ritterwelt und steampunkhafter Zukunftsvision.

Eine Gesellschaft, die nach Erlösung hungert
Die Produktion interessiert sich weniger für die Rittergeschichte selbst als für das System, das sie hervorbringt: eine Gesellschaft, die nach Erlösung hungert und jeden „Retter” sofort vereinnahmt, um ihn im nächsten Moment zu zerstören.

Lohengrin wird so zum Übermenschen, der den Menschen ausgeliefert ist – ein Paradoxon, das die Inszenierung mit scharfem Blick herausarbeitet. Elsa wiederum erscheint nicht als unschuldige Träumerin, sondern als Frau, die den eigenen Wunsch zum Mythos erhebt und daran zerbricht.
Aus einem Zwischenreich von Licht und Maschine
Der amerikanische Tenor Christopher Sokolowski, der die Titelrolle singt, fügt sich erstaunlich organisch in diese neu konstruierte Welt ein. Sein Timbre – schlank, flexibel und zugleich mit hellem Metallkern – passt perfekt zu diesem Lohengrin, der nicht aus dem Mittelalter, sondern aus einem Zwischenreich von Licht und Maschine stammt. Dass er die Partie bereits in Bremen gesungen hat, ist deutlich zu merken: Er agiert mit einer Mischung aus Zartheit und Präzision, die der Figur überraschend moderne Konturen verleiht.
Am Ende steht ein Lohengrin, der weniger Erlösung als Erkenntnis bringt. Die Zukunft, so deutet diese Inszenierung an, ist weder märchenhaft noch rein, sondern ein Raum, in dem mythische Figuren nur überleben, wenn sie bereit sind, sich neu zu erfinden. Wagner hätte daran vermutlich Gefallen gefunden.

Weitere Vorstellungen gibt es am 16., 18. und 20. November.
Ticket gibt es hier.
